Jedes Kind soll Hauptschulabschluss schaffen

Rosenheim - Der Landkreis Rosenheim will das Projekt „Ganztagsorientierungsklasse“ an drei weiteren Haupt- und Mittelschulen im Landkreis etablieren.

Nach dem großartigen Erfolg an der Hauptschule in Wasserburg, beauftragte der Jugendhilfeausschuss das Kreisjugendamt, ein Konzept für die Förderung von insgesamt vier Klassen dieser Art im Landkreis zu erstellen.

Die Hauptschule Wasserburg, das Staatliche Schulamt Rosenheim, die Fischer Netzwerke für Schule und Beruf GmbH und das Kreisjugendamt initiierten das Projekt „Ganztagsorientierungsklasse“ gemeinsam im Herbst 2009. Jetzt, zwei Jahre später, sprach die für die Jugendsozialarbeit an der Schule zuständige Sozialpädagogin Claudia Fischer im Ausschuss von schönen, messbaren Erfolgen. Durch eine Ganztagesbeschulung, eine individuelle Hilfe durch eine Förderlehrerin sowie durch intensive Elternarbeit gelang es, die Schülerinnen und Schüler nach einem bzw. zwei Jahren in ihre Regelklassen zurückkehren zu lassen.

In der sechsten und siebten Klasse lasse sich prognostizieren, ob es bei einem Kind etwas mit dem Hauptschulabschluss werden könne, sagte die Sozialpädagogin Fischer. Haben die Kinder enorme Leistungsdefizite, ein Verweigerungsverhalten oder Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen bzw. einen erhöhten Betreuungsbedarf bei der Persönlichkeitsentwicklung, dann kann die „Ganztagsorientierungsklasse“ eine Lösung sein. Mit dem Projekt will die Schule erreichen, dass kein Kind die Hauptschule ohne Abschluss verlässt.

Nur acht Kinder maximal, die aus verschiedenen Jahrgängen kommen können, werden in die Klasse aufgenommen. Jedes Kind erhält abhängig von den persönlichen Stärken und Schwächen einen individuellen Stundenplan, der auch eine stundenweise Teilnahme am Regelunterricht beinhaltet. Die Betreuung der Schülerinnen und Schüler umfasst aber auch ein Sozialtraining. Manche Kinder wüssten nicht, wie man mit Messer und Gabel isst, sagte der Lehrer der „Ganztagsorientierungsklasse“ Markus Kinzelmann.

Schulleiter Franz Stein sieht in dem Projekt einen Vorteil für die ganze Schule. Da diese Kinder und Jugendlichen das Potential besaßen, ganze Klassen durcheinanderzubringen und Lehrkräfte erheblich zu belasten, kehrte durch das Projekt wieder mehr Ruhe an der Schule ein. Dabei werden die Kinder, trotz des erheblichen Förderbedarfs, nicht ausgegrenzt und in eine Spezialklasse „abgeschoben“. Stattdessen hat die Ganztagsorientierungsklasse vom ersten Tag an die Integration in die Regelklasse und den Regelbetrieb der Schule als oberste Zielsetzung.

Landrat Josef Neiderhell meinte im Jugendhilfeausschuss, wenn es so gut laufe, dann sollte man dieses Erfolgsmodell an insgesamt vier Standorten einrichten. Dem stimmten die 

Ausschussmitglieder einstimmig zu. An dem vom Kreisjugendamt zu erstellenden Konzept sollen der Kreisverband des Bayerischen Gemeindetages, das Staatliche Schulamt Rosenheim und die Träger der Jugendsozialarbeit mitwirken. Um das Projekt an einer Haupt- oder Mittelschule einführen zu können, braucht es das Engagement der Schule. Der Landkreis ist bereit, die notwendige sozialpädagogische Begleitung der „Ganztagsorientierungsklasse“ zu bezuschussen.

Pressemitteilung Landratsamt Rosenheim 

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