Prozess: 250 Gramm Kokain in der Unterhose

Samerberg - In seiner Unterhose versuchte ein Albaner im März diesen Jahres 250 Gramm Kokain über die Grenze zu transportieren. Jetzt fiel das Urteil im Prozess:

Einen Volltreffer landeten Fahnder der Polizei, als sie am 7. März dieses Jahres bei einer sogenannten "verdachtsunabhängigen Kontrolle" ein albanisches Ehepaar bei der Autobahn-Raststätte Samerberg näher unter die Lupe nahmen. Das Ehepaar wohnt in Italien und war dorthin unterwegs - mit knapp 250 Gramm Kokain im Gepäck, die der Ehemann in Plastikbeuteln transportierte, die er in seiner Unterhose deponiert hatte.

Da die Beutel auch die Fingerabdrücke seiner Ehefrau aufwiesen, wurden beide wegen Drogenbesitz, -handel und -einfuhr angeklagt. Der Besitz des Kokains und die Absicht, damit zu handeln, waren unstreitig und wurden nach einem ausführlichen Rechtsgespräch zwischen Verteidigung, Staatsanwalt und Gericht von den Angeklagten auch eingeräumt.

Die Einfuhr des Rauschgiftes aus Holland wurde allerdings von den beiden heftig bestritten. Die Einfuhr von Drogen wäre mit einer viel höheren Strafandrohung versehen. Für eine solche Einfuhr gab es zwar Indizien, aber aus Sicht des Gerichts keine schlüssigen Beweise. Deshalb wurde die Anklage in diesem Punkt fallengelassen. Weil es sich bei dem von der Polizei entdeckten Kokain um eine erhebliche Menge harter Drogen handelte, konnte das Vergehen allerdings nicht mit Bagatellstrafen geahndet werden.

Der Staatsanwalt beantragte eine Gefängnisstrafe von drei Jahren für den Ehemann, der bereits in Italien vier Jahre wegen eines Drogenvergehens eingesessen hatte. Für die Ehefrau wurde die Anklage auf "Beihilfe" reduziert. Für sie forderte der Staatsanwalt zwei Jahre Gefängnis, die zur Bewährung ausgesetzt werden könnten, zumal die Frau und ihr Mann inzwischen sieben Monate in Untersuchungshaft gesessen hätten.

Der Verteidiger des Ehepaares, Rechtsanwalt Harald Baumgärtl, verwies darauf, dass sein Mandant in Deutschland ohne jede Vorstrafe sei und dass dessen Verurteilung in Italien bereits zehn Jahre zurückliege. Wie im vorangegangenen Rechtsgespräch bereits erörtert, empfahl er dem Gericht, es bei einer Strafe von zwei Jahren und acht Monaten zu belassen. Der zweite Verteidiger, Dr. Kai Wagler, verzichtete auf ein Plädoyer, nachdem er sich während des Verfahrens mit dem Gericht ein Scharmützel geliefert hatte.

Rechtsanwalt Jörg Sklebitz, der die Ehefrau vertrat, verwies nochmals darauf, dass seine Mandantin lediglich Beihilfe geleistet habe. Gar nichts hätte sie aber mit Ein- und Verkauf zu tun gehabt. Eine Strafe von 18 Monaten Gefängnis sei sicher hinreichend, und diese könne man getrost zur Bewährung aussetzen.

Das Gericht unter dem Vorsitz von Richterin Jacqueline Aßbichler entschied, dass der Angeklagte für zwei Jahre und zehn Monate ins Gefängnis muss. Die Ehefrau wurde mit einer Haftstrafe von 20 Monaten belegt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.

au/Oberbayerisches Volksblatt

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