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Prozess am Landgericht Traunstein

Erzieher aus Kreis Rosenheim soll Kinder missbraucht haben - Kinder schilderten Angeklagten als „beeindruckend“

Schwere Vorwürfe stehen gegen einen Erzieher aus dem Kreis Rosenheim im Raum. Er soll sich in einem Hort an Kindern vergangen haben. Nun wird ihm am Landgericht Traunstein der Prozess gemacht. Wir berichteten vom Prozessauftakt am 5. Oktober.

Update, 14.35 Uhr - Erster Verhandlungstag beendet

Nach der Aussage der beiden Polizeibeamten beendet die vorsitzende Richterin Heike Will den ersten Verhandlungstag. Der Prozess wird am Mittwoch, 6. Oktober, fortgesetzt.

Update, 14.20 Uhr - Kriminalpolizist schildert Befragungen

Jetzt kommt ein Kriminalpolizist zu Wort. Er habe mehrere Kinder vernommen, die Übergriffe auf vier von ihnen sind Gegenstand des Verfahrens

Auch er berichtet von Aussagen, in denen die Kinder schilderten, dass sie sich ausziehen und auf den Boden legen mussten.

Update, 14.10 Uhr - Polizeibeamtin berichtet von Aussagen der Kinder

Nun kommt eine Polizeihauptkommissarin zu Wort, die die Aussagen von einigen der missbrauchten Kindern aufgenommen hat. Ein Junge habe geschildert, wie er sich bis auf die Unterhosen entkleidet auf den Boden habe legen müssen. 

Vieles an der Aussage der Beamtin deckt sich mit dem bereits Bekannten. Es lässt sich ermessen, wie groß das Vertrauen war, das die Schützlinge ihrem Erzieher entgegenbrachten. Kinder schilderten den Erzieher nach der Aussage einer Polizeibeamtin als offenbar beeindruckend. Sie hätten seine Aufforderungen nicht befolgt, weil er sie bedroht habe. Sie hätten vielmehr Angst gehabt, „weil er so war“. Die Szenen mit ihm spielten die Kinder sogar nach.

Update, 13.50 Uhr - Teile der Hauptverhandlung müssen wiederholt werden

Man ist sich also einig geworden, wir reisen zurück in die Zeit vor der Abschließung der Zuschauertür. Der Erzieher muss das vollumfängliche Geständnis wohl wiederholen lassen. Der „Zeitkorridor“ für die Haftstrafe, das wiederholt Richterin Will, liege bei drei bis vier Jahren. „Es tut mir leid, es ist keine böse Absicht.“, sagt Richterin Will. 

Also: „Es tut mir wahnsinnig leid...“, so beginnt der Angeklagte diesmal. Bei aller Nervosität äußert er sich strukturiert, klar, gewandt. Er dankt seiner Familie für die Unterstützung, gelobt Besserung und Therapie, spricht von Einsicht, von seinem Bedauern, den Schaden nicht mehr gut machen zu können. „So kann ich mich einfach wirklich nur entschuldigen.“ Im Übrigen sei es nicht zum Äußersten gekommen, erklärt der ehemalige Erzieher.

Update, 13.45 Uhr - Zuhörertür verschlossen: „Wir haben ein Problem“

„Wir haben ein Problem.“ So beginnt Richterin Will die zweite Hälfte des Tages am Landgericht Traunstein. Sie sei darauf aufmerksam gemacht worden, dass die Zuhörertür im Saal verschlossen gewesen sei. Das kann, wenn es jemand darauf anlegt, ein Revisionsgrund sein. „Die Zuschauertür muss offen sein“, sagt die Richterin. Damit müssen weite Teile der Hauptverhandlung wiederholt werden.

Update, 13.32 Uhr - Prozess wird fortgeführt

Nach der Mittagspause am Landgericht Traunstein geht es mit der Verhandlung gegen einen 32-jährigen Erzieher weiter. Durch seine Verteidigerin Eva Krötz hat er seine Schuld einräumen lassen, er selbst gab zu Protokoll, dass ihm seine Vergehen „sehr, sehr leid“ tun. Die Vergehen sind also eingeräumt. Nun kommt es auf die Hintergründe an. Zu Wort kommen ein Polizeibeamter und ein Psychologe. In wenigen Minuten wird die Verhandlung fortgesetzt.

Update, 12.07 Uhr - Angeklagter legt umfassendes Geständnis ab

Er sei zusammen mit zwei Kolleginnen für eine Gruppe von 22 Kindern verantwortlich gewesen. Die Kinder hätten für sich selbst einen Ansprechpartner auswählen können, berichtet der Erzieher. Während der Corona-Zeit waren die Kinder teilweise in der Früh um acht schon da, beim normalen Schulbetrieb kamen die Kinder mittags nach dem normalen Schulbetrieb. Dann gab es Mittagessen, dann wurden Hausaufgaben gemacht. So schildert er den Tagesablauf. Er hatte mit Kinder im Alter zwischen acht und elf zu tun.

Abends oder am Wochenende verübte er seine Übergriffe. „Ihre Kollegen wären ja auch nicht begeistert gewesen, wenn Sie denn Kindern aufgetragen hätten, sich bis auf die Unterhose auszuziehen“, sagt Richterin Will. Der Angeklagte äußert sich ohne Umschweife. „Das ist richtig.“

Update, 11.28 Uhr - Angeklagter geständig

Der Angeklagte will sich äußern. Er sei nervös, sagt Verteidigerin Krötz. Daher habe er was vorbereitet.  „Ich bin sehr, sehr nervös“, sagt der Mann dann mit Blick auf seine Notizen. „Ich kann sagen, dass mir das sehr, sehr leid tut. Vor allem, dass ich das Vertrauen und Kinder missbraucht habe.“ Das sei ihm das Schlimmste, er schluckt. Er habe lange versucht, sich das schönzureden, er habe sich eingeredet, die Kinder nur „Erziehen“ zu wollen. Aber der sexuelle Hintergrund sei ihm während der U-Haft klar geworden. „Ich hatte nie den Gedanken, echten Sex mit den Kindern zu haben.“ Er wisse, dass er dringend Hilfe brauche. „Dafür möchte ich alles tun.“ 

Der Angeklagte würde auch gerne den Kindern eine Entschädigung zukommen lassen, aber er räumt ein, dass das seine finanziellen Verhältnisse übersteigt.

Der Angeklagte räumt die Vorwürfe ein und erspart damit den Kindern eine Aussage. Drei bis vier Jahre Haft wird er erwarten müssen, das weiß man nach dem Rechtsgespräch ziemlich genau, es sei denn, es ergäbe sich noch etwas absolut Überraschendes. Und: der Erzieher muss sich absehbar einer Therapie unterziehen. Auch 2010 und 2017 soll es schon Vorfälle gegeben haben.

Auch wenn ihm Vorgesetzte aufgetragen hatte, keinen Whatsapp-Kontakt mit Kindern und deren Eltern zu unterhalten - der Erzieher machte weiter auf diesem Kanal. „Ich war da zu tief drin.“ Er nutzte sein Vertrauensverhältnis auf diese Art aus. Dass er die Kinder außerhalb der Hortzeiten einbestellte, aus Erziehungszwecken, wie er vorgab, fiel den Eltern erst mal nicht auf.

Der Angeklagte hat nunmehr die in der Klageschrift enthaltenen Vorwürfe ohne Einschränkung, „in Bausch und Bogen“, wie Richterin Will sagt, eingeräumt. „Es hatte überhaupt keinen Erziehungshintergrund“, sagt er, er räumt sexuelle Motivation ein, wenn er Kinder aufforderte, sich „durchsuchen“ zu lassen. Ob es egal gewesen sei, ob es ein Junge oder Mädchen war, fragte die Vorsitzende. „Ja“, sagt der 32-Jährige. Will kommt zum Vorwurf der Körperverletzung durch Tritte. Der Vorwurf wird in Absprache mit Staatsanwalt Salomon fallengelassen, zu unbedeutend wirkt der Vorwurf im Vergleich zu den anderen Taten.

Urkundenfälschung hat der Angeklagte wohl auch begangen, indem er sich selbst einen Zertifkationsnachweis ausgestellt hat. Er wollte sich damit vor den Eltern profilieren, sich größer machen. „Das kann ich mir nicht schönreden.“ Da das nicht zum ersten Mal der Fall gewesen sei, müsse der 32-Jährige davon ausgehen, dass diese Urkundenfälschung geahndet werde.

Update, 11.10 Uhr - Unterbechung dauert an

Abtasten, Berührungen, Tritte. Dessen soll sich der 32-Jährige schuldig gemacht haben, der sich ab heute (Dienstag, 5. Oktober) vor der Jugendkammer des Landgerichts in Traunstein verantworten muss. In über 200 Fällen soll er in einem Integrationshort im südlichen Landkreis Rosenheim Übergriffe an Kindern begangen haben. Richterin Will hat die Verhandlung unterbrochen, um den Verteidigern Eva Krötz und Florian Zenger die Gelegenheit zu geben, ihrem Klienten das Ergebnis des Rechtsgesprächs zu erläutern. Dieses Rechtsgespräch könnte - wenn sich der Erzieher einsichtig zeigt - die Verhandlung stark abkürzen. Gespannt warten wir, bis sich die Türen in Saal B 136 wieder öffnen.

Update, 10.46 Uhr - 230 Übergriffe durch Angeklagten werden verhandelt

230 Mal soll der Erzieher übergriffig geworden sein. Die Zahl klingt konkret, sie beruht aber eher auf Hochrechnungen. An den Aussagen der Kinder, so macht es Richterin Will klar, sei aber grundsätzlich überhaupt nicht zu zweifeln. Die Verteidiger, Florian Zenger und Eva Krötz, wirkten nicht unbeeindruckt. Wird der nunmehr 32-Jährige aus dem Landkreis Rosenheim ein Geständnis ablegen und sich damit zwei Jahre Haft und den Kindern eine quälende Aussage ersparen? Klarheit bringt erst die Fortsetzung der Verhandlung.

Update, 10.35 Uhr - Prozess für Denkpause unterbrochen

Und wieder stehen wir vor dem Gerichtssaal. Die Vorsitzende Richterin Heike Will hat die Verhandlung für eine Dreiviertelstunde unterbrochen. Noch mal eine Denkpause für den Angeklagten und seine Anwälte? Richterin Will legt es darauf an, den Kindern auf jeden Fall die Aussage zu ersparen.

Update, 10.26 Uhr - Richterin: „Die Kinder mochten Sie“

„Die Kinder mochten Sie“, sagt vorsitzende Richterin Heike Will. Auch deswegen sieht sie keinen Grund, den Aussagen der Kinder über die Übergriffe zu misstrauen. Warum hätten sie dem Erzieher etwas anhängen sollen? Heike Will rät dem Erzieher dringend zu einem Geständnis - als einzige Chance zur Verbesserung seiner Situation, vor allem aber, um den Kindern eine Anhörung vor Gericht und damit Leid zu ersparen.

Ein Rechtsgespräch sollte Klärung bringen: Gesteht der Angeklagte, will der Staatsanwalt auf drei bis vier Jahren bestehen. Fünfeinhalb Jahre könnten es werden, wenn der Erzieher nicht gesteht, die Kinder also nochmals einvernommen werden müssen.

Erstmeldung

Traunstein – Angeklagt ist der Mann (32) wegen mehr als 200 Fällen, in denen er Kinder sexuell missbraucht haben soll. Hinzu kommen Anklagepunkte wegen Körperverletzung und Urkundenfälschung. Seine Opfer sollen zwischen 6 und 14 Jahren alt gewesen sein. Zwischen September 2019 und November 2020 soll es zu den bestürzenden Taten gekommen sein.

Hier lesen Sie, was die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten zur Last legt.

+++ An dieser Stelle halten wir Sie über den Verlauf des ersten Prozesstages auf dem Laufenden. +++

Rubriklistenbild: © Weiser

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