Bußgeld gegen Husky-Halter

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Ein Anleingebot für den Inndamm in ihrem Bereich hat die Gemeinde Stephanskirchen erlassen.

Vogtareuth/Landkreis - Ein gerissenes Reh in Sachrang, aufgescheuchte und gejagte Hühner in Vogtareuth: Hunde können zum Ärgernis werden!

Ein neuerlicher Vorfall in Vogtareuth beschäftigte in seiner jüngsten Sitzung den Gemeinderat.

Die beiden Huskys sind in Vogtareuth dorfbekannt. Vor zwei Jahren sollen sie bereits Schafe und Hühner gerissen haben. Eine eindeutige Schuldklärung gelang damals allerdings nicht. Neuester Vorfall war eine wilde Jagd über den Hühnerhof eines landwirtschaftlichen Anwesens, auf dem das Duo schon einmal Federvieh gerissen hatte und sich die Familie auch um die Sicherheit ihrer beiden kleinen Kinder sorgt.

CSU-Fraktionsvorsitzender Johann Bürger-Schuster forderte im Gemeinderat mit Vehemenz, alle rechtlichen Möglichkeiten zum Einschreiten auszuschöpfen - auch weil sich nach seinen Angaben Anlieger rund um den Bereich Kapellenfeld, wo die beiden kräftigen Hunde daheim sind, in ihrer Sicherheit bedroht fühlen würden. "Viele trauen sich nicht mehr, spazieren zu gehen", empörte sich Bürger-Schuster. Zahlreiche Ratsmitglieder bestätigten Klagen von Einwohnern, die sich von den Tieren mit ihrem starken Bewegungsdrang, die scheinbar immer wieder aus ihrem Gehege entweichen und dann frei herumlaufen, drangsaliert fühlen. Auch im Rathaus gehen immer wieder Beschwerden ein.

Bürgermeister Matthias Maier, selber Halter von Hunden, ist nach eigenen Angaben "stinksauer" über den erneuten Vorfall. Er sieht die Halter in der Pflicht, ihre Zweibeiner so zu erziehen und artgerecht zu halten, dass sie keinen Schaden anrichten oder Menschen verängstigen.

Selbst wenn Tiere von Hunden getötet oder schwer verletzt würden, handele es sich bei diesen Vorgängen rechtlich gesehen lediglich um "Sachbeschädigung", bedauert Maier. Dies sei eine privatrechtlich zu klärende Angelegenheit zwischen Haltern und Geschädigten. Die Gemeinde könne nur einschreiten, wenn die Gefahr einer Störung der öffentlichen Sicherheit drohe.

Im aktuellen Fall sind jedenfalls auch Hundeführer der Polizei eingeschaltet worden, wird vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd bestätigt. Sie hätten nach einer Lagebeurteilung die Gemeinde über die Möglichkeiten zum kommunalen Handeln informiert. Rechtsbasis für die Anordnung eines Bußgeldes sei in Vogtareuth die Hundehaltungssatzung, erläutert dazu der Bürgermeister. Die Satzung verlange für Tiere ab einer bestimmten Schulterhöhe die Anleinung. Werde nachgewiesen, dass diese Auflage nicht eingehalten werde, könne ein Bußgeld erlassen werden, das bei wiederholter Missachtung gesteigert werden könne. 300 Euro verlangte die Gemeinde nach eigenen Angaben im aktuellen Fall von den Haltern. Sie wurden auch erneut aufgefordert, die Tore ihres Außenbereiches so zu sichern, dass die Huskys nicht mehr ausbüxen können.

Auch die Einschaltung eines Hundesachverständigen ist möglich. Von der Regierung von Oberbayern anerkannte Gutachter beurteilen dann, ob Hunde aufgrund ihres Wesens eine Gefahr für die Sicherheit von Menschen darstellen. Das ist bei den Huskys anscheinend nicht der Fall. Bei subjektiv empfundenen Gefahren, die nicht zu tatsächlichen Beißattacken führen, seien Kommunen als Wächter über die öffentliche Sicherheit die Hände gebunden, bedauert Maier.

In der Gemeinde Stephanskirchen weiß man von solchen Problemen ebenfalls ein Lied zu singen. Hier häuften sich vor drei Jahren die Beschwerden über freilaufende Hunde im Bereich der Innflutmulde.

Zur Landesgartenschau erließ die Gemeinde Stephanskirchen deshalb ein Anleingebot für den gesamten Bereich. Es gilt heute nach wie vor für den Inndamm. Regelmäßig kontrollieren die Reiterstaffel und die Hundeführer der Polizei hier nach eigenen Angaben die Einhaltung der Regeln. Schilder weisen deutlich sichtbar auf die Pflicht zum Anleinen auf dem Damm hin. Mittlerweile habe sich die Situation nach Angaben von Georg Plankl, Leiter des Ordnungsamtes im Rathaus von Stephanskirchen, entspannt. Die Einhaltung der Anleinpflicht habe sich gut eingespielt. Beschwerden über Hunde, die Erholungssuchende belästigen, hätten abgenommen.

Drei- bis viermal im Jahr muss das Ordnungsamt trotzdem einschreiten: Dann kommt es nach Informationen von Plankl zu Anordnungen mit Auflagen für bisher uneinsichtige Halter - etwa mit dem Inhalt, dass der Hund nur von bestimmten Personen oder zu bestimmten Zeiten Gassi geführt werden darf und an der Leine gehen muss.

"Das Problem ließe sich noch einfacher lösen, wenn ein Hundeführerschein verlangt würde", findet Plankl. Der Vogtareuther Bürgermeister rät deshalb allen Hundehaltern, grundsätzlich mit ihrem vierbeinigen Freund eine Hundeschule zu besuchen. Zudem sollten sie Zwinger und Grundstücke, auf denen Hunde gehalten werden, so sichern, dass diese, nicht wie in Vogtareuth immer wieder geschehen, ausbüxen können.

duc/Oberbayerisches Volksblatt

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