Heimatliche Landschaft wieder entdeckt

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Umweltbildung ist der Schwerpunkt des in diesem Jahr begonnenen INTERREG-Projekts „Moorallianz in den Alpen“. Kein Wunder, dass die Grundschüler aus Nicklheim das Grüne Klassenzimmer persönlich in Besitz nahmen.

Raubling - Etwas über ein Jahr nachdem die Moorerlebnisstation von Bad Feilnbach eröffnet worden ist, öffnet nun auch die Moorstation Nicklheim ihre Pforten. **Jetzt mit Bildern**

15 Monate nach der Eröffnung der Moorerlebnisstation Sterntaler Filze im Gemeindegebiet von Bad Feilnbach ist heute (29.09.10) auch die Moorstation Nicklheim offiziell eröffnet worden. Landrat Josef Neiderhell, Raublings Bürgermeister Olaf Kalsperger, Projektleiter Ralf Strohwasser und Stefan Pratsch von den Bayerischen Staatsforsten durchschnitten das symbolische Band.

Bilder: Eröffnung Moorerlebnisstation Nicklheim

Eröffnung Moorstation Nicklheim

Beste Aussichten in die Rosenheimer Stammbeckenmoore erlaubt der neue fast fünf Meter hohe Aussichtsturm. Landrat Josef Neiderhell und Raublings Bürgermeister Olaf Kalsperger überzeugten sich vor Ort.

Alle Redner betonten die umweltpädagogische Bedeutung der Moorstation. Raublings Bürgermeister Olaf Kalsperger sagte, man habe etwas für die Schulen machen wollen, sie könnten hier – wie es früher hieß – den Naturkundeunterricht abhalten. Landrat Josef Neiderhell erinnerte in seinem Grußwort zunächst an die Ziele, nämlich den Torfabbau zu beenden und die Flächen der Natur zurückzugeben. Das vollständig aus Holz gebaute „Grüne Klassenzimmer“ schaffe Raum für die Schule. Schließlich gelte das Prinzip: Wer von der Natur, vom Leben im Moor lernen möchte, der müsse einmal hingehen. Neiderhell bedankte sich bei den Bürgerinnen und Bürgern von Raubling und Bad Feilnbach dafür, dass sie diese neue Möglichkeit der Naherholung so annehmen. Begeistert äußerte sich Stefan Pratsch von den Bayerischen Staatsforsten, die Moorstation sei eine tolle Sache. Ihm sei es ein wichtiges Anliegen, dass sich die Fläche wieder entwickeln könne und gleichzeitig die Bevölkerung punktuell Zugang habe, denn nur was man kenne, schätze man auch, so Pratsch. Am deutlichsten beschrieb der Ökologe und Projektleiter Ralf Strohwasser die Veränderungen in den vergangenen fünf Jahren: Aus einer Industriefläche sei ein Naturparadies geworden. Strohwasser zählte eine ganze Reihe von seltenen Vogelarten auf, die inzwischen in der wiedervernässten Fläche gesichtet wurden. Dazu zählen die Schellente, der kleine Zwergtaucher, der sehr seltene Schwarzhalstaucher, die Bekassine, der scheue Schwarzstorch der auch das Maskottchen der Stammbeckenmoore ist oder der Kranich.

Moor erleben zu können ohne die Natur zu stören, das funktioniere hier, sagte Strohwasser. Die Wirkung nach außen nehme zu, das merke man an den Anmeldungen zu den Moorführungen durch zertifizierte Moorführer.

Die Moorstation Nicklheim ist eine wunderbare Gelegenheit heimische Natur zu erleben. Eröffnet wurde sie von Projektleiter Ralf Strohwasser, Raublings Bürgermeister Olaf Kalsperger, Stefan Pratsch von den Bayerischen Staatsforsten und Landrat Josef Neiderhell (von links).

Hinter der Moorstation Nicklheim stehen im Wesentlichen zwei Projekte, nämlich das LIFE Natur-Projekt „Rosenheimer Stammbeckenmoore“ sowie das INTERREG-Projekt „Moorallianz in den Alpen“. Beide befassen sich mit den für Raubling und den Landkreis Rosenheim bedeutungsvollen Hochmooren und haben insbesondere die Unterstützung der Bayerischen Staatsforsten sowie der breiten Bevölkerung gefunden, die das große Hochmoor zwischen Bad Feilnbach und dem Raublinger Ortsteil Nicklheim als heimatliche Landschaft wieder oder neu entdeckt haben.

Der seltene und scheue Schwarzstorch, der in den großräumig wiedervernässten Mooren neuen Lebensraum findet, ist das „Maskottchen“ der Stammbeckenmoore.

Das LIFE Natur-Projekt befasst sich seit 2005 vor allem mit der Renaturierung, das heißt der Wiedervernässung von 400 Hektar Hochmooren, die in der Vergangenheit zur Gewinnung von Torf abgebaut worden waren. Zusammen mit den angrenzenden Mooren sind damit in den Stammbeckenmooren nahezu 700 Hektar zusammenhängendes Hochmoor renaturiert worden. Eine Fläche, die innerhalb der Europäischen Union vermutlich ohne Vergleich ist. Die Hochmoorrenaturierung dient dem Klimaschutz, der Verringerung der Hochwasser- und Moorbrandgefahr in den angrenzenden Siedlungen sowie dem Arten- und Biotopschutz.

Weitere LIFE-Themen waren der Schutz der Streuwiesen im Auer Weidmoos und der Kalten- Aue sowie die Umweltbildung. In diesem Zusammenhang errichtete LIFE in Kooperation mit Bad Feilnbach die erste Moorstation in der Sterntaler Filze. LIFE-Projektpartner sind die Umwelt-, Kultur- und Sozialstiftung im Landkreis Rosenheim sowie die Gemeinde Raubling. Das mit 1,87 Millionen Euro ausgestattete Projekt endet im Oktober dieses Jahres.

Keine Industriefläche mehr: das Foto zeigt die so genannte Abgebrannte Filze sowie die Kollerfilze und Hochrunstfilze nach der Wiedervernässung.

Das INTERREG-Projekt „Moorallianz in den Alpen“ startete in diesem Jahr. Es hat die Aufgabe, die von LIFE begonnene Umweltbildung fortzusetzen. Das Thema Moor soll durch ein groß angelegtes Bildungsprogramm der Bevölkerung und insbesondere über die Schulen den Kindern und Jugendlichen vermittelt werden. Zentrale Punkte sind die Errichtung des Grünen Klassenzimmers in der Moorstation Nicklheim und die Kooperation mit dem örtlichen „Fuizlerverein“. Die Gemeinde Raubling ist Partner des INTERREG-Projekts, das zudem weitere Aktionen in Tirol, Salzburg und dem Chiemgau umfasst.

Beide Projekte werden jeweils zur Hälfte von der Europäischen Union finanziert. Am Samstag, den 16. Oktober findet in der Moorstation Nicklheim ein Tag der Offenen Tür statt. Raublings Bürgermeister Kalsperger forderte die Gäste der Einweihungsfeier auf, es weiterzusagen, dass hier etwas Schönes entstanden ist.

Landratsamt Rosenheim

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