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„Problemwolf“ darf doch nicht entnommen werden

„Problemwolf“ darf doch nicht entnommen werden

Kandidat per Inserat

Gesucht wird ein Bürgermeisterkandidat: GBV-Vorsitzender Dr. Erwin Gutsmiedl und seine Stellvertreterin Marga Knorek setzen große Hoffnungen auf ihre Anzeige.
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Gesucht wird ein Bürgermeisterkandidat: GBV-Vorsitzender Dr. Erwin Gutsmiedl und seine Stellvertreterin Marga Knorek setzen große Hoffnungen auf ihre Anzeige.

Großkarolinenfeld - Eine ungewöhnliche Aktion: Per Zeitungsinserat sucht die Bürgervereinigung einen Kanidaten, der im November gegen den amtierenden Bürgermeister antreten soll.

Eine ungewöhnliche Aktion im Rahmen der im Herbst stattfindenden Kommunalwahl hat sich die Großkarolinenfelder/Tattenhausener Bürgervereinigung (GBV) einfallen lassen: Per Zeitungsinserat sucht die Gruppierung einen Kandidaten, der im November gegen den amtierenden Großkarolinenfelder Bürgermeister Bernd Fessler antritt.

Die Zeitspanne bis zur Bürgermeisterwahl am 4. November in Großkarolinenfeld wird immer kürzer. „Doch bis jetzt hat sich zum Wahlkampf weder eine andere Partei noch Bürgermeister Bernd Fessler geäußert“, kritisierte Dr. Erwin Gutsmiedl.

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Der in diesem Jahr neu gewählte GBV-Vorsitzende wurde lange hinter vorgehaltener Hand als Bürgermeisterkandidat gehandelt. Doch nach reiflicher Überlegung ist der Physiker zu dem Entschluss gekommen, dass er, im Falle einer Wahl, sein derzeitiges berufliches Engagement nicht aufgeben will, wie er auf Anfrage erklärte: „Ich bin in einigen Forschungsprojekten integriert und begleite zudem Studenten und Doktoranden, die ich nicht im Stich lassen möchte.“ Da sich aus den eigenen Reihen der GBV kein Kandidat gefunden hat, will die freie Wählergemeinschaft, die drei Gemeinderäte in Karo stellt, durch die am vergangenen Wochenende geschaltete OVB-Annonce ihr Glück versuchen. „Das ist nichts Ungewöhnliches“, betont Gutsmiedl. „Auch in anderen Städten und Gemeinden wurde auf diesem Weg nach einem Gegenkandidat gesucht und auch einer gefunden.“

Tatsächlich hatte sich beispielsweise der heute amtierende Bürgermeister in Prien, Jürgen Seifert, vor vier Jahren auch auf ein Zeitungsinserat der Gruppierung „Mehr Demokratie für Prien“ gemeldet. „Wir haben damals sogar sehr viele Bewerbungen bekommen, aber Seifert hat als Finanzexperte die Konkurrenz schnell ausgestochen“, erinnert sich Günter Stampfl. Der 71-Jährige war damals bei der Auswahl mit dabei und ist heute Fraktionsvorsitzender der Vereinigung „Miteinander für Prien“. „Der ausgeglichene Haushalt von Prien beweist, dass unsere damalige Vorgehensweise und Entscheidung für Seifert richtig war.“ Viele hätten geglaubt, dass Seifert, der weder aus Prien noch aus der Region stammte, gegen den amtierenden Bürgermeister und zwei regionale Gegenkandidaten im ländlichen Prien keine Chance habe. Doch die Kritiker wurden eines Besseren belehrt.

Auch die GBV in Großkarolinenfeld ist für jeden Kandidaten, unabhängig von dessen Wohnort, offen. Wie sie sich ihren Traum-Bewerber vorstellen, haben die GBVler klar in der Anzeige formuliert: „Transparenz und Offenheit“ werden verlangt. Völlig überrascht wurden in Großkaro alle anderen Parteien sowie Bürgermeister Bernd Fessler von dem GBV-Plan, wobei der amtierende Bürgermeister Fessler (parteifrei) grundsätzlich kein Problem mit der GBV-Taktik hat: „Da mir meine Arbeit großen Spaß macht, würde ich gerne wieder antreten. Aber ob und in welcher Form dies geschieht, hängt von den in Kürze stattfindenden Aufstellungsversammlungen der Parteien ab.“

Bedeckt hielten sich auch alle anderen politischen Gruppierungen der Gemeinde. Als „spannend, aber befremdlich“ bezeichnete PLW-Fraktionssprecher Roman Hörfurter die GBV-Kandidatensuche über die Medien. Nach Hörfurters Ansicht sei es in Karo „bisher immer geeigenen Reihen zu rekrutieren, die sich im Ortsgeschehen tatsächlich auskennen und mit der Gemeinde verwurzelt sind“. Dieses Verfahren habe sich in der Vergangenheit bewährt. Auch die anderen Fraktionssprecher Franz Dußmann (SPD), Lilo Wallner (CSU) und Wiltrud Rothmayer (Bündnis 90/Die Grünen) zeigten sich mehr als erstaunt von dem Weg, den die GBV eingeschlagen hat. Alle drei Gruppierungen gaben an, Fessler, vorbehaltlich der Mitgliederversammlungen, als Kandidat unterstützen zu wollen. Gutsmiedl und seine GBV-Parteifreunde aber freuen sich auf die Bewerbungen und den bevorstehenden Wahlkampf: „Demokratie lebt von der Wahlmöglichkeit. Und deshalb möchten wir den Bürgern einen Gegenkandidaten bieten.“

Bis 2020 wieder im Turnus

Im Gegensatz zu anderen Gemeinden steht in Großkarolinenfeld bereits heuer die Bürgermeisterwahl an. Der Grund dafür liegt lange zurück: Da Bürgermeister Simon Huber aus gesundheitlichen Gründen seine Amtszeit (1966-1988) zwei Jahre früher als geplant beendet hatte, war eine Differenz zu den allgemeinen Kommunalwahlterminen entstanden, die sich bis heute fortsetzt. Auf Huber folgte Bürgermeister Günter Schramm (bis 2001), auf den wiederum der amtierende Bürgermeister Bernd Fessler folgte.

Inzwischen trat ein Gesetz zur Änderung des Gemeinde- und Landkreiswahlgesetzes (GLKrWG) in Kraft. Dieses besagt: „Beginnt die Amtszeit des neu gewählten Bürgermeisters innerhalb der letzten zwei Jahre der Wahlzeit des Gemeinderats, endet sie mit dem Ablauf der folgenden Wahlzeit des Gemeinderats“; also im Fall Großkarolinenfelds in 2020. Der Kandidat, der die Wahl im November gewinnt, wird daher statt sechs sogar sieben Jahre und drei Monate im Amt sein.

Daniela Lindl/Oberbayerisches Volksblatt

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