Debatte über Jagdzeiten

+
Das Auffüllen der Wildtierfütterungen steht derzeit auf dem Tagesplan der Jäger. Für Bernd Schumacher, Vorsitzender der Jagdgruppe Bad Aibling, ein gutes Mittel, um Verbissschäden in Grenzen zu halten.

Landkreis - Skeptisch blicken Jäger und Waldbesitzer auf die Wetterprognosen. Bleibt es so mild? Die Sorge um Verbissschäden an den Bäumen ist groß.

Die Sorge um Verbissschäden an den Bäumen ist groß, zudem konnten teilweise die Abschussvorgaben beim Schalenwild nicht eingehalten werden. Für einige Fälle genehmigte jetzt auf Antrag das Landratsamt Rosenheim eine Fristverlängerung. In 15 Revieren darf nun noch bis Ende Januar Rehwild erlegt werden

Seit dem 15 Januar ist Schonzeit

Seit 15. Januar gilt eigentlich - bayernweit - Schonzeit für das Rehwild. Doch in 15 Landkreis-Revieren ist diese um zwei Wochen verschoben. "Wegen teils weit zurückliegender Abschussvorgaben haben wir die Frist verlängert", so Andreas Oeckl, Jagdsachbearbeiter im Landratsamt Rosenheim.

Eines der betroffenen Gebiete ist der Staatsforst im so genannten Buchenwald am Hofstetter See. "Dort konnten von 17 erforderlichen Abschüssen nur zehn erfüllt werden. Zudem hat es bei der Tannenverjüngung Verbissschäden gegeben", erläuterte Forstbetriebsleiter Stefan Pratsch von den Bayerischen Staatsforsten (Forstbetrieb Schliersee für Landkreis Rosenheim zuständig) gegenüber unserer Zeitung.

Im Landkreis Rosenheim gibt es auf insgesamt 144068 Hektar bejagbare Gebiete. 34 Prozent davon - rund 49000 Hektar - sind Wald. Prinzipiell ist es Oeckl zufolge um den heimischen Wald nicht schlecht bestellt, genauere Daten liefere aber erst im Frühjahr das neue Verbissgutachten der Bayerischen Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft.

Dieses dient als Grundlage für die Abschusszahlen (Drei-Jahres-Plan) bei Rehwild, Hirschen und Gämsen. Das Verbissgutachten wird alle drei Jahre bayernweit in 747 Hegegemeinschaften durchgeführt und beurteilt den Stand der Waldverjüngung. Auf den Drei-Jahres-Plan baut auch Werner Zwingmann, Vorsitzender der Jägervereinigung Rosenheim.

In diesem Zeitraum lasse sich ein Minus an Abschüssen in einem Jahr mit einer Erfüllung über dem Soll in den darauf folgenden zwölf Monaten ausgleichen. Eine pauschale Verlängerung der Abschussfrist lehnt er ab: "Lediglich punktuell und revierbezogen kann es sinnvoll sein."

Durch eine angemessene und artgerechte Winterfütterung begegnen die bayerischen Jäger Jahr für Jahr dieser Nahrungsknappheit, so Bernd Schumacher, Vorsitzender der Jagdgruppe Bad Aibling. Doch bedingt durch die ertragreiche Eichen- und Buchenmast (Fruchtanhang der Bäume) in den regionalen Wäldern konnten einige Jäger ihre Abschusszahlen nicht erfüllen. Für Schumacher ist dies jedoch kein Grund für eine Abschussverlängerung: "Über Generationen hinweg haben sich anhand von Erfahrungswerten die Schonzeiten ergeben. Ich halte eine Aufweitung der Regelung, die seit 2000 per Jagdgesetz gilt, für nicht sehr sinnvoll."

Einen weiteren Grund, warum das Rehwild verstärkt im Wald bleibt, sieht Schumacher darin, dass die Waldbesitzer in den Wäldern ausgeholzt hätten. Dort entstanden durch den vermehrten Lichteinfall kleine Fruchtoasen, die auf der Speisekarte der Rehe sehr beliebt seien. Zudem würden die an die Waldstücke angrenzenden Wiesen lange bewirtschaftet und abschließend dort Gülle ausgefahren, was ebenfalls Rehe fernhalte.

Max Lochner aus Griesstätt, Vorsitzender der Jagdgenossenschaften im Landkreis Rosenheim, weiß, dass Herbst und Winter heuer schwierig für die Jäger waren. Sollte in den nächsten Wochen eine dauerhafte Schneedecke im Landkreis liegen bleiben, befürchtet er jedoch massive Verbissschäden. "Da hilft auch ein Zufüttern der Jäger nichts mehr", so Lochner mit Blick auf einen gesund wachsenden Wald. Lochner stellte jüngst an übergeordneter Stelle einen Antrag auf prinzipielle Abschussfrist-Verlängerung. "So bekommt der Jäger mehr Spielraum, seine Abschusszahlen zu erfüllen", ist er sich sicher.

Ähnlich sieht es Sepp Spann, Vorsitzender des Bayerischen Waldbesitzerverbandes, aus Au: Mit einer Aufweitung der Fristen können die Jäger auf Wetter und kurzfristigen Verbiss, der bis zu einer Stammhöhe von 1,20 Meter reiche, flexibler reagieren. Er nimmt dabei die Landwirte mit in die Verantwortung.

"Würden sie am Waldrand kleine Bereiche frei lassen, könnte dort das Rehwild fressen und so dem Jäger der Abschuss erleichtert werden. Ohne diese Grünstreifen am Waldesrand zieht sich das Wild immer mehr in den Wald zurück, was eine Regulation der Populationen erschwert", so Spann. Für ein ausgeglichenes Biotop "Wald" sei eine Zusammenarbeit aller Beteiligten unerlässlich.

"Waldzustand hervorragend, gelungene Naturverjüngung und ein nahezu ausgeglichenes Abschussergebnis", lautet die Bilanz von Hans Gartner, Vorsitzender der Kreisgruppe Wasserburg. Ihm zufolge liegt seine Gruppe im Drei-Jahres-Plan (Abschuss). Auch die Hasenpopulation sei in seinem Gebiet durch Treibjagden reguliert worden. Gartner geht sogar davon aus, dass im anstehenden Verbissgutachten der Wasserburger Bereich so gut abschneide, dass die Abschusszahlen verringert werden könnten.

Silvia Mischi/Oberbayerisches Volksblatt

Zurück zur Übersicht: Rosenheim Land

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser

MEHR AUS DEM RESSORT