Corona-Mutation auf dem Vormarsch

Covid-19-Lagebericht für Stadt und Landkreis Rosenheim vom 19. März

Der vorliegende Lagebericht soll die aktuelle Situation in Stadt und Landkreis Rosenheim zu Erkrankungen mit dem neuartigen Coronavirus (COVID-19) widerspiegeln.

Stadt und Landkreis Rosenheim - Die Daten beruhen auf den Meldedaten nach dem Infektionsschutzgesetz bis zum 18. März 24 Uhr. Aufgrund von Aktualisierungen kann es zu Veränderungen kommen. 

Aktuelle Lage

Das Staatliche Gesundheitsamt Rosenheim weist darauf hin, dass seit Mitte Februar ein anhaltender und ungebremster Anstieg des Infektionsgeschehens in der Region besteht. In der Stadt Rosenheim wurde der niedrigste Wert der 7-Tage-Inzidenz am 18. Februar mit 36,2 erreicht und liegt aktuell bei 207,7. Im Landkreis Rosenheim stieg dieser Wert von 42,5 am 13. Februar auf 106,8 am 18. März.

Seit dem letzten Wochenbericht wurden dem Gesundheitsamt Rosenheim täglich zwischen 11 und 87 neue Fälle gemeldet, dies bedeutet wiederum eine Zunahme im Vergleich zum letzten Wochenbericht. 

Besorgniserregende Varianten

Zunehmend gewinnen die besorgniserregenden Varianten des Coronavirus auch in der Region an Bedeutung: Nachdem nunmehr viele Labors das Testverfahren einer variantenspezifischen PCR-Untersuchung (vPCR) etabliert haben, werden dem Gesundheitsamt zunehmend bestätigte Fälle der britischen Variante (B1.1.7.) gemeldet. Bislang wurden dem Gesundheitsamt 738 Fälle einer bestätigten besorgniserregenden Variante gemeldet. Seit dem letzten Wochenbericht wurden 256 Fälle der britischen Variante von zuvor positiv in der PCR getesteten Personen gemeldet. Bislang ist in der Rosenheimer Region weiterhin lediglich ein bestätigter Fall der Südafrika-Variante aufgetreten, über den bereits berichtet wurde. Die brasilianische Mutation wurde nicht nachgewiesen. 

Für Verdachtsfälle sowie bestätigte Fälle einer besorgniserregenden Variante gelten strengere Infektionsschutzmaßnahmen: Neben einer 14-tägigen häuslichen Quarantäne, die nicht verkürzt werden kann, ist für die Beendigung der Quarantäne zusätzlich ein negatives Testergebnis erforderlich. Diese Maßnahmen gelten auch für die engen Kontaktpersonen der Kategorie I.

Auf der Internetseite des Robert-Koch-Instituts sind die Gebiete mit einem erhöhten Auftreten der Virusvarianten ausgewiesen:

https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Risikogebiete_neu.html 

Infektionsschutzmaßnahmen

Trotz steigender Fallzahlen kann das Gesundheitsamt weiterhin die positiv Gemeldeten tagesaktuell telefonisch und schriftlich über ihre Infektion informieren und die erforderlichen Infektionsschutzmaßnahmen anordnen. Auch die engen Kontaktpersonen können zeitnah kontaktiert und ebenfalls eine häusliche Quarantäne angeordnet werden.

„Der bereits in der Vorwoche feststellbare Anstieg der Fallzahlen hat sich in der vergangenen Woche erneut sprunghaft erhöht. Insbesondere die dramatische Überschreitung des Wertes der 7-Tage-Inzidenz in der Stadt Rosenheim von 200 neu Infizierten auf 100.000 Einwohner innerhalb von 7 Tagen gibt Anlass zu höchster Sorge und findet Ausdruck in der ab Mittwoch den 17. März gültigen geänderten Allgemeinverfügung mit weitergehenden Verschärfungen der Corona-Regelungen. Auch der Landkreis Rosenheim hat seit gestern die kritische Marke von 100 in der 7-Tage-Inzidenz überschritten.

Der Anteil der besorgniserregenden Varianten an allen positiven PCR-Ergebnissen ist seit dem letzten Wochenbericht ebenfalls gestiegen und lag in der letzten Woche bei über 60 Prozent. Die britische Variante löst damit das ursprüngliche Virus immer stärker ab, was eine rapide steigende Anzahl von Neuinfektionen zur Folge hat. Die besorgniserregenden Varianten können den Verlauf der Pandemie verschlimmern, zu einer schnelleren Verbreitung der Infektionen, zu schwereren Verläufen, zu erhöhter Sterblichkeit und zu einer Überlastung der Intensivstationen führen. Unklar ist momentan die Datenlage, ob von einzelnen Varianten auch eine schlechtere Schutzwirkung der Impfung resultieren kann. Es ist augenscheinlich, dass sich die Region Rosenheim inmitten der 3. Welle befindet. Die Infektionen breiten sich explosionsartig aus und die Fallzahlen gehen durch die Decke.

Die Diskussion über weitere Lockerungen in den Medien kommt zur Unzeit. Auch wenn der überwiegende Teil der 1. Prioritätsgruppe der Coronavirus-Impfverordnung – insbesondere die Bewohner von Heimen – bereits geimpft sind, so gibt es weiterhin eine sehr große Zahl vulnerabler Personen aufgrund Alters oder schwerer chronischer Grunderkrankungen. Allein in der Altersgruppe zwischen 70 und 80 Jahren leben in Stadt und Landkreis etwa 31.000 Menschen. Die dominierende britische Variante bewirkt nicht nur eine schnellere Infektionsübertragung, sondern sie ist von der Schwere der Erkrankungen auch gefährlicher. In einer aktuellen Studie hat sich nun bestätigt, dass das Sterblichkeitsrisiko bei Patienten, die mit B.1.1.7 infiziert sind, im Mittel um 64 Prozent höher ist. 

Es ist nachvollziehbar, dass nach einem Jahr Pandemie eine körperliche und auch seelische Belastungsgrenze in der Bevölkerung erreicht ist. Die Einschränkung sozialer Kontakte, häufige Anpassungen im Bereich Schule und Kita, Homeoffice und das Fehlen vieler lieb gewonnener und notwendiger Routinen im täglichen Leben tun ihr Übriges.

Die Belastungen fordern uns allen eine seit Jahrzehnten in dieser Form so noch nicht dagewesene und bis dato nicht vorstellbare psychische und physische Zähigkeit ab. Aus infektiologischer Sicht aber darf an weitere substanzielle Lockerungen, die unweigerlich eine sprunghafte Zunahme von Infektionen mit sich bringen, erst gedacht werden, wenn die vulnerablen Gruppen in der Bevölkerung weitgehend durch eine zweimalige Impfung geschützt sind. Andernfalls riskieren wir viele schwere und auch tödliche Krankheitsverläufe. Das ist für mich ethisch nicht zu vertreten.

Bedeutsam hierbei ist die Tatsache, dass fast die Hälfte aller Neuinfektionen im privaten Umfeld Familie und Freundeskreis stattfinden. Jeder Einzelne ist gefordert, vernünftig, diszipliniert und vor allem liebevoll mit sich und seinen Mitmenschen umzugehen. Das ist für mich gelebte Solidarität. Nur gemeinsam können wir Bürgerinnen und Bürger aus Stadt und Landkreis Rosenheim die aktuelle Krise bewältigen und wir werden sie bewältigen und zwar gemeinsam.

Ich appelliere an die Verantwortung jeder Bürgerin und jedes Bürgers, die bekannten AHA-L-Regeln einzuhalten, sich impfen zu lassen und auf Reisen derzeit zu verzichten. Wir haben die Waffen, den unsichtbaren Feind zu bekämpfen und zu besiegen, aber nur ein konsequentes, rücksichtsvolles und mitmenschliches Agieren wird uns alle aus dieser dunklen Zeit herausführen“, bewertet Dr. Wolfgang Hierl, Leiter des Staatlichen Gesundheitsamtes Rosenheim, die Lage.

Infektionsquellen

Infektionsübertragungen ereignen sich weiterhin überwiegend im privaten Umfeld, das ca. 46 Prozent der bekannten Infektionsursachen ausmacht. Etwa 9 Prozent fallen auf den Arbeitsplatz. Vereinzelt (ca. 3 Prozent) kommt es zu Infektionserkrankungen in Einrichtungen wie Kliniken, Pflege- und Behindertenheimen. Als Lichtblick sieht das Gesundheitsamt, dass kaum mehr Infektionen bei Bewohnern von Heimen auftreten. „Dies ist ein großer Erfolg der Impfungen in den Einrichtungen“, so Hierl. Es ereignen sich auch wieder einzelne Fälle und Ausbrüche in Schulen und Kitas (ca. 6 Prozent). 

Impfungen

Insgesamt sind etwa 39.300 Impfungen seit Impfstart vor allem in Alten- und Pflegeheimen, Krankenhäusern sowie dem gemeinsamen Impfzentrum von Stadt und Landkreis Rosenheim auf der Loretowiese erfolgt. 25.579 davon waren Erstimpfungen, 13.681 Zweitimpfungen. Insgesamt 8.454 dieser Impfungen wurden in stationären Einrichtungen sowie betreuten Wohnformen in Stadt und Landkreis Rosenheim verabreicht. 

Es wird darauf hingewiesen, dass für die Impfung gegen COVID-19 eine Registrierung unter https://impfzentren.bayern zu erfolgen hat. Es darf sich bereits jeder impfwillige Bürger registrieren, unabhängig von der Priorisierung nach der Coronavirus-Impfverordnung und der jeweiligen Mobilität. Besteht ausnahmsweise keine Möglichkeit zur Internetnutzung, ist auch eine telefonische Registrierung bei der Impfhotline unter der Rufnummer 08031/ 365 8899 möglich. Die bayerische Software errechnet automatisch nach bestimmten Algorithmen die Priorisierung gemäß der jeweils geltenden Coronavirus-Impfverordnung anhand der erfolgten Angaben des Bürgers.

Das Impfzentrum oder das Gesundheitsamt können hierauf keinen Einfluss nehmen. Bitte sehen Sie daher von Anfragen zur Höherpriorisierung oder vorgezogenen Impfungen an das Impfzentrum oder das Gesundheitsamt ab. Neben dem jeweiligen Alter werden von der Software auch berufliche und medizinische sowie Einrichtungsindikationen entsprechend berücksichtigt. Der Zeitpunkt der Registrierung bzw. die Wartezeit hat keinen Einfluss auf die Priorisierung. Seit dem 12. März können bereits registrierte Personen einsehen, welcher Priorität diese von der Software zugeordnet worden sind. Hierfür muss man sich mit dem bei der Registrierung vergebenen Passwort im Account unter https://impfzentren.bayern einloggen. Anschließend können auch die eingegebenen Daten überprüft und ggf. aktualisiert werden. 


Die Impfberechtigung muss am Impftag zwingend im Impfzentrum ausreichend belegt werden (z. B. mittels eines gültigen Ausweisdokuments oder einer Arbeitgeberbescheinigung). Ein Formblatt für eine Arbeitgeberbescheinigung und eine Bestätigung für enge Kontaktpersonen von schwangeren und nicht in einer Einrichtung befindlichen pflegebedürftigen Person kann auf der Homepage des Landkreises Rosenheim heruntergeladen werden. Eine Vorab-Übersendung von ärztlichen Attesten ist weder notwendig noch gewünscht. Die jeweils vorhandenen Erkrankungen sind in der Registrierungssoftware von jedem Bürger entsprechend auszuwählen und das ärztliche Attest muss anschließend am Tag der Erstimpfung im Impfzentrum vorgelegt werden.

Um Warteschlangen vor dem Impfzentrum zu vermeiden, werden die Bürgerinnen und Bürger mit Termin gebeten, pünktlich zu erscheinen.

Seit dem 1. März können Personen mit seltenen Erkrankungen, die in der jetzigen Impfverordnung wegen ihres relativ seltenen Vorkommens und damit verbundener ungesicherter Evidenz noch nicht berücksichtigt wurden, Anträge bei der neu eingerichteten Bayerischen Impfkommission (www.impfkommission.bayern) einreichen. Diese prüft, ob der Antragsteller mit hoher oder erhöhter Priorität Anspruch auf eine Schutzimpfung gegen COVID-19 hat. Eine Einordnung in die höchste Priorisierungsgruppe ist jedoch nicht möglich.


Fallzahlenentwicklung

Seit dem letzten Wochenbericht mit Stand 11. März 24 Uhr wurden dem Gesundheitsamt 411 neue Fälle (am 11. März: 297) für Stadt und Landkreis Rosenheim gemeldet. Bisher sind insgesamt 14.446 Fälle von COVID-19 in Stadt und Landkreis Rosenheim aufgetreten (Landkreis: 11.307, Stadt: 3.139). Mittlerweile wurde bei mindestens 12.914 Personen eine Genesung dokumentiert. 478 Personen (am 11. März: 477) sind bis zu diesem Zeitpunkt an der Erkrankung gestorben (Landkreis: 425, Stadt: 53). Von den Verstorbenen waren 16 (am 11. März: 15) Personen unter 60 Jahren. 328 (am 11. März: 328) Verstorbene waren über oder gleich 80 Jahre alt. Dem Gesundheitsamt wurde eine Person gemeldet, die seit dem letzten Wochenbericht verstorben ist. Die Person war unter 60 Jahre, sie war nicht in einem Heim untergebracht.

Entwicklung der 7-Tage-Inzidenz für Stadt und Landkreis Rosenheim

Bislang wurden dem Gesundheitsamt 738 Fälle (Landkreis 557, Stadt 181) (am 11. März: 482) einer bestätigten besorgniserregenden Variante gemeldet. In einem Fall handelt es sich um die südafrikanische Variante (B1.351), über den bereits berichtet wurde, in allen anderen Fällen um die britische (B.1.1.7). Hiervon wurden dem Gesundheitsamt seit dem letzten Wochenbericht mit Stand 11. März 24 Uhr 256 Fälle gemeldet. Alle Fälle sind bei der Gesamtfallzahl von COVID-19-Fällen enthalten.

Entwicklung der gemeldeten COVID-19-Fälle für Stadt und Landkreis Rosenheim

100 (am 11. März: 103) COVID-19-Patienten werden aktuell in Stadt und Landkreis Rosenheim stationär behandelt. Hiervon befinden sich 16 Patienten (am 11. März: 17) auf einer Intensivstation

Alterstruktur der Fälle für Stadt und Landkreis Rosenheim

Die 7-Tage-Inzidenz (Fälle pro 100.000 Einwohner während der letzten 7 Tage) liegt mit Stand 19. März (0:00 Uhr) für die Stadt Rosenheim bei 207,71 (am 11. März: 138,47), für den Landkreis Rosenheim bei 106,76 (am 11. März: 79,98).

Alterstruktur der Todesfälle für Stadt und Landkreis Rosenheim

Übersicht über Fälle in Gemeinschaftseinrichtungen (Stand 18. März)

JanuarFebruarMärzGesamt
Schulen184554
Kindergärten/Kitas23323590
Horte0112
Gesamt244168146
Davon VOC*1254066

*VOC = besorgniserregende Virusvarianten

Übersicht über Infektionsumfeld für den Zeitraum 12. bis 18 März bei neu gemeldeten Fällen (Stand 18. März 24 Uhr):

InfektionsumfeldProzent
Arbeitsplatz9,4
Kita, Schule, Bildungs- und Betreuungseinrichtungen5,6
Privater Haushalt45,8
Freizeit0,3
Medizinische Einrichtungen3,1
Sonstiges4,7
Nicht ermittelbar/Quelle unbekannt31,1
Gesamt100

Verteilung der Gesamtzahl der Fälle und der Genesenen auf die Gemeinde:

Bei der berichteten Verteilung der Fälle auf die Gemeinden kann es durch festgestellte Ausbrüche z.B. in Pflegeeinrichtung zu einer deutlich höheren Fallzahl kommen als in umliegenden Gemeinden. Im Rahmen von Reihenuntersuchungen werden hier Fälle entdeckt, die in anderen Gebieten nicht entdeckt wurden, sodass die Fallzahlen kein Abbild der Erkrankungen in der Bevölkerung darstellen. Hierbei werden auch Personen positiv getestet, die einen Verlauf ohne Symptome zeigen. Zusätzlich kann das Testverhalten zu regionalen Unterschieden führen. Deshalb kann man im Moment keine Rückschlüsse auf eine höhere oder niedrigere Gefahr in den unterschiedlichen Gemeinden ziehen. Aufgrund von Aktualisierungen kann es zu Veränderungen kommen.

GemeindeFälleDifferenz der Fälle zur VorwocheAktive Fälle
Albaching86+04
Amerang123+23
Aschau244+1822
Babensham116+14
Bad Aibling949+3095
Bad Endorf355+1221
Bad Feilnbach456+920
Bernau am Chiemsee275+519
Brannenburg311+1144
Breitbrunn am Chiemsee64+04
Bruckmühl646+2377
Chiemsee2+00
Edling211+410
Eggstätt150+11
Eiselfing126+910
Feldkirchen-Westerham375+215
Flintsbach am Inn164+921
Frasdorf92+49
Griesstätt112+06
Großkarolinenfeld266+320
Gstadt am Chiemsee78+11
Halfing119+25
Höslwang66+00
Kiefersfelden408+38
Kolbermoor837+2167
Neubeuern110+18
Nußdorf am Inn149+59
Oberaudorf267+213
Pfaffing158+17
Prien am Chiemsee372+1121
Prutting108+35
Ramerberg42+01
Raubling463+1837
Riedering297+324
Rimsting93+68
Rohrdorf am Inn258+311
Rosenheim3139+131276
Rott am inn138+411
Samerberg145+16
Schechen278+612
Schonstett40+00
Söchtenau144+22
Soyen162+25
Stephanskirchen361+1433
Tuntenhausen279+824
Vogtareuth105+921
Wasserburg am Inn637+619

Weitere Berichte zur Situation in Bayern und Deutschland finden Sie auf den Seiten des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit und des Robert Koch-Instituts:

https://www.lgl.bayern.de/gesundheit/infektionsschutz/infektionskrankheiten_a_z/coronavirus/karte_coronavirus/index.htm

https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Fallzahlen.html

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