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„Anordnungen haben das Faß zum Überlaufen gebracht“

Streik geplant: Unternehmer der Region protestieren gegen Corona-Maßnahmen der Regierung

Nur noch mit Test: Anne Donath bringt an ihrem Geschäft gegenüber vom Wasserburger Rathaus das entsprechende Hinweisschild an.
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Nur noch mit Test: Anne Donath bringt an ihrem Geschäft gegenüber vom Wasserburger Rathaus das entsprechende Hinweisschild an.

Gerhard Hardrath reicht es. Die Regeln des Freistaats und der Bundesregierung gegen die Corona-Pandemie lassen den Obermeister der Sanitär und Heizungstechnik-Innung nur noch den Kopf schütteln. Er plant mit anderen Handwerkern am Freitag (30. April) einen Protest.

Landkreis Rosenheim – Georg Hardrath, Inhaber eines Wasser-, Gas- und Heizungsbetriebes in Bruckmühl, rüstet mit zahlreichen Mitstreitern zum Protest „Die Anordnungen unserer Regierung in den letzten Tagen haben für uns das Fass zum Überlaufen gebracht“, sagt er.

Unternehmer-Streik am 30. April

Er und andere Handwerker aus der Region wollen am Freitag, 30. April, die Arbeit ruhen lassen. Er habe mit Maurern, Fliesenlegern, Brauern, Elektrikern, Metzgern und vielen anderen überlegt, was man tun könne, um „auch mal auf unsere Sorgen und Nöte aufmerksam zu machen“. Am Ende der Überlegungen stand der Unternehmer-Streik. „Wir werden keine Bestellungen tätigen, keinen Notdienst bereitstellen und auch sonst nicht erreichbar sein“, sagt Hardrath.

Forderung: Sinnvolle und berechenbare Maßnahmen

Zweck der Aktion sei es zum einen, dass die Kunden sich schon mal daran gewöhnen, dass der eine oder andere Betrieb bald nicht mehr erreichbar ist. Nicht nur am Freitag, sondern überhaupt nicht mehr.

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Und zum andern wollen die Selbstständigen auf ihre Forderungen aufmerksam machen: Aufhebung der Testpflicht in den Betrieben, keine Quarantäne für Mitarbeiter, der einen negativen PCR-Test vorweisen kann sowie unkompliziertere Anträge für Mitarbeiter, die in Quarantäne gehen müssen. Und vor allem: sinnvolle und berechenbare Maßnahmen der Regierung. „Von uns wird so was ja auch erwartet“, sagt Hardrath.

Sinnvolle Maßnahmen können Chefs besser

Und sie liefern, die Handwerker. Andreas Jegg verkauft und verlegt Fliesen. Seine Mitarbeiter sind in immer den gleichen Teams unterwegs, haben eine Richtschnur, was Arbeitssicherheit und Hygiene betrifft. Und auf den Baustellen wird deren Einhaltung kontrolliert.

Aktuelle Artikel und Nachrichten finden Sie in unserem Dossier zur Corona-Pandemie

„Wir können auf unsere Mitarbeiter selbst aufpassen – wir machen das auch schon viel länger als die Politiker“, sagt der Kolbermoorer. Die sollten sich um ihre Kernkompetenz kümmern und die Unternehmer eigenverantwortlich handeln lassen. Keiner seiner Mitarbeiter habe sich auf einer Baustelle angesteckt, wenn jemand in Quarantäne musste, lag es am familiären Umfeld.

Auflagen erschwerten und verlängerten Arbeit

Wirtschaftlich sei sein Unternehmen bisher einigermaßen über die Runden gekommen, auch wenn es aufgrund der Tests und Auflagen oft zeitlich knapp wurde und Vertragsstrafen drohten.

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Bei den Privatkunden habe das Geschäft nachgelassen und der reine Fliesenverkauf schrumpfte auf die Hälfte. Jetzt kommt erschwerend hinzu, dass das Material knapp wird, zum Beispiel Silikon kaum noch zu bekommen ist. „Aber im Gegensatz zu anderen geht es bei uns nicht um die nackte Existenz.“

Arbeiten in der Grauzone zwischen Widersprüchen

Ein besonderes Problem haben Betreiber eines Lagerhauses oder eines Bau- und Gartenmarktes: Der Landwirt oder Gewerbetreibende kommt ohne Termin und ohne Test, kauft einen Sack Dünger oder zwei Spezialschrauben. Privatleute, die Vogelfutter kaufen wollen, können das, weil täglicher Bedarf – wenn sie dann aber noch zwei Dübel haben wollen, dürfen die nicht ohne Termin und Test verkauft werden.

Obwohl der Kunde schon im Laden stehen, der Kontakt da ist. Gas zum Heizen darf verkauft werden, Gas zum Grillen nicht. Sonst könnte das bei einer Kontrolle teuer werden. Oder gleich zur Schließung des Betriebes führen.

Verstoß gegen das Grundgesetz

Kein Mensch kann die Regelung nachvollziehen, sie widerspreche nach Meinung einiger Baumarkt-Betreiber nicht nur Artikel 3 des Grundgesetzes, wonach vor dem Gesetz alle Menschen gleich sind. Das widerspreche auch dem normalen Menschenverstand. Denn bei den Discountern fragt keiner, ob der Kunde neben dem Liter Milch noch einen Akkuschrauber mitnimmt.

Deshalb gibt es in der Region Inhaber, die alle Kunden ohne Corona-Test einlassen. Sie haben sich auch schon öffentlich zu dem Thema geäußert, wollen dies jetzt aber nicht namentlich tun. Gleichzeitig suchen sie aber weitere Mitstreiter, denn ihre Hoffnung ist es, dass ein Umdenken einsetzen könnte, wenn sich alle gleichermaßen an diesem „stillen Protest gegen sinnfreie Corona-Regeln“ beteiligten.

Metzger kann Freitag nicht zusperren

Hubert Lohberger, Obermeister der Metzgerinnung und Chef eines großen Geschäftes am Salzstadel, wird am Freitag Nachmittag seinen Laden nicht schließen: „Ich arbeite mit frischer Ware, der Freitag ist umsatzstark und am nächsten Tag ist Feiertag. Da kann ich unmöglich zusperren.“

Den „stillen Protest“ der Handwerker, am Freitag einen Streiktag einzulegen, findet Richard Diebald gut. Der Chef eines großen Lackierbetriebes steckt allerdings in der Zwickmühle, dass er in zu vielen Lieferketten steckt, um selber mitzumachen. „Aber ich finde die Idee sehr gut.

Bürger sollen aufgerüttelt werden

Dann merken die Leute mal, was passiert, wenn Handwerker nicht arbeiten und sehen, wie unterschätzt sie sind.“ Vielleicht rüttele das noch mehr Bürger auf, denn „die Pandemie hat uns die Schwächen unseres Systems und die Schwächen unserer Entscheidungsträger aufgezeigt.“

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