"Chlorung mindestens noch zwei Wochen" 

Rosenheim -  Mikrobiologisch verunreinigtes Trinkwasser, wochenlange Chlorungen: Wie ist es um unser Trinkwasser bestellt? Aktuell und in Zukunft? Der Geschäftsführer der Stadtwerke gibt Antworten! **NEU:Video-Interview**

Im Pressegespräch der Stadt Rosenheim stellte sich am Mittwoch Dr. Götz Brühl den Fragen der Journalisten und gab umfangreiche Informationen zur momentanen Verunreinigung im Trinkwasser der Rosenheimer Stadtwerke.

Wie alles begann:

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Laut Dr. Brühl wird dem Rosenheimer Trinkwasser einmal in der Woche eine Probe entnommen und untersucht. Am Mittwochmorgen, 13. Juli, habe dann eine Probe zwei E.coli-Keime enthalten. Laut Vorschriften liegt der Grenzwert bei E.coli-Keimen aber bei Null. "Soweit wir wissen, ist in den vergangenen 50 Jahren in unserem Trinkwasser bisher keiner dieser Keime aufgetaucht", so der Geschäftsführer der Stadtwerke. Bei diesen E.coli-Keimen handelt es sich um ein Bakterium, das im menschlichen und tierischen Darm vorkommt. Man müsse daher auch davon ausgehen, dass dieses Bakterium über Gülle ins Trinkwasser gelangt ist, so Dr. Brühl.

Die aktuelle Situation:

Momentan besteht ein Abkochgebot für alle Haushalte, die mit dem Trinkwasser der Rosenheimer Stadtwerke versorgt werden. Das Gebot gilt für Rosenheim, Stephanskirchen und Schechen. Rohrdorf habe laut Dr. Brühl mittlerweile auf Eigenversorgung umgestellt, weshalb hier das Abkochgebot nicht mehr bestehe. Im Landkreis Rosenheim sind weiterhin auch die Gemeinden Großkarolinenfeld und Bruckmühl vom Abkochgebot betroffen. In Söchtenau wurde das Abkochgebot aufgehoben.

Die Stadt bietet im Zusammenhang mit der Verunreinigung und Chlorung des Trinkwassers ein zusätzliches Informationsangebot an. So steht nunmehr auch die Lebensmittelüberwachung der Stadt für Auskünfte im Zusammenhang mit Lebensmitteln oder der Lebensmittelproduktion zu den üblichen Bürozeiten zur Verfügung:

Stadtwerke: 0179 / 4623608

Gesundheitsamt: 08031 / 3926002

Lebensmittelüberwachung: 08031 / 3651355

Seitdem die mikrobiologische Verunreinigung im Grundwasser festgestellt wurde, hat das Gesundheitsamt Rosenheim eine Chlorung der betroffenen Wassernetze angeordnet. Durch das Chlor sollen die E.coli-Keime abgetötet werden. Laut Dr. Brühl werde bei den Stadtwerken dem Wasser momentan 0,6 Milligramm Chlor pro Liter hinzugefügt. Am Wasserhahn des Endverbrauchers soll die Konzentration laut Vorschrift die Grenze von 0,2 Milligramm Chlor pro Liter nicht unterschreiten. "Sämtliche Mengen Chlor, die sich bei uns in den Leitungen jetzt befinden, sind gesundheitlich unbedenklich", betonte der Geschäftsführer der Stadtwerke.

Kurzfristiger Ausblick:

"Wenn alles klappt, dann wird das Abkochgebot am Wochenende aufgehoben", äußerte sich Dr. Brühl vorsichtig optimistisch. Das letzte Wort habe natürlich aber das Gesundheitsamt und das wolle erst noch mehr Proben, um auf Nummer sicher zu gehen. Sollten aber auch die Proben wieder keimfrei sein, muss das Trinkwasser darüber hinaus weiter gechlort werden, "mindestens noch zwei Wochen", so Dr. Brühl. Eine Verordnung des Gesundheitsamts besagt aber auch, dass noch 30 Tage nach einer Keimfreiheit gechlort werden muss.

Langfristiger Ausblick:

Um solch einer mikrobiologischen Verunreinigung in Zukunft vorzubeugen, werden in Stadt und Landkreis bereits neue Pläne geschmiedet. Laut Dr. Brühl würden derzeit im Landratsamt Überlegungen laufen, die Gülle-Ausbringung kurzfristig zu untersagen. Zudem sollen die Schutzzonen, in denen Gülle ausgebracht werden darf oder eben nicht, neu strukturiert werden.

Speziell in Rosenheim werde laut dem Geschäftsführer der Stadtwerke bereits die sogenannte UV-Entkeimung getestet, um mögliche Keime im Trinkwasser abzutöten. In Kolbermoor war diese Maßnahme erfolgreich, hier ist das Wasser nicht verunreinigt. Um mehr Sicherheit zu haben, wollen die Stadtwerke auch einen neuen Brunnen erschließen, denn momentan werden rund 80.000 Personen mit dem Wasser aus einer Quelle bedient. "Wir werden bestimmte Dinge umsetzen. Welche, wird sich zeigen", so Dr. Brühl abschließend.

Martin Vodermair

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