Sven Rudolf aus Rosenheim und Burghauser Fritz Pettinger berichten

Fahrschulen im Corona-Lockdown: „Bei vielen geht es um die Existenz“

Der Fahrlehrer Sven Rudolf würde sich mehr Unterstützung wünschen. Natürlich seien die Infektionszahlen hoch, doch seine Fahrschule hat hohe Fixkosten und keine Einnahmen.
+
Der Fahrlehrer Sven Rudolf würde sich mehr Unterstützung wünschen. Natürlich seien die Infektionszahlen hoch, doch seine Fahrschule hat hohe Fixkosten und keine Einnahmen.

Die Fahrschulen sind nach dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 erneut geschlossen, die Fixkosten sind allerdings sehr hoch. Daher bangen viele Fahrschulen um ihre Existenz, sollten sie nicht bald wieder öffnen dürfen. Der Inhaber der Fahrschule Rudolf in Rosenheim und Fritz Pettinger aus Burghausen berichten von ihrer derzeitigen Situation.

Rosenheim/Burghausen - „Es geht bei vielen Fahrschulen um die Existenz, wie in anderen Branchen auch. Aber für viele Personen ist ein Führerschein auch wichtig für die Ausführung ihres Berufes. Auch Feuerwehren oder Rettungssanitäter hängen in der Luft“, schildert Sven Rudolf, der eine Filiale in Rosenheim und eine Brannenburg betreibt, gegenüber rosenheim24.de. Er und viele anderen Kollegen hätten daher nur wenig Verständnis für die Schließung.

Fahrschulen im Corona-Lockdown - hohe Fixkosten, keine Einnahmen

Für den Burghauser Fahrlehrer Fritz Pettinger, der vier Standorte im Landkreis Altötting hat, sei der Lockdown in gewisser Weise schon nachvollziehbar. Die Situation sei für die Politiker auch nicht leicht und er würde nur ungern in deren Position sein. Einig sind sich doch alle bayerischen Fahrschulen: „Wir würden uns eine gerade Linie wünschen, dass die Regelungen überall gleich sind“, so Pettinger. In manchen Bundesländern oder in Österreich haben die Schulen nämlich geöffnet.

Seit dem harten Lockdown Mitte Dezember dürfen keine Fahr- bzw. Theoriestunden durchgeführt werden. Das aktuelle Verbot ist vorerst bis zum 14. Februar gültig. „Es ist schon eine prekäre Lage. Man kann auch nicht abschätzen, wann wir wieder öffnen dürfen“, so Rudolf. Die Fixkosten bleiben dagegen relativ hoch. „Wir haben Autos, Motorräder und die Mieten. Das muss alles weiter bezahlt werden“, schildert Rudolf. Pettingers Fahrschule, der alle Klassen vom Lastwagen über Bus und Bulldogs anbietet, zählt beispielsweise rund 20 Fahrzeuge. Hinzu kommen bei manchen Fahrschulen auch Angestellte.

Finanzielle Hilfe offen

Anders als im vorherigen Frühling ist derzeit nicht klar, ob es finanzielle Unterstützung vom Staat gibt. „Letztlich hat der Inzidenzwert den Ausschlag gegeben, ob wir öffnen durften oder nicht. Bei diesem regionalen Verbot vor dem harten Lockdown gab es keinen Anspruch auf finanziellen Ausgleich“, erklärt der Rosenheimer Fahrlehrer. Die Überbrückungshilfe III wäre vielleicht eine Möglichkeit, dafür gibt es aber noch keine Anträge. „Vielleicht bekommen wir ja auch noch die Hilfen, die uns vom Staat versprochen wurden“, hofft auch Pettinger.

Seit kurzem sei zwar der Theorie-Unterricht online möglich. „Davon wurde uns vom Fahrlehrerverband abgeraten. Das wäre mit Kosten und einem enormen Zeitaufwand verbunden. Hinzu kommt die Genehmigungsdauer, die vielleicht ein paar Wochen in Anspruch nehmen würde. Dann hätten wir vielleicht alles umsonst gemacht. “, erklärt Pettinger. Zumal die Fahrschulen am meisten an den Fahrstunden verdienen.

Umfrage

Kein Corona-Fall bekannt, Hygienekonzepte vorhanden

Rudolf selbst hätte bei ihm oder seinen anderen Kollegen keinen einzigen Corona-Fall im Landkreis Rosenheim mitbekommen. „Eine Nachverfolgung wäre aber auch sehr einfach. Die Infektionsketten wären sehr gut nachzuvollziehen, da die Anwesenheit der Schüler dokumentiert werden“, berichtet Rudolf.

Dies sei auch ein Grund, warum er selbst und einige Kollegen die Schließung nicht so ganz verstehen würden: „Wir sitzen ja nur mit einer Person im Auto und es gibt keine Berührungen. Seit dem ersten Lockdown halten wir ja nicht nur Abstand und haben alles desinfiziert, sondern arbeiten auch durchgehend mit Mundschutz. Zudem haben wir in sämtliche Sicherheitsvorkehrungen zum Schutze gegen Infektionen investiert, um bestmöglichen Schutz garantieren zu können.“ Die Schließung bringe jedoch ein weiteres Problem mit sich. „Es bildet sich ein Stau, denn wir können ja in Zukunft nicht mehr Fahrstunden als erlaubt anbieten“, erklärt Rudolf.

Stand jetzt öffnen die Fahrschulen am 15. Februar wieder. „Wir waren schon überrascht, dass der Lockdwon nur 14 Tage verlängert wurde. Daher geben wir die Hoffnung nicht auf“, so Rudolf. Doch die jeweiligen Verlängerungen würden für viel Unsicherheit sorgen. „Wir hängen in der Luft. Das schlägt schon auf das Gemüt und die Psyche“, so Rudolf abschließend.

jz

Kommentare