Brenner-Nordzulauf: BI Brennerdialog widerspricht Pressemitteilung der Gemeinde Großkarolinenfeld

Neue Trassen in Rosenheim, Großkaro und Schechen?

Großkarolinenfeld - Der Brenner-Nordzulauf verunsichert die Bürger in der Region. Viele lehnen Neubaustrecken ab und fordern den Ausbau der Bestandsstrecken, weshalb aktuell im Hintergrund im Auftrag der Gemeinden Stephanskirchen, Riedering, Neubeuern, Rohrdorf und der Bürgerinitiativen eine Studie zur Ertüchtigung der Bestandsstrecken erfolgt. Eine Pressemitteilung der Gemeinde Großkarolinenfeld bezieht sich auf diese Studie und wirft die Frage auf, ob es trotz der Ertüchtigung der Bestandsstrecken für Rosenheim, Großkarolinenfeld und Schechen neue Trassen geben soll. Die Bürgerinitiative Brennerdialog widerspricht der Pressemitteilung.

Die Pressemeldung der Gemeinde Großkarolinenfeld im Wortlaut:

Die Ertüchtigung der Bestandsstrecke wurde vom Beratungsunternehmen Vieregg nicht nur für das Inntal, sondern auch über den Bahnhof Rosenheim hinaus für Großkarolinenfeld und Schechen neu betrachtet. Auftraggeber hierfür sind die Gemeinde Stephanskirchen, Riedering, Neubeuern, Rohrdorf und die Bürgerinitiativen. Offensichtlich sollen neue Gleise ab Brückenberg in Rosenheim zuerst Richtung Fürstätt, dann zwischen Besiedelung und Keferwald hindurch Richtung Großkarolinenfeld geführt werden. 

Die bisherigen Gleise Richtung Schechen/Wernhardsberg würden dabei aufgelöst. In etwa beim Einstieg in die "Keferrunde" würden sich die beiden neuen Gleise aufteilen: Richtung Schechen entlang der Westtangente, Richtung Großkarolinenfeld in eine Süd- und eine Nordvariante, die jeweils eine Auflösung des Bahnhofs in Großkarolinenfeld beinhalten. Im Süden wäre ein Bahnhof dann bei der Leonhardskapelle neu vorgesehen, anschließend Gleisführung unter der Besiedelung Kolbermoorerstraße (ca. bei Josef Baumann Straße) hindurch eng an Riedhof vorbei mit Einschleifung in die Bestandsgleise bei Rann bzw. Vogl. 

Sehen Sie hier den Vieregg-Entwurf:

Die nördliche Variante quert offensichtlich die Kreisstraße, auch hier ist westliche und östliche Bebauung (Öllerschlössl), dann westlich des Ponycafes vorbei, wo auch ein neuer Bahnhof vorgesehen wird; anschließend ab etwa Höhe Veilchenweg unterirdisch östlich der Besiedelung von Großkarolinenfeld nach Norden und s üdlich des Gewerbegebietes Richtung Pfälzerstraße-Nord. Von dort geht es zwischen Ödenhub und Schlimmerstätt, Naglstätt, Gutmart und Gröben, bis beide Gleise kurz vor Bach zwischen Buchrain und Mühlbach wieder auf die Bestandsstrecke einschleifen. Beide Varianten sind wohl so ohne einen Abriss von Gebäuden nicht zu realisieren, da zumindest eine Untertunnelung von bebauten Bereichen im Seeton technisch nur schwer darstellbar ist.

Bürgermeister Fessler hierzu in einer ersten Stellungnahme: „Wer die Ertüchtigung der Bestandsstrecke (statt Neubau) fordert, der musssolche Möglichkeiten im Hinterkopf haben und die jeweils betroffenen Bürger auch entsprechend informieren. Ansonsten werden die Belastungen nur auf andere verteilt, die möglicherweise ihr Glück noch gar nicht ahnen. Zusätzlich sind hier Naturräume neu betroffen, auch ausgewiesene Biotope. Die jeweils vorgesehenen Verlagerungen des Bahnhofs in den Außenbereich würde für Pendler aus Großkarolinenfeld die Nahverkehrssituation tendenziell verschlechtern, da der Bahnhof dann weniger zentral wäre. Außerdem kann ich mir nicht vorstellen, dass die Stadt Rosenheim und die Gemeinde Schechen von diesen neuen Trassen begeistert sind.“ 

Bereits in den Jahren 1991 bis 1996 gab es eine Diskussion um die Auflösung des Bahnhofs in Großkarolinenfeld. Die Gemeinde hatte damals Zusicherungen abgegeben, den Bahnhofsbereich selbst zu stärken, was mittlerweile durch Grundstücksankäufe und dann die Anlage von P&R Flächen auch erfolgt ist. Nicht zuletzt deshalb wurden die Bestrebungen der Bahn auf Auflösung des Bahnhofs damals beendet. Zur Information von Betroffenen und Interessierten findet am Donnerstag den 5.3.2020 eine gemeinsame Besichtigung der Örtlichkeiten mit Bürgermeister Bernd Fessler statt. Treffpunkt ist um 13.00 Uhr am Bahnhof in Großkarolinenfeld. Auch die Landratskandidaten sind herzlich eingeladen.

Pressemeldung Gemeinde Großkarolinenfeld

Stellungnahme des Brennerdialog Rosenheimer Land e.V im Wortlaut:

Die Gemeinde Großkarolinenfeld hat im Namen des Bürgermeisters Bernd Fessler eine Pressemitteilung versendet, der wir formal und inhaltlich aus folgenden Gründen widersprechen müssen: 

Die von Herrn Bürgermeister Fessler zitierte Studie von Dr. Vieregg ist noch in Arbeit und die eingezeichneten Trassen sind nur ein erster Entwurf, der weiter optimiert wird. Der abgebildete Trassenentwurf ist auf jeden Fall veraltet und nicht für eine Veröffentlichung geeignet. 

Die Studie wird jedoch in Kürze abgeschlossen und im Rahmen einer Pressekonferenz professionell und umfassend vorgestellt. Hierzu wird die Presse rechtzeitig informiert und gesondert eingeladen. 

Herr Bürgermeister Fessler kennt die Planungshintergründe nicht und berichtet einseitig, populistisch und falsch über diese in Arbeit befindliche Trassenplanung. Vielleicht mit dem Ziel die Bevölkerung im Vorfeld der Kommunalwahl tendenziös zu informieren und gegen diesen Entwurf einzunehmen. 

Herr Bürgermeister Fessler hat keine Nutzungsrechte an den Inhalten und ist auch nicht zur Veröffentlichung von Bildern autorisiert. Eine Nutzung der Bilder und Inhalte ist mit den Auftraggebern abzustimmen. Vorzugsweise mit dem Bürgermeister von Stephanskirchen Rainer Auer oder der Bürgerinitiative Brennerdialog.

Herr Bürgermeister Fessler wurde von Seiten der Bürgerinitiative angeboten, die abgeschlossene Studie im Rahmen einer Informationsveranstaltung vorzustellen und sachlich zu diskutieren, um für die gesamte Gemeinde Großkarolinenfeld sowie den Landkreis Rosenheim die beste Lösung zu entwickeln. Dieser Vorschlag wurde nach Information eines Gemeindesrates von Herrn Fessler bislang abgelehnt.

Pressemeldung Brennerdialog Rosenheimer Land e.V.

Aussage gegen Aussage

Die Aussagen von Großkarolinenfelds Bürgermeister Fessler und die der Bürgerinitiative Brennerdialog widersprechen sich in wesentlichen Punkten. Wir werden der Angelegenheit auf den Grund gehen und weiter berichten.

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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