Crossalps wurde zum Wander-Wettbewerb

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Rosenheim/Wendelstein - Wandern statt gleiten: Das schlechte Wetter hat den Gleitschirmpiloten beim Wettbewerb Crossalps einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Der Start zur fünften Auflage des Wettbewerbs erfolgte am Samstag (27. Juni) um 8 Uhr an der Talstation der Hochriesbahn. Von dort aus suchen sich die Teilnehmer eine Route, die sie zu Fuß und fliegend möglichst weit vom Startpunkt weg bringt. Der Wendepunkt muss strategisch klug gewählt werden, denn wer in die Wertung kommen will, muss am darauf folgenden Tag bis spätestens 17 Uhr zurück sein. 

„Am ersten Tag herrschte wunderschönes Regen- und am zweiten Tag hammerartiges Wanderwetter“, sagte achtplatzierte Andreas Preininger vom Hörschinger FSV Bodenlos aus der Nähe von Linz. Was als Wettbewerb mit hohem Fluganteil gedacht ist, entwickelte sich im weiteren Verlauf mehr und mehr zu einem Wettkampf auf zwei Beinen.

Trotz der nicht allzu rosigen Wetterprognosen hatten aber nur wenige Flieger abgesagt. So verteilten sich nach dem Start über 60 Teilnehmer in alle Himmelsrichtungen. Ein Pilot vermutete besseres Wetter in einiger Entfernung zu den Bergen und wanderte mit geschultertem Schirm bis nach Höslwang. Leider fand er dort zwischen Golf-Club und Seen keinen geeigneten Flugberg.

In den Bergen selbst verhinderten der immer wieder auftretende Starkregen, dichte Wolken und Wind aus falschen Richtungen die meisten strategisch geplanten fliegerischen Ambitionen. Der Kölner Lars Budack, bereits mehrmaliger Wettbewerbsteilnehmer, konnte immerhin 15 Flugkilometer aufsummieren und erreichte mit insgesamt 90,66 Punkten den dritten Rang. „Mir war dieses Wetter ganz recht. So konnte ich schließlich meine schlechten Flugergebnisse durchs Laufen wett machen“, freute er sich über sein Ergebnis. Tatsächlich hatte er mit knapp 112 Kilometer die weiteste Strecke zu Fuß zurück gelegt - man bedenke: mit rund 15 Kilogramm sperrigem Gepäck auf dem Rücken und über mehrere Berge hinweg. Den zweiten Platz belegte Toni Patt, aus den USA eingewanderter Österreicher. Er flog mit seinem Schirm bereits 18 km weit. Sieger in diesem Jahr wurde aber der Grazer Maschinenbaustudent Paul Guschlbaur. Als effizientester Teilnehmer lief er „nur“ 95,77 Kilometer, legte aber mit seinem Gleitschirm über 20 Kilometer in der Luft zurück.

Die letztjährigen Sieger Tamegger/Schreder (Kössen/Reit im Winkl) erreichten in diesem Jahr den fünften Rang. Bemerkenswert ist auch die Platzierung des niederländischen Teilnehmers Clemens van Soest, der Rang 11 belegte. Lokalmatadoren wie Michael Paul (Brannenburg, Platz 10) Alfons Bauer (Samerberg, Platz 16) und der deutsche Vizemeister im Streckenfliegen Werner Schütz (Höhenmoos, Platz 16) wurden leider auf die hinteren Ränge verwiesen.

In der Dameneinzelwertung sicherten sich Nina Wittig (Frasdorf) und Daniela Weiss (Riedering) den ersten Platz. „Wir haben den ganzen Wettbewerb gemeinsam bestritten, nur hatte Nina den etwas leistungsschwächeren Schirm und stand daher beim Abgleiten früher am Boden. Das wurde unserer beider Leistung nicht gerecht und so entschlossen wir uns Platz Eins zu teilen“, sagte Weiss.

Bei den Tandemfliegern konnten Peter Fahringer (Kössen) als Pilot und Josef Bamberger das Rennen für sich entscheiden. Sie waren sicher nicht so einsam während des Wettbewerbs wie so manch anderer Teilnehmer, der seine Nacht auf einer unbewirtschafteten Alm verbrachte. Es bildeten sich aber unterwegs immer wieder Gruppen, die gemeinsam marschierten und Flugversuche starteten. „Diese Gruppenerlebnisse und die Erfahrung, einen strapaziösen Wettbewerb ohne technische Hilfsmittel aus eigener Kraft zu bewältigen, machen den Grundgedanken der Crossalps aus“, sagte Horst Nietzold vom GSC Hochries-Samerberg, einer der beiden Urväter der Crossalps, bei der die Siegerehrung.

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