"Es hätte Urlaub sein sollen"

Ehepaar aus Großkaro erlebt Corona-Odyssee auf Kanaren

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Robert Jegg und seine Frau vermummt am Flughafen Tenreiffa. 

Großkarolinenfeld/La Gomera - "Es hätte Urlaub sein sollen", schrieb ein Leser aus Großkarolinenfeld an rosenhem24.de. Er wollte mit seiner Frau einen Wanderurlaub auf der Insel La Gomera in Spanien machen. Doch es kam anders:

Eigentlich hatten Robert Jegg aus Großkarolinenfeld und seine Ehefrau zusammen mit Freunden einen ganz "normalen" Wanderurlaub auf den Kanaren geplant. Doch dann kam Corona. Innerhalb kürzester Zeit überrollte der Coronavirus Spanien und die Jeggs saßen fest. Tage voller Ungewissheit folgten. Wie sollten sie jetzt sicher und gesund nach Deutschland zurückkehren?


Reisebericht von Robert Jegg:

"Letzte Woche am Mittwoch (Anmerkung d. Redaktion: 11. März) flogen wir, meine Frau und ich mit Freunden, nach La Gomera zu Wandern. Der Flug ging nach Teneriffa, da La Gomera keinen geeigneten Flughafen hat. Auf die kleine Insel kommt man dann per Transport und Fähre. Übrigens, wir waren Buchungsurlauber, keine Individualisten, was sich als gut herausstellte.

Zum Zeitpunkt der Abreise war alles in Ordnung. Die Reisewarnung für Italien und China bestand natürlich, aber sonst nichts. Also "Go", zumal in Bayern ja am 15. März öffentlich gewählt wurde. Am Donnerstag, 12. März, spät in der Nacht, kamen wir an unserer Unterkunft in Valle Gren Rey an an. Alles hatte wunderbar geklappt. Tags darauf eine Inselbesichtigung, das heißt, eigentlich nur Valle Gran Rey. 


Am Samstag dann kamen die ersten Warnungen durch, dass Spanien Probleme mit Corona hat. Am Sonntag war schließlich klar, dass wir eine Ausgangssperre, gültig ab Montag, 8 Uhr, haben werden. Super. Wir machten uns schlau beim Reiseanbieter. Der Kontakt war schwierig, hat aber funktioniert. 

Die Rückreise war für Samstag, 21. März, von La Gomera nach Teneriffa und dann am 22. März weiter zurück nach München. Okay – wir müssen das aussitzen. Da wir eine Pension hatten und kein Hotel, war es nicht so schlimm. 

Dann die plötzliche Wende 

Am Mittwoch folgte dann eine "Evakuierungsaktion" von La Gomera nach Teneriffa, weil die Fähren keine Personen mehr transportieren dürfen. Also mitfahren oder auf unbestimmte Zeit festsitzen. In Teneriffa saßen wir dann im Hotel Zentral Center. Wieder Kontakt zum Reiseveranstalter. Passt noch alles hauptsächlich zwecks Rückflug? Ja. Wir bekamen sogar eine Reisebestätigung von der Hotelrezeption unter der Tür durchgeschoben. 

Die menschenleeren Straßen von Teneriffa.

"Wir wurden nervös"

Wir schauten dann viele Nachrichten und erkundigten uns im Internet bezüglich unseres Fluges. Manchmal war er buchbar, manchmal aber annulliert! Wir wurden nervös. Spanien gab schriftlich (Blatt via auswärtiges Amt, bei dem ich mich angemeldet hatte) bekannt, dass alle Hotels binnen sieben Tagen geräumt werden, also bis kommenden Mittwoch, 25. März. 

Wieder folgte Kontakt zum Reiseveranstalter. Nach telefonischer Rücksprache sendeten wir unseren Lagebericht per Mail an eine zugewiesene Person. Keinen Tag später kam wiederum eine Reisebestätigung unter der Tür durch. Der Flug wurde geändert. Abflug am Samstag, 21. März, per Rettungsflieger. Ein E-Mail kam nahezu zeitgleich mit erklärenden Worten an. Allerdings Flug nach Köln und nicht nach München, sowie die Ankunft mitten in der Nacht um 0.30 Uhr. 

Familie und Freunde helfen in der Krise

Alle Hebel setzten wir jetzt in Bewegung, via Familie und Freunde in Köln (so ein schöner Zufall). Unsere Kinder bemühten sich herauszufinden, ob das mit der Annullierung stimmt - Ja, stimmt. Unsere Freunde kümmerten sich um ein Leihauto, das noch mitten in der Nacht in Empfang genommen werden kann. Nebenher suchten unsere Kinder nach Zugverbindungen. 

Trotz der Corono-Gefahr sitzen die Menschen gedankenlos am Flughfafen dicht aufeinander.

Am Flughafen Teneriffa angekommen, gab es ein riesigen Tumult. Nur wenige durften in die Halle, alle anderen mussten draussen bleiben. Sehr sinnvoll, wenn die Urlauber dann den Raum genutzt hätten und den Abstand zueinander eingehalten hätte. Die Organisation hatte schon gepasst.

Überrascht und erleichtert im Flieger in die Heimat

Aber Deutsche müssen scheinbar "rudeln" und Körpernähe spüren. Der Flieger war voll. Etwas überraschend zwecks Abstand, aber was soll es, die Lüftung wird es schon richten. Wir hatten uns vollständig vermummt bis der Letzte saß. Und wir waren sehr glücklich in einem Flieger nach Hause zu sitzen, denn zwischendurch hatten wir erfahren, dass unsere nächste Chance rauszukommen, erst am 27. März gewesen wäre.

In Köln angekommen ging es mit dem Taxi sofort zur Mietwagenfirma. Den Wagen hatten unsere Freunde bereits vorgebucht. Um 10 Uhr am 22. März waren wir dann endlich zuhause. Und als wir daheim waren, konnten wir sehen, dass unser ursprünglicher Flug D8 1502 tatsächlich annulliert worden war. Was für ein Glück!

Jetzt isolieren wir uns selbst zu Hause und hoffen, dass wir nichts aufgeschnappt haben. Unvernünftige Menschen gibt es wirklich noch zu viele. Grüße aus der Heimisolation in Großkaro!"

Robert Jegg

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