Helferkreis kümmert sich um Senioren

Stephanskirchen – Die neue Seniorenpolitik nimmt Gestalt an. Nun wurde eine Gruppe ehrenamtlicher Helfer gegründet, die Senioren bei der Bewältigung des Lebensabends zur Seite stehen.

Erreichbar ist der Helferkreis Senioren (HSK) über das Rathaus. Hier ist mit Bürgermeister Rainer Auer zugleich der Initiator der neuen Seniorenpolitik zu finden.

Der Wasserhahn tropft. Eine Glühbirne muss ausgewechselt, ein kompliziertes Formular ausgefüllt werden. Die bestellten Medikamente warten auf die Abholung. Es fehlt an einer Begleitung, die beim Einkaufen unterstützt, an einer freundlichen Person, die aus der Zeitung vorliest oder zum Kaffeetrinken und Plaudern zu Besuch kommt. Für solche und ähnliche kleine Dienste können ältere Bürger in Stephanskirchen jetzt die Mitglieder des neu gegründeten Helferkreises anrufen. Unterstützung erhalten sie von sogenannten "Jungsenioren" - rüstige Einwohner der Generation 60-Plus, kurz vor oder frisch in die Rente eingetreten, lebenserfahren, fit, aktiv und bereit, sich für andere sozial zu engagieren.

So wie Elfriede Puntschuh, Marie Antoinette Riedel, Roman Röschlein und Ingrid Schweda. Sie haben den Helferkreis nach dem Workshop zur neuen Seniorenpolitik auf Einladung der Gemeinde im Januar ins Leben gerufen. Wie berichtet, haben sich damals drei Themenfelder herauskristallisiert, in denen Handlungsbedarf besteht: Mobilität (Bürgerbus), Wohnen im Alter und soziale Dienste.

Unter Letzteren verstehen die vier Initiatoren des Helferkreises, der bereits auf 19 aktive Mitglieder herangewachsen ist, kleine Helferleistungen, die betagten Bürgern eine aktive Teilhabe am gesellschaftlichen Leben in ihrer Gemeinde ermöglichen und ihnen den Lebensabend in den eigenen vier Wänden erleichtern. Das Angebot reicht von handwerklichen Diensten bis zu Gesprächen und Begleitungen - etwa zu kulturellen Veranstaltungen. Oberstes Ziel: "Soziale Kontakte, die verhindern, dass sich ältere Bürger, die nicht mehr so mobil sind, isoliert fühlen und dadurch vereinsamen", erläutert Röschlein.

Großer Bedarf an Unterstützung

Denn auch im ländlichen Stephanskirchen ist der Bedarf an Unterstützung für Senioren groß, wissen Elfriede Puntschuh und Marie Antoinette Riedel. Immer mehr ältere Einwohner leben nicht mehr in Großfamilien, sondern allein. Die Kinder und Enkel sind über ganz Deutschland verstreut, die Nachbarn kennen sich kaum, erläutern sie. "Oft trauen sich Senioren außerdem nicht, um Hilfe zu bitten", stellen die Mitglieder des Helferkreises immer wieder fest. Das soll jetzt anders werden: Um Unterstützung fragen, das ist beim neuen Angebot ausdrücklich erwünscht.

Vorbild ist die traditionelle unbürokratische Nachbarschaftshilfe, die Elfriede Puntschuh und Marie Antoinette Riedel selbst erlebt haben, als es galt, die Betreuung der betagten Eltern in der Ferne zu organisieren. "Soziales Engagement hat mein ganzes Leben begleitet", ergänzt Roman Röschlein, der sich noch gut daran erinnern kann, wie die Großfamilie und die Nachbarn nach dem Krieg zusammenhielten, um den Neuanfang zu bewältigen. Was früher funktionierte, muss heute organisiert werden, weil es nicht mehr selbstverständlich ist, erläutert der Helferkreis.

Eng arbeitet er mit den bereits bestehenden Hilfsangeboten in Stephanskirchen zusammen. Er versteht sich als Ergänzung zu Wohltätigkeitsvereinen wie dem Sozialwerk, das die ambulante Pflege durchführt und hauswirtschaftliche Dienste anbietet, oder zur Seniorenbegegnungsstätte in Schloßberg. Auch Kontakte zu diesen Angeboten oder zu beratenden Stellen - etwa für Umbauten, die ein barrierefreies Wohnen ermöglichen - stellen die Mitglieder des Helferkreises nach eigenen Angaben gerne her.

duc/Oberbayerisches Volksblatt

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