Jetzt ist den Empfängern das Lachen vergangen

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Mit Schwarz-Weiß-TV - dieses Modell ist von 1957 - drohte ein Betrüger mit Sinn für Humor.

Bad Feilnbach/Cottbus - Darüber lachte vor einem Jahr die gesamte Region, denn eines muss man einem Betrüger aus Cottbus lassen: Er hatte Sinn für Humor.

Beim Eintreiben von "GEZ-Gebühren" drohte er den Empfängern in gefälschten Mahnbriefen mit dem Rückfall in die TV-Steinzeit: "Es könnte sein, dass Sie bald nur noch schwarz-weiß fernsehen." Die täuschend echt aussehenden Schreiben waren auch im Raum Rosenheim in zahlreichen Briefkästen gelandet.

Hereingefallen ist in der Region darauf niemand. Einigen Empfängern in Bad Feilnbach ist das Lachen jetzt trotzdem vergangen. Der 21-jährige Betrüger steht nämlich in Cottbus vor Gericht, und die Feilnbacher müssen geschlossen zum Prozess anreisen - 1300 Kilometer hin und zurück. Ein Riesen-Aufwand und eine leichtfertige Verschwendung von Steuergeldern, meinen sie, die in keinem Verhältnis zum geringen Schaden stehe.

Schließlich geht es in dem Verfahren nur um 350 Euro. 115 Euro hatte der 21-Jährige im Februar 2010 per "letzter Mahnung vor Inkasso" eingefordert - und mehr als drei Opfer fielen nicht auf den Trick mit dem Schwarz-Weiß-Gerät herein.

"Wir fünf sind für den Mittwoch geladen", sagte Christian Botz gestern zähneknirschend zu unserer Zeitung. Mit "Wir fünf" meint er fünf Empfänger des Schreibens in Au (Gemeinde Bad Feilnbach). Vier von ihnen setzten sich in der Nacht auf heute um 1 Uhr ins Auto, um zusammen an die Lausitz zu fahren, einer nahm den Zug. "Mit der Bahn wäre es bequemer gewesen, aber dann hätte ich mir sogar zwei Tage frei nehmen müssen", so Botz weiter. Auch andere Zeugen hatten sich von ihrem Arbeitgeber für die Prozess-Farce extra freistellen lassen müssen.

Barbara Elbel (50) hat es schon hinter sich. Die Bad Feilnbacherin saß in Cottbus schon am Montag auf dem Zeugenstuhl. "Für eine gute Minute war ich im Gerichtssaal - und dafür bin ich 1280 Kilometer gefahren. Unfassbar", ärgert sich die Verwaltungsfachangestellte.

Brandenburg statt Brannenburg

Wie den Bad Feilnbachern geht es noch über 200 weiteren Zeugen aus dem ganzen Bundesgebiet. Sie alle müssen für ein "Ja, ich habe das Schreiben bekommen" aussagen. Hätte man ihnen die Strapazen und dem Staat zehntausende Euro von Kosten nicht ersparen können, indem man sie am nächsten Amtsgericht ihres Wohnortes aussagen lässt?

Christian Botz hat sich beim Rosenheimer Amtsgericht erkundigt. Prinzipiell ja, habe es geheißen, aber die Richterin in Cottbus sei hart geblieben, weil der Angeklagte, der noch unter das Jugendstrafrecht fällt, zu allen Vorwürfen schweigt. So müssen die fünf Feilnbacher heute in Brandenburg aussagen. Brannenburg wäre ihnen sicher lieber gewesen...

ls/Oberbayerisches Volksblatt

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