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OVB-Serie „Kunst im öffentlichen Raum“

Wie Marianne Kink ihrem Mann Hermann Modell für das Fürstätter Kriegerdenkmal stand

Hermann und Marianne Kink: 1953 war sie sein Modell für die heilige Maria der Pietà, seit 1956 sind die beiden verheiratet.
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Hermann und Marianne Kink: 1953 war sie sein Modell für die heilige Maria der Pietà, seit 1956 sind die beiden verheiratet.

Ein ungewöhnliches Kriegerdenkmal dominiert die Fassade der Rosenkranzkirche in Fürstätt. Geschaffen hat die Gesamtanlage 1953 der junge Bildhauer Hermann Kink aus Prutting, für den sich damit ganz persönliche Themen verbinden. Davon berichtet der heute 95-Jährige.

Rosenheim / Prutting – Durch Zufall hatte sich 1953 der Kontakt zum Krieger- und Veteranenverein Fürstätt ergeben und Hermann Kink erzählt: „Die feierten im Oktober ihr dreißigjähriges Bestehen und der Vorstand Max Prentl, der ein Afrika-Kämpfer war, wollte ein Kriegerdenkmal für die gefallenen Kameraden. Aber nichts, was den Krieg verherrlicht, sondern ein Denkmal des Erinnerns und Mahnens. Etwas Heroisches hätte ich ihnen auch gar nicht gemacht. Da habe ich als Funker und Fallschirmjäger bei der Luftwaffe, als Verwundeter und Kriegsgefangener selbst zu viel Angst, Leid und Schmerz erfahren.“

1953 gestaltete Hermann Kink das Kriegerdenkmal an der Rosenkranzkirche in Fürstätt.

Vorschlag findet sofort Zustimmung

Also entwarf Hermann Kink als Hauptmotiv eine Pietà, die heilige Maria, die ihren toten Sohn Jesus nach der Kreuzabnahme im Schoß hält. Dieser Vorschlag fand sofort Zustimmung, auch bei Professor Josef Henselmann, den Kink um seine Meinung gebeten hatte.

Hermann Kink hatte bei Josef Henselmann an der Akademie der Bildenden Künste München sechs Semester Bildhauerei studiert. Zur Aufnahmeprüfung im Herbst 1946 hatte ihm Akademieprofessor Emil Preetorius geraten, der in Krottenmühl ein Ferienhaus besaß, und auf Schnitzwerke des Kriegsheimkehrers in Edling aufmerksam geworden war. Mit ihm bestand die Prüfung Josef Hamberger und die beiden Bildhauer verband eine lebenslange Freundschaft.

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Kink blieb aber nicht allein bei der Bildhauerei, sondern ergänzte sein Studium noch mit Innenarchitektur bei Josef Hillerbrand und Architektur bei Sep Ruf. An der Ludwig-Maximilians-Universität hörte der Künstler die großen Vorlesungen zu Theologie und Philosophie von Romano Guardini. Diese Professoren waren prägende Gestalten der deutschen Nachkriegszeit.

Zunächst Modell, später Ehefrau

Hermann Kink bearbeitet 1953 vor der Fürstätter Rosenkranzkirche die Nagelfluh-Blöcke für die Treppenanlage.

Doch zurück zum Fürstätter Kriegerdenkmal. Nun suchte der Bildhauer noch ein Modell für die heilige Maria. In der Pruttinger Pfarrkirche wurde er fündig, als ihn seine Freunde während des Gottesdienstes auf ein hübsches Mädchen aufmerksam machten, das der Krieg mit seiner Familie zu Verwandten nach Prutting verschlagen hatte. So wurde Marianne Pöll zuerst Modell für die heilige Maria und 1956 Ehefrau des Künstlers.

Seltene Technik des Betonstucks

Das erste Kriegerdenkmal in Rosenheim nach dem Zweiten Weltkrieg sollte in der seltenen Technik des Betonstucks entstehen, ergänzt mit einer Treppenanlage und zwei Kreuzen aus Nagelfluh. Über einem Stahlskelett, das für den gelernten Metallbauer kein Problem darstellte, und einem Haftgrund aus Hasendraht modellierte Kink die Figurengruppe. Damit der Beton besser modellierbar und haltbarer wurde, fügte der Bildhauer der Betonmasse Kälberhaare hinzu. Diesen alten Handwerkstrick hatte er von seinem Fachlehrer an der Münchner Kunstakademie; die Haare besorgte er sich bei einer Gerberei in Feldkirchen-Westerham.

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Pfarrer Franz Manhart, seit 1934 Seelsorger der Pfarrei Fürstätt und Unterstützer des Projektes, wählte einen Spruch von Michael Kardinal von Faulhaber für die breit gelagerte Basis der Figurengruppe, die tief in die Fassade eingesenkt ist: „Die Toten schweigen – die Toten reden“.

Kranzabwurf aus Flugzeug

Im Sommer 1953 begann Hermann Kink mit den Arbeiten und am Sonntag, den 11. Oktober 1953, fand die feierliche Weihe mit einem Feldgottesdienst statt. Als besondere Showeinlage warf ein Pilot aus einem kleinen Flugzeug, das in Flintsbach gestartet war, einen Kranz für die Toten der deutschen Luftwaffe, die in Nordafrika gekämpft hatten, ab. Die „Kreiskameradschaft Rosenheim ehemaliger Afrika-Kämpfer“, der „Reichsbund der Kriegs- und Zivilbeschädigten“ sowie Abordnungen österreichischer Afrika-Kämpfer legten ebenfalls Kränze nieder. Für Jahrzehnte wurde das Kriegerdenkmal an der Fürstätter Kirche Erinnerungsort für die ehemaligen Afrika-Kämpfer.

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Als das Denkmal fertig war, erzählt Hermann Kink, sagte Pfarrer Manhart: „Oh, das ist aber modern. Das gefällt mir gar nicht.“ Da die Meinung des Pfarrers ausschlaggebend war, lehnten es auch die Fürstätter Bauern ab. Doch das sollte sich schnell ändern, als Pfarrer Manhart im Jahr nach der Einweihung überraschend starb. Sein Nachfolger, Pfarrer Otto Stauß, hielt in der Fastenzeit eine Predigt, in der er das Kriegerdenkmal und seine Pietà thematisierte.

Ausdruck zeitgenössischer Kunst

Stauß lobte das Kunstwerk, erklärte es, brachte es den Gläubigen als Ausdruck zeitgenössischer Kunst nahe – und plötzlich gefiel es allen Fürstättern. Seit der Weihe 1953 versammeln sich alljährlich zum Jahrtag im Oktober die Mitglieder der „Soldaten- und Reservistenkameradschaft Fürstätt“, wie der Verein nun heißt, gedenken der Toten und mahnen zum Frieden.

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