Deponie und Verkehr bereiten Sorgen

+
Symbolbild

Stephanskirchen - Die Entwicklungen rund um die Deponie in Waldering und Verkehrsprobleme sind derzeit die beherrschenden Themen in Stephanskirchen.

Eine rege Diskussion mit den Einwohnern während der Bürgerversammlung im Rathaus zeigte, dass in diesen beiden Bereichen akuter Handlungsbedarf besteht.


Wochenlang habe es im vergangenen Jahr Aufregung und eine Flut von Leserbriefen wegen der unkontrolliert freilaufenden Hunde und ihrer Hinterlassenschaften in der Hofau gegeben, "doch wenn es wie jetzt um Giftmüll geht, steht kaum einer auf", ärgerte sich Lilly Brod über den ihrer Meinung nach mangelnden Widerstand gegen die aktuellen Anträge der Stadtwerke für die Deponie in Waldering. Das dortige Problem "sieht man nicht, doch es ist gefährlich", warnte die Einwohnerin.

Die Bürger gehen zwar nicht auf die Barrikaden, sind jedoch eindeutig besorgt, zeigte die Fragestunde nach der offiziellen Vorstellung der Gemeindeprojekte im Jahr 2010. Bürgermeister Rainer Auer bemühte sich um Versachlichung bei der Darstellung der Entwicklungen rund um die Deponie. Wie mehrfach berichtet, planen die Stadtwerke Rosenheim die abschließende Profilierung der Anlage. Dafür soll Müll der Deponieklasse zwei zwischengelagert und aufgebracht werden. Er besteht in erster Linie aus Bauschutt, der jedoch auch gefährliche Stoffe wie PCB und Dioxine enthalten kann. Bis Ende 2004 wurden in der Monodeponie die Filterstäube aus der Rosenheimer Müllverbrennung entsorgt, die sogar der Gefahrenklasse drei angehören.


Trotzdem kann nach Ansicht des Gemeinderates nicht von einer Verbesserung der Gefahrensituation gesprochen werden. Denn die beantragte Nutzung der De-ponie für Bauschutt, der mit gefährlichen Stoffen durchsetzt ist, bereitet ebenso Sorgen wie die Tatsache, dass dieser Müll aus ganz Oberbayern angefahren werden soll. "Wir werden alles dransetzen, diese Form der Ablagerung zu verhindern", versprach Auer den Bürgern. Er betonte, dass die Gemeinde an einem Abschluss der Deponie mit Bau eines Hügels, der die noch vorhandenen großen Löcher abdecken wird, interessiert sei, jedoch keine Gefahrenstoffe als Material dulden werde. Er habe außerdem die Zusage von Rosenheims Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer erhalten, dass keine weiteren Entscheidungen zur Deponienutzung fallen, bevor sich nicht alle Beteiligten mit der Gemeinde Stephanskirchen an einen Tisch gesetzt hätten.

Mehrere Einwohner befürchteten Gefahren für das Grundwasser. An die Stadt-werke Rosenheim als Betreiberin ging außerdem der Vorwurf, mit der Deponie auf Kosten der Gemeinde Stephanskirchen "ein Millionengeschäft" zu machen.

Weiteres Thema, das vielen Bürgern auf den Nägeln brennt: der Verkehr. Unter ihm ächzen zahlreiche Gemeindebereiche - in Kragling, wo die Äußere Salzbur-ger Straße unter Schwerlastverkehr und einem katastrophalen Zustand leidet, in Gehering und Schloßberg sowie in Westerndorf, wo nach Meinung einiger Anlieger gerast wird. Mehr Lob als Kritik gab es zu den Berliner Kissen, die im Salinweg den Verkehr abbremsen, in der Winterzeit jedoch wieder abgebaut werden müssen.

Hoffnung gibt es nach Auers Angaben für die von vielen, vor allem älteren Bür-gern gewünschte Überquerungshilfe über die Salzburger Straße im Bereich Spar-kasse. Bisher waren die Anträge von den Genehmigungsstellen wegen fehlender Fußgängerfrequenz stets abgelehnt worden. Eine neue Zählung habe jedoch ge-zeigt, dass "die Zahlen jetzt so sind, wie wir sie brauchen", so Auer.

Ärger gibt es auch an der Straße im Gewerbegebiet bei Marc O Polo, die nach wie vor trotz Bau eines Firmenparkhauses zugeparkt wird. Die Straßenverengung in der Hofau im Bereich Zehentnerhof soll nach Wunsch der Bürger, berichtete Auer, bestehen bleiben. Kurz flackerte in diesem Zusammenhang doch noch einmal die Hundediskussion auf.

Ein Bürger "gratulierte" dem Gemeinderat außerdem für den "Bau der Berliner Mauer" entlang des neuen Baugebietes Höhensteig/Entleiten. "Das ist ein wahres Glanzstück", spöttelte er. Auer gab zu, dass der Wall derzeit an eine "Kelten-schanze" erinnere, versprach aber optische Verbesserungen im Frühjahr, wenn er bepflanzt werde.

duc/Oberbayerisches Volksblatt

Kommentare