Das Aus für Edeka-Markt ist besiegelt

Pfaffenhofen - Jetzt ist es amtlich: Das Lebensmittelgeschäft "nah & gut" in Pfaffenhofen schließt zum 19. November. Der Edeka-Markt war zur Zufriedenheit der Ortsbewohner 50 Jahre lang von der Familie Sojer betrieben worden.

Zum 1. April 2007 hatte Heidi Orlow (49) mit zunächst sechs Mitarbeitern das Geschäft übernommen. Mitgeholfen im Betrieb haben auch der Ehemann und die zwei 18 beziehungsweise 20 Jahre alten Söhne des Ehepaares. "Ich hätt schon gern weitergemacht. Es tut mir leid um mein Personal und meine Stammkunden", sagt Heidi Orlow. Für die Aufgabe des Geschäfts nennt sie mehrere Gründe. Zum einen sind die Energiekosten in den vergangenen vier Jahren immens gestiegen, beispielsweise für Strom von monatlich 1100 auf 1400 Euro; zum anderen gelten ab 1. Dezember 2011 neue Qualitätsauflagen, die für das gQ-Zeichen (geprüfte Qualität) Voraussetzung sind. So muss zum Beispiel der Kühlraum für Fleisch mit glatten Flächen und nicht mehr wie bisher mit Fliesen und Fugen versehen sein. Diese neuen Hygienevorschriften werden von der Edeka-Kette strikt gefordert, was für die Geschäftsinhaberin große zusätzliche Investitionen bedeuten würde. "Dadurch rechnet sich das Ganze nicht mehr, weil ich am Ende mehr Ausgaben als Einnahmen habe", so Orlow. Die Geschäftsfrau betont, auch gesundheitliche Gründe hätten auf ihre Entscheidung Einfluss genommen. Der einzige Lichtblick sei, dass es ihr gelungen sei, für ihre Auszubildende, die ebenfalls ausgestellt werden musste, eine neue Lehrstelle gefunden zu haben.

Der vorletzte Betreiber und Hauseigentümer Ernst Sojer (51) bestätigt, dass bereits zum 21. Februar 2012 ein Fahrradhandel (Verkauf und Reparatur) in den frei werdenden Geschäftsräumen den Betrieb aufnehmen wird. "Für ein Lebensmittelgeschäft in dieser Größe sehe ich für die Zukunft keine Chance. Gründe dafür sind ein Sortiment, das nur begrenzt zur Verfügung gestellt werden kann, die zunehmende Eröffnung großer Märkte in der Umgebung und das entgegenstehende Marktverhalten von Teilen der Bevölkerung, die zunehmend in diesen Großmärkten einkaufen", sagt Soyer. Eine Ersatzlösung für den Markt biete sich momentan nicht an, wobei eine Art "Dorfladen" sicher wünschenswert sei.

Sein Bedauern über die Schließung äußert auch Bürgermeister Hans Holzmeier. "Gerade für die älteren Menschen war diese Grundversorgung im mit 1040 Bürgern zweitgrößten Ort der Gemeinde Schechen besonders wichtig. Derzeit stehen für den Einkauf mit Produkten des täglichen Bedarfs nur das Lebensmittelgeschäft in Schechen und die Märkte in Westerndorf St. Peter sowie Mitterfeld zur Verfügung. Es ist sicher wünschenswert, für die Lebensmittel-Versorgung in Pfaffenhofen eine Lösung zu finden."

In diesem Zusammenhang weist das Gemeindeoberhaupt besonders auf das Seniorenhilfe-Konzept hin, das in Zusammenarbeit von Bürgern und Gemeinde erarbeitet wurde. "Unsere Gesellschaft wird mehr und mehr geprägt durch den demografischen Wandel. Nahezu alle Menschen wünschen sich, möglichst selbstbestimmt und selbstständig im vertrauten Umfeld alt zu werden", macht Holzmeier deutlich. Dazu gehöre aber auch eine Grundversorgung der älteren Mitbürger, beispielsweise durch wohnortnahes Einkaufen.

Nicht nur ältere Bewohner von Pfaffenhofen bedauern die ersatzlose Schließung des Edeka-Marktes. Auch für manch andere Bewohner ohne Auto stellt die neue Situation ein ernsthaftes Problem dar, wenn Verwandte oder Bekannte für einen Einkauf per Auto nicht zur Verfügung stehen. Sie hoffen, dass sich durch mehrere Neubau-Planungen im Ort vielleicht doch eine "kleine Einkaufsmöglichkeit" ergibt. Auch eine mobile Versorgung mit Lebensmitteln, sogenannte Verkaufswägen, wird schon angedacht.

ele/OVB

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