Entlastung oder Büchse der Pandora?

Stephanskirchen - Die T-Kreuzung in Schloßberg/Gehering stellt einen der neuralgischsten Punkte in Stephanskirchen dar: Rückstaus und der Lärm des Schwerlastverkehrs plagen seit Jahren die Anlieger.

Mehrheitlich hat sich der Gemeinderat deshalb dafür stark gemacht, die Verbindungsspange zwischen Umgehung und Vogtareuther Straße der höchsten Ausbaudringlichkeitsstufe zuzuordnen. Doch es gibt auch warnende Stimmen.


Die CSU-Fraktion hatte bereits im September beantragt, den Ausbau der Spange in Angriff zu nehmen und eine Planungsstudie für die Trasse in Auftrag zu geben. Bei den Haushaltsberatungen wurden die Anträge zurückgestellt, weil die Gemeinde die Aufstellung der neuen Prioritätenliste für den Ausbau der Staatsstraßen abwarten wollte. Dieser Plan listet alle geplanten Vorhaben des Freistaates bis 2020 auf.

Mittlerweile liegt die Prioritätenliste vor: Die Verbindungsspange zwischen Umgehungsstraße und Vogtareuther Straße ist danach erst nach 2020 vorgesehen, teilte Bürgermeister Rainer Auer im Gemeinderat mit. Damit ist die Chance, in den nächsten zehn Jahren Planung und Bau zu erreichen, noch nicht ganz vom Tisch, berichtete er von einem Gespräch mit dem Staatlichen Bauamt Rosenheim. Denn der Regionale Planungsverband kann Maßnahmen aus dem eigenen Bereich noch mit anderen Projekten auf der Dringlichkeitsliste, die ähnliche Kosten verursachen, tauschen.


Dafür ist jedoch ein Signal aus der Gemeinde Stephanskirchen notwendig. Sie muss den Planungsverband auffordern, die Spange doch noch in die höchste Dringlichkeitsstufe einzureihen, so Auer. Eine entsprechende Aufforderung soll an den Freistaat Bayern und den Planungsverband gehen, beschloss der Gemeinderat mit zwölf zu sieben Gegenstimmen. Sie kamen von der SPD, von Christian Helget, Herbert Bauer und Christine Annies von den Parteifreien Bürgern.

Tatsache ist: Bei der Spange handelt es sich um eine relativ kleine Baumaßnahme. Sie kostet "nur" etwa 1,5 Millionen Euro. Die mögliche Trasse verläuft von der Vogtareuther Straße über das Kiesgrubengelände zur Umgehung. Die Mehrheit der Befürworter des Baus sehen darin eine wichtige Maßnahme zur Verkehrsentlastung von Schloßberg und Gehering. Die dortige Verkehrslage habe sich zu einer "Zumutung" für die Bürger entwickelt, zeigte sich CSU-Fraktionsvorsitzender Dr. Rolf-Jürgen Löffler überzeugt.

Doch die SPD-Fraktionsvorsitzende Margit Sievi erneuerte ihre Warnung, mit dem Bau der kleinen Spange "die Büchse der Pandora zu öffnen". Margit Sievi ist überzeugt, dass die Maßnahme eine Signalwirkung für die vom Gemeinderat abgelehnte Dritte Innbrücke darstellt. Sie ist außerdem der Meinung, dass mit dem Bau der Spange weiterer Schwerlastverkehr angelockt wird ("Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten") und befürchtet die Zerschneidung eines Gemeindegebietes durch die neue Straße.

Rückendeckung erhielt die SPD-Fraktionsvorsitzende von Christian Helget von den Parteifreien Bürgern. Auch er ist überzeugt, die Gemeinde gebe mit ihrer Unterstützung "eine Steilvorlage für die Dritte Innbrücke", ziehe mit der Spange nur weiteren Schwerlastverkehr an.

Bürgermeister Auer wies jedoch darauf hin, dass der Schwerlastverkehr bereits vorhanden sei und den Status Quo darstelle. Die Anlieger müssten deshalb entlastet werden. Und dies könne nach sorgfältiger Abwägung aller Argumente durch eine Spange geschehen.

Anträge der SPD, stattdessen einen Minikreisel mit Überfahrmöglichkeit für Lkw zu errichten, seien nicht zu realisieren, so Verwaltungsgeschäftsführer Georg Plankl. Das Straßenbauamt erstelle keine Minikreisel an Staatsstraßen.

Josef Grabmayr von der SPD will das Nein des Straßenbauamtes zum Minikreisel jedoch nicht akzeptieren. In anderen Landkreisen würden solche Maßnahmen durchaus realisiert, nur in Rosenheim "nach Gutsherrenart" durch das Staatliche Bauamt stets abgeschmettert, ärgerte er sich.

Hans Kink von der CSU ärgerte sich ebenfalls - allerdings über die "Angstzustände", die die SPD in punkto Dritter Innbrücke beherrschen würden. Das extrem teure Bauwerk werde angesichts der leeren Staatskassen auch in näherer Zukunft nicht kommen, die kleine Spange jedoch eine schnelle Lösung der Verkehrsproblematik in Schloßberg und Gehering ermöglichen.

 

duc/Oberbayerisches Volksblatt

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