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Einheimischenmodell auf Weg gebracht

OVB
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Vier Bauparzellen (links der Straße) befinden sich im Gebiet Am Bartlwald im Eigentum der Gemeinde. Die GBV-Fraktion will hier gerne zwei Grundstücke vergünstigt an Einheimische verkaufen.

Großkarolinenfeld - Schon in vielen Bürgerversammlungen wurde der Ruf nach Gebietsausweisung eines Einheimischengrundes in Großkarolinenfeld laut. Jetzt geht es plötzlich voran:

Doch Bürgermeister Bernd Fessler und die Mehrheit der Räte hielten die Realisierung von anderen Aufgaben im Ort stets für dringlicher. Umso erstaunlicher stellt sich jetzt plötzlich der Sinneswandel dar: So wird es demnächst Bauland für Einheimische geben, wie das Gremium auf Antrag der GBV-Fraktion in der jüngsten Sitzung mit ganz knapper Mehrheit beschloss.

Schon vor etwa zwei Jahren überarbeitete der Gemeinderat die Richtlinien zur Vergabe von Bauland für Einheimische. Weil "bis dato aber noch kein Bauland für Einheimische zur Verfügung gestellt wurde", stellte die GBV-Fraktion einen entsprechenden Antrag. "Wir möchten Wohneigentum für sozial Schwächere schaffen, die in der Gemeinde wohnen bleiben möchten", betonte GBV-Fraktionssprecher Johann Riedl. Nach Meinung der GBV sollte die Gemeinde zwei oder drei ihrer Grundstücke hergeben, um Bauland für Einheimische realisieren zu können. Auf Nachfrage aus der Runde räumte Bauamtsleiter Markus Czaja ein, dass sich etwa 16 Familien auf der Bewerberliste für dieses Angebot befinden. Allerdings sei diese Liste nicht mehr aktuell.

Zweite Bürgermeisterin Lilo Wallner (CSU) hielt nichts davon, zwei oder drei Grundstücke herzugeben: "Ein Einheimischenmodell würde nur bei mindestens acht Grundstücken Sinn machen. Um sozial schwach gestellten Familien eigenen Wohnraum bieten zu können, muss ich ein Sechsfamilienhaus bauen", meinte Wallner. Selbst mit vergünstigtem Baugrund sei der Eigenheimbau heutzutage nur noch schwer finanzierbar. Außerdem erinnerte Wallner daran, dass man die Grundstücke im früheren Einheimischenmodell in Tattenhausen nicht los wurde und sie schließlich auf dem freien Markt verkaufen musste. Gleichzeitig gab Wallner zu bedenken, dass die Gemeinde rund 7000 Einwohner habe, "für die man etwas tun muss". Werde man dem GBV-Antrag zustimmen, würden nur zwei oder drei Familien begünstigt.

Auch Albin Schenk (CSU) konnte sich mit dem GBV-Antrag nicht anfreunden. Die Gemeinde müsse der Reihe nach ihre Aufgaben abarbeiten. Schenk: "Es sollten nicht Einzelne punktuell gefördert werden. Zum jetzigen Zeitpunkt brauchen wir das Geld anderweitig."

Emil Maier (SPD) sprach sich für das Einheimischenmodell aus. "Der richtige Zeitpunkt dafür ist nie da. Jetzt ist aber der Bedarf gegeben und deshalb sollten wir kleine Parzellen zu einem vernünftigen Preis hergeben." Das Argument, dass man sich mit der Überarbeitung der Richtlinien viel Arbeit gemacht habe, ohne sie bisher angewandt zu haben, brachte Johann Kosek (GBV) mit ins Spiel. Die Gemeinde besitze Am Bartlwald vier baureife Grundstücksparzellen, wovon man nach Koseks Ansicht zwei für das Einheimischenmodell verwenden sollte. "Ich war eigentlich überrascht, dass von den Bürgern die vergangenen Jahre nicht mehr Druck in Bezug auf das Einheimischenmodell gekommen ist", sagte Dritter Bürgermeister Paul Hofmann (PLW). Er und auch Leonhard Krichbaumer (CSU) könnten sich vorstellen, "eine große grüne Wiese" als Einheimischenmodell auszuweisen. "Wenn wir so etwas hätten, dann würde die Sache anders ausschauen."

Doch Bürgermeister Bernd Fessler stellte ausdrücklich heraus, dass die Gemeinde nicht im Besitz vieler Grundstück sei. Häufig würde man zur Verbesserung der gesamten Ortsentwicklung Grundstücke zum Tauschen benötigen. Deshalb schürte Fessler keine Hoffnungen: "Aus der Historie heraus wüsste ich keine größere grüne Wiese in der Gemeinde, die nur einem Eigentümer gehört." Johann Kosek fiel jedoch ein solches Grundstück ein. Allerdings wollte er in der öffentlichen Sitzung nicht sagen, wo dieses liegt.

Nach langer Diskussion kam es schließlich bei der Abstimmung auf Bürgermeister Fesslers Stimme an, denn er hob mit den Worten "ich bin hin und her gerissen" als letzter die Hand. Da der Rathaus-Chef letztendlich den GBV-Antrag mittrug, beschloss das Gremium mit 10:9 Stimmen, dass die Verwaltung in einer der nächsten Sitzungen geeignete Grundstücke zur Ausweisung von Bauland für Einheimische vorschlagen soll.

dli/Oberbayerisches Volksblatt

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