Rohrdorf: Neues Leben für Ortsmitte

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Ein gangbarer Weg, die Nahversorgung für Rohrdorf langfristig zu sichern? Die 3-D-Animation des Architekturbüro Wüstinger zeigt, wie die künftige Ortsmitte aussehen könnte. Die Gebäude mit den dunklen Dächern markieren dabei mögliche Neubauten.

Rohrdorf - Nahversorgung bleibt eines der zentralen Themen in der Gemeinde Rohrdorf. Der künftige Bebauungsplan „Dorfplatz Rohrdorf“ soll die Weichen für neue Einkaufsmöglichkeiten stellen.

Zwar decken in den Ortsteilen Achenmühle, Lauterbach und Höhenmoos Kramerläden den Grundbedarf, und in Thansau wurde vor gut einem halben Jahr ein Lebensmittel-Discounter eröffnet; doch seit einigen Wochen liegt die Nahversorgung im Hauptort nahezu brach: Nach der Apotheke hat auch das kleine Lebensmittelgeschäft samt Getränkehandel zugesperrt.

Der künftige Bebauungsplan "Dorfplatz Rohrdorf" soll deshalb die Weichen für neue Einkaufsmöglichkeiten stellen. Auch im Hinblick auf diverse offene Briefe zu diesem Thema erläuterte jetzt der CSU-Ortsverband unter dem Motto "Miteinander reden" vor rund 100 Interessierten den Stand der bisherigen Verfahrensschritte.

"Rohrdorf braucht einen Lebensmittelmarkt", brachten Ortsvorsitzender Karl-Heinz Silichner als Moderator sowie Bürgermeister Christian Praxl als Referent die Stimmung im interessierten Publikum auf einen Nenner. Die zwar kontroverse aber dennoch sachlich geführte Diskussion habe zudem gezeigt, dass die Mehrheit der Anwesenden einem langfristigen und dauerhaften Konzept den Vorzug gebe.

Auch der Gewerbeverband Rohrdorf-Samerberg begrüßt die Pläne, die neues Leben in die Ortsmitte bringen sollen. Vorsitzender Uwe Hammerschmid hält dabei weder den Lebensmittelmarkt mit 1200 Quadratmetern Verkaufsfläche für überdimensioniert noch bezweifelt er, dass sich für das Gesamtprojekt ein Investor finden ließe. Und Büroflächen seien ohnehin Mangelware in Rohrdorf, Nachfrage aber durchaus vorhanden.

Als "irrwitzig und reine Utopie" bezeichnen derweil die Grundstückseigentümer Josef Opperer und Josef Höß das Konzept, welches der Bürgermeister bereits im Gemeinderat vorgestellt hatte und dort einstimmig befürwortet wurde (wir berichteten). Ein zentrales, drei- bis viergeschossiges Gebäude mit Gewerbe- und Wohnflächen auf dem Opperer-Anwesen könnte demnach das neue Ortszentrum markieren. Dabei, führte der Rathauschef weiter aus, sei es "zwar möglich aber nicht zwingend erforderlich", den Höß'schen Grünstreifen mit einzubeziehen; ebenso werde über die Größe des Projekts, das auch Grundstücke auf der anderen Straßenseite einschließe, noch zu reden sein.

"Ich würde den Ast absägen, auf dem ich sitze.", kommentiert hingegen Opperer den Entwurf, der an der Stelle seines 150 Jahre alten Elternhauses mit Mietwohnungen, Reisebüro und Tierarztpraxis künftig Kurzzeitparkplätze vorsieht. Das neue Geschäftshaus würde im Bereich der bisherigen Nebengebäude entstehen; oberhalb der Hangkante wären außerdem zwei Ein- oder Zweifamilienhäuser denkbar, während der Hangbereich selbst gemäß dem neuen Flächennutzungsplan als Grünfläche erhalten bleibt.

Opperer selbst war im vorigen Jahr mit einer Bauvoranfrage für ein Lebensmittelgeschäft mit 500 Quadratmetern Verkaufsfläche und zusätzlich 40 Wohnungen auf seinem 8000 Quadratmeter großen Grundstück zwischen Dorfstraße bis hinunter zum Mühlbach gescheitert. Der Gemeinderat hatte damals stattdessen zur Sicherung des Plangebiets eine Veränderungssperre erlassen. "Damit bin ich auf Jahre blockiert.", wettert Opperer und meldet massive Bedenken an, was Größe und Finanzierung des präsentierten Projekts anbelangt.

Ein Bebauungsplan setze lediglich den planungsrechtlichen Rahmen und eröffne unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten, hält Bürgermeister Praxl dagegen. Was davon letztlich umgesetzt werde, entscheide der Grundstückseigentümer. Also sei auch "niemand gezwungen, sein Elternhaus abzubrechen".

Erstaunt nahmen unterdessen er und CSU-Vorsitzender Silichner die Wortmeldung von Hotelchefin Theresa Albrecht zur Kenntnis, die angesichts mehrerer Einkaufsmärkte in der Umgebung grundsätzlich die Notwendigkeit eines Lebensmittelgeschäfts für Rohrdorf in Frage stellte.

pil/Oberbayerisches Volksblatt

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