Hilfe für Menschen in Not

Corona-Pandemie und Weihnachten: Rosenheimer Krisendienst sieht viel Arbeit auf sich zukommen

Koordiniert die Einsätze in der Rosenheimer Region: Alexander Scheitz, Gebietskoordinator des Krisendienstes Psychiatrie Region Südost-Oberbayern, kümmert sich um die seelische Unterstützung.
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Koordiniert die Einsätze in der Rosenheimer Region: Alexander Scheitz, Gebietskoordinator des Krisendienstes Psychiatrie Region Südost-Oberbayern, kümmert sich um die seelische Unterstützung.

Rosenheim - Zwei Mann starke Krisenteams sind über den Rosenheimer Landkreis verteilt und warten auf Einsätze aus der Zentralstelle des oberbayerischen Krisendienstes. Gebietskoordinator Alexander Scheitz fürchtet, dass durch die verschärften Corona-Maßnahmen an Weihnachten viele Menschen Hilfe benötigen werden.

Rosenheim – Probleme in der Arbeit, Streit in der Familie, der Partner hat einen verlassen, man sitzt alleine zuhause und weiß nicht genau, wie es weitergehen soll. Das sind die Szenarien, mit denen der Krisendienst Psychatrie Oberbayern tagtäglich zu tun hat. In Zeiten der Corona-Krise häufen sich die psychischen Probleme. Gerade in der kommenden Weinachtszeit rechnet man mit einer großen Anzahl an Hilfebedürftigen und die Ausrückteams im Rosenheimer Landkreis sind mehr denn je gefordert.

Viele Einsätze rund um Weihnachten

„Erfahrungsgemäß wird es an Weihnachten immer schlimmer, weshalb die Krisenteams ab sofort Jeden Tag von 8 bis 21 Uhr einsatzbereit jeden Tag von 8 bis 21 Uhr einsatzbereit sein werden“, berichtet Alexander Scheitz der Gebietskoordinator für die Region Südost-Oberbayern. Der Grund für die höhere Anzahl an Anrufen liegt für ihn darin, dass man sich in dieser Zeit vermehrt auf sich selbst konzentriert und gewohnte Abläufe, an denen man sich jeden Tag orientieren kann, wegfallen. Dadurch treten einige Problem zutage, die sonst tendenziell verdrängt werden konnten.

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Für die Leute, die diese Probleme nicht ohne Hilfe bewältigen können, ist der Krisendienst ein Ansprechpartner in der Not. Über eine Hotline gelangt man zu ausgebildeten Psychologen und Pädagogen, die die aktuelle Situation einschätzen und dementsprechend reagieren. Die Erfahrung zeigt, dass 70 Prozent der Beschwerden dabei direkt am Telefon bearbeitet werden können und direkt Wirkung beim Betroffenen zeigen. „Oft kann bereits ein sortierendes Gespräch am Telefon eine gute Entlastung bringen“, erklärt der Leitstellenleiter des Krisendienstes, Dr. Michael Welschehold. Wenn das nicht ausreicht, könne man aber auch weiterführende Hilfe anbieten.

Mobile Teams im Rosenheimer Landkreis im Einsatz

Diese basiert in erster Linie auf den mobilen Einsatzteams, die im ganzen Landkreis verteilt sind. Jeweils zwei Mitarbeiter sitzen in Rosenheim, Mühldorf, Wasserburg und Prien bereit, um im Ernstfall auszurücken. Das Ziel von Gebietskoordinator Scheitz ist es, dass es „maximal eine Stunde dauert“, bis das Team beim Hilfesuchenden ankommt. Das sei allerdings nur notwendig, wenn eine akute Gefahr besteht, wie wenn der Anrufer beispielsweise Suizidgedanken äußert.

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Insgesamt lässt sich laut den Statistiken des Krisendienstes in der Region ein Anstieg an Anrufen erkennen, von denen die meisten aus der Stadt Rosenheim kommen. Über 1000 Hilferufe kamen 2019 aus dem Kerngebiet, was zu 171 Einsätzen des Krisenteams führte. Die Zweiergespanne aus dem restlichen Landkreis waren dagegen nur 55 Mal im Einsatz. Die Gründe bleiben dabei meist dieselben: Familiäre Konflikte, Einsamkeitsgefühle und Erschöpfungszustände sind laut Dr. Welschehold häufige Auslöser der Krisen.

Corona und Weihnachten sorgen für Probleme

Aufgrund der Corona-Pandemie haben sich diese Krisen nochmals verstärkt. Wie Scheitz berichtet, erreichen die Leitstelle seit dem Lockdown 180 Anrufe pro Tag, Tendenz steigend. Die Gründe dafür sind ähnlich zu denen an Weihnachten. „Der gewohnte und stabile Tagesrhythmus wird unterbrochen.

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Viele haben Angst und sind durch ständige Regeländerungen überfordert“, stellt der Gebietskoordinator fest. Er befürchtet, dass gerade Menschen mit psychischen Vorerkrankung die Kombination aus Weihnachten und Corona nur sehr schwer ertragen können.

Leitstelle empfiehlt: Erwartungen senken

Die Leitstelle des Krisendienstes empfiehlt daher, sich von den Restriktionen nicht aus der Ruhe bringen zu lassen und gleichzeitig die Erwartungen für das kommende Fest nicht zu hoch anzusetzen. Wenn es dennoch zu Schwierigkeiten kommt, ermutigt der Dienst auch bei Kleinigkeiten mit Familien und Freunden zu reden. Scheitz gibt sich zuversichtlich, dass man dadurch auch trotz der derzeitigen Corona-Situation ein paar schöne Feiertage verbringen kann.

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