Gebirgspioniere: Leb‘wohl, Brannenburg!

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Brannenburg - Die Bundeswehr sagt „Servus“ zu Brannenburg. Heute Abend ist das letzte große Zeremoniell.

„Aus is´!“ war jahrzehntelang die Losung der jungen Gebirgspioniere, wenn sie nach ihrer Entlassung vom Wehrdienst durch ihre heimatlichen Städte und Dörfer zogen und ihre „Freiheit“ feierten. „Aus is´!“ heißt es nun auch für die Garnison Degerndorf – Brannenburg, die in den Jahren 1935/36, mit dem Bau der Karfreitkaserne, für das I. Bataillon des Gebirgs-Jäger-Regiments 100, begann.

Streifzug durch 53 Jahre Karfreit-Kaserne

Karfreit-Kaserne - Bilderbogen durch 53 Jahre

Das Gebirgspionierbataillon 8, das 1956 in der Karfreitkaserne neu aufgestellt wurde, muss laut Befehl des Bundeswehr – Führungsstabes, den gesamten Umzug nach Ingolstadt, bis 31. März 2010, vollziehen. Gegen die Verlegung der Gebirgstruppe ins Flachland, gab es zahlreiche Proteste aus allen Kreisen der Bevölkerung, die jedoch nichts brachten.

Dazu einer der vormaligen Kommandeure und „Mann der ersten Stunde“, Oberstleutnant a.D. Hermann Köberl: „Ich kann mich mit diesem Entschluss überhaupt nicht abfinden. In die Kaserne hat man zur Modernisierung Millionen hineingesteckt. Wir haben die Innauen in jahrelanger Rodungsarbeit so hergerichtet, dass sie für unsere Ausbildungszwecke, wie auch für die Naherholung der Bevölkerung etwas bringen. Es ist uns gelungen einen hervorragenden Wasserübungsplatz, wie auch ein Naturschutzgebiet zu schaffen. Für mich ist die Verlegung nach Ingolstadt einfach unverständlich.“

Gleicher Ansicht ist auch Heinrich Scheble, ehemaliger Stabsfeldwebel und zwölf Jahre Zweiter Bürgermeister in Brannenburg. Er wies in diesem Zusammenhang noch auf die mannigfachen Hilfeleistungen der Gebirgspioniere in der Region bei Naturkatastrophen, dem Alm- und Forstwegebau in den Bergen, der technischen Hilfe beim Sportplatzbau der Vereine im Inn- und Mangfall sowie auf den wirtschaftlichen Schaden für die umliegenden Gemeinden nach Abzug der Truppe sowie auf den Verlust von rund 100 Arbeitplätzen für zivile Angestellte und Arbeiter hin.

Oberstleutnant Jochen Gumprich – der 20. in der Reihe der Brannenburger Bataillonskommandeur – ist Realist und meint: „Für langes Wundenlecken“, sei keine Zeit, denn die Spezialtruppe werde im nächsten Jahr von Ingolstadt aus mit dem Dienst im Inland, wie auch mit Auslandseinsätzen voll ausgelastet sein. Beim Umzug und der „Aufräumarbeit“ wird Gumprich tatkräftig von seinem Stellvertreter, Oberstleutnant Bernd Frei unterstützt.

So auch beim letzten großen Gelöbnis, von Rekruten diesmal aus vier Bataillone der Gebirgsjägerbrigade 23, nämlich des Gebirgspionierbataillons 8, des Gebirgsjägerfernmeldebataillon 210, sowie der Gebirgsjägerbataillone 231 und 232 (alle Bad Reichenhall), am Donnerstag, 12. November, 17 Uhr, auf einer Wiese bei der Talstation der Wendelsteinbahn.

 Zweieinhalb Stunden später, um 19.30 Uhr, wird der Garnisonsgemeinde Brannenburg, mit einem „Großen Zapfenstreich“, auf dem Exerzierplatz der Karfreitkaserne, eine ganz besondere (letzte) militärische Ehre zuteil.

Den musikalischen Rahmen gestaltet die große Besetzung des Gebirgsmusikkorps aus Garmisch Partenkirchen unter der Stabführung von Oberstleutnant Martin Kötter.

Der „Große Zapfenstreich“ ist das höchste militärische Zeremoniell der Bundeswehr. Der Name Zapfenstreich wurde zur Zeit der Landsknechte, anno 1596 erstmals als Abendsignal in Verbindung mit dem „Zapfenschlag“ erwähnt. Wenn die Landsknechte zur festgesetzten Abendstunde in das Lager zurückkehren sollten, ging ein Offizier, begleitet von einem Pfeifer oder Trommler, durch die Gaststuben und schlug mit seinem Stock auf den Zapfen des Fasses. Danach durften die Wirte keine Getränke mehr ausgeben und die Soldaten mussten in die Zelte einpassieren.

Zu beiden Veranstaltungen ist die Bevölkerung aus dem Stadt und Landkreis Rosenheim willkommen. Ausgewiesene Parkplätze gibt es bei der Wendelsteinbahn und bei der Kaserne (hinter dem Frischemarkt Prechtl).

Werner Krämer

Die Kommandeure des Gebirgspionierbataillons 8:

Oberstleutnant Meyer, Hans-Georg  06/57 - 01/61
Oberstleutnant Hintze, Herbert 02/61 - 12/64
Oberstleutnant Dittmann, Alfred  01/65 - 11/68
Oberstleutnant Köberl, Hermann 11/68 - 10/71
Oberstleutnant Jacoby, Wilhelm 10/71 - 08/73
Oberstleutnant Drossart, Sigurd 08/73 - 12/76
Oberstleutnant Hospach, Bernd 12/76 - 08/80
Oberstleutnant Göppel, Hans-Jürgen 08/80 - 04/83
Oberstleutnant Steiner, Heinz 04/83 - 09/86
Oberstleutnant Benkel, Manfred 09/86 - 09/88
Oberstleutnant Ellert, Jochen 09/88 - 10/90
Oberstleutnant Krippl, Wolfgang 10/90 - 09/93
Oberstleutnant Schwarz, Stefan 09/93 - 09/95
Oberstleutnant Schneider, Roland 09/95 - 09/97
Oberstleutnant Ebersbach, Michael 09/97 - 09/00
Oberstleutnant Dänner, Axel 09/00 - 09/02
Oberstleutnant Michel, Markus 09/02 - 09/04
Oberstleutnant Wagner, Edgar 09/04 ­07/06
Oberstleutnant Potocnik Igor 08/06 –10/08
Oberstleutnant Gumprich Jochen seit 10/08

Rubriklistenbild: © wk

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