Corona-Pandemie

Corona-Lage in der Region Rosenheim: Britische Mutation übernimmt das Ruder in der dritten Welle

Rund um Rosenheim sehen die Menschen weiter Rot: Infektionen in vielen Gemeinden treiben die Inzidenzzahl für die gesamte Region nach oben. Grafik Klinger
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Rund um Rosenheim sehen die Menschen weiter Rot: Infektionen in vielen Gemeinden treiben die Inzidenzzahl für die gesamte Region nach oben.

Von weiteren Öffnungen ist vorerst nicht mehr die Rede, die Inzidenzzahlen sind weiter im Steigen: Die dritte Welle der Corona-Pandemie scheint in der Region Rosenheim angekommen. Und wieder ist über die Hälfte der Neuinfektionen auf eine Virus-Variante zurückzuführen.

Rosenheim –Die Zahl der Corona-Ansteckungen in der Region Rosenheim steigt weiter. Nicht in großen Sprüngen, aber doch so, dass sich die jüngsten Diskussionen über stufenweise Lockerungen, wie sie vor nicht einmal zwei Wochen angekündigt worden waren, bis auf weiteres erledigt haben könnten.

In der Stadt Rosenheim liegt die 7-Tage-Inzidenz laut Wochenbericht des Gesundheitsamtes aktuell bei 138,5, im Landkreis bei 80,0. Der Vergleich mit den Tiefstständen legt den Schluss nahe, dass sich die Region in der dritten Welle der Corona-Pandemie befindet: Bei 36,2 hatte sich die Stadt Rosenheim am 1. Februar befunden, bei 42,5 der Landkreis am 13. Februar.

Der Abwärtstrend in den 7-Tage-Inzidenzen ist gestoppt

Der vor wenigen Wochen laut Dr. Wolfgang Hierl, dem Leiter des Rosenheimer Gesundheitsamts, noch „robuste Abwärtstrend“ ist demnach gestoppt und umgekehrt.

Seit vergangenem Freitag wurden dem Gesundheitsamt für Stadt und Landkreis 297 neue Infektionen gemeldet. Davon gehen 152 auf die sogenannte britische Variante B1.1.7 zurück, ein Anteil von rund 51 Prozent. In der dritten Welle übernimmt sie also das Ruder. Insgesamt verzeichnet das Gesundheitsamt bereits 482 Infektionen durch Varianten.

Nach wie vor ist laut Gesundheitsamt nur ein Fall der südafrikanischen Variante nachgewiesen worden (wir berichteten), eine Ansteckung durch die brasilianische Mutation sei noch überhaupt nicht.

Allerdings sind solche Angaben mit Vorsicht zu genießen. Die britische Variante hat eindeutige Merkmale. Sie gilt seit kurzem bereits durch einen variantenspezifischen PCR-Test als nachgewiesen. Bei den anderen Varianten ist zum endgültigen Nachweis das aufwendige Verfahren der Genom-Sequenzierung notwendig.

Viele Ansteckungen im „privaten Umfeld“

Eine Verdoppelung der Inzidenz im Landkreis, eine Beinahe-Vervierfachung in der Stadt innerhalb weniger Wochen: Dieser Anstieg hat seine Ursachen laut Gesundheitsamt im privaten Umfeld. Die Ansteckung etwa innerhalb der Familie oder im Freundeskreis machten drei von vier Infektionen aus, berichtet Wolfgang Hierl.

14 Prozent entfielen auf den Arbeitsplatz, vereinzelt steckten sich Menschen in Kliniken sowie Pflege- und Behindertenheimen an. Ausbrüche in Schulen und Kitas sowie bei der Freizeitbeschäftigung.

Region hängt beim Impfen Bayern hinterher

Ebenfalls am Steigen, allerdings nicht so stark wie die Inzidenzzahlen, sind die Impfquoten. Insgesamt sind in der Region rund 34.600 Impfungen seit Impfstart gegeben worden, vor allem in Alten- und Pflegeheimen, Krankenhäusern sowie dem gemeinsamen Impfzentrum von Stadt und Landkreis Rosenheim auf der Loretowiese wurden sie verabreicht. 23.501 davon waren Erstimpfungen, 11.050 Zweitimpfungen.

Die Impfquote in der Region Rosenheim im Überblick.

Insgesamt 8.214 dieser Impfungen wurden in stationären Einrichtungen sowie betreuten Wohnformen in Stadt und Landkreis Rosenheim verabreicht. Mit 3,4 Prozent Zweitgeimpften liegt die Region hinter Bayern (3,6 Prozent) und vor Deutschland (3,3). Mit 7,2 Prozent Erstgeimpften liegt die Region genau bei der gesamtdeutschen Quote, aber deutlich hinter Bayern (7,8 Prozent).

Die Zahlen in der Region

Seit dem Bericht vom Freitag vergangener Woche wurden dem Gesundheitsamt 297 neue Fälle gemeldet, die Woche zuvor waren es 281. Bisher sind insgesamt 14.039 Fälle von Corona-Infektionen in Stadt und Landkreis Rosenheim aufgetreten (Landkreis: 11 031, Stadt: 3.008). Mittlerweile wurde bei mindestens 12.595 Personen eine Genesung dokumentiert. Zwei Menschen sind in der vergangenen Woche im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben. 477 Menschen sind damit insgesamt mit oder an der Erkrankung gestorben (Landkreis: 424, Stadt: 53).

Vermehrt Schulen und Kitas betroffen

Vermehrt betroffen sind Schulen und Kindertagesstätten in Stadt und Landkreis. Je einen positiven Fall meldete das Gesundheitsamt zuletzt für folgende Einrichtungen (Stand 12. März): die Philipp-Neri-Schule Rosenheim, den AWO-Integrationskindergarten Happing, die Grundschule Prinzregentenstraße Rosenheim, den Hort Christkönig Rosenheim, den Pfarrkindergarten Arche Noah Bruckmühl, die Otfried-Preußler-Schule Stephanskirchen und die Rupert-Egenberger-Schule Bad Aibling. Zwei Corona-Fälle sind zuletzt an der Adolf-Rasp-Grundschule Kolbermoor aufgetreten. Drei positive Tests kamen im Freien Montessori-Kindergarten Rosenheim hinzu. Für alle Kontaktpersonen ist Quarantäne angeordnet.

Stabile Lage an den Krankenhäusern

Stabil stellt sich – trotz höheren Anteils an Infektionen mit Varianten mit möglicherweise schwereren Verläufen – die Situation in den Krankenhäusern dar. 103 Covid-19-Patienten werden aktuell in Stadt und Landkreis Rosenheim stationär behandelt, ebenso viele wie in der Woche zuvor. Hiervon befinden sich 17 Patienten auf einer Intensivstation. Vergangene Woche waren es 18.

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