„Keine Wirtschaft ohne Werte“

Stephanskirchen - Dieter Glas ist der alte und neue Vorsitzende des Gewerbeverbands Stephanskirchen.

Wirtschaftliche Freiheit und unternehmerische Verantwortung müssen wieder in Einklang gebracht werden, forderte der alte und neue Vorsitzende des Gewerbeverbandes Stephanskirchen, Dieter Glas, bei der Jahresversammlung. Eine Wirtschaft ohne Werte sei nicht zukunftsfähig, das beweise die aktuelle Schuldenlage als Folge der Finanzmarktspekulationen.

"Die Prinzipien des ehrbaren Kaufmanns, die wir Selbstständigen aus dem Mittelstand von jeher leben, müssen wieder in den Mittelpunkt des Handelns aller gestellt werden", forderte Glas beim Antretter. Einzelne Wirtschaftsakteure beschädigen zu seinem Bedauern das gesamte Unternehmerbild, weil sie grundlegende Regeln nicht einhalten. Diese Ansicht teilte auch Christian Klotz, Geschäftsführer des Bezirksverbandes Oberbayern-Ost beim Bund der Selbstständigen (BDS). Er erinnerte daran, dass der Mittelstand traditionell mit dem Wissen um die Haftung für sein geschäftliches Tun handle und nicht wie die internationale Bankenwelt auf staatliche Rettung vertrauen könne.

Der Gast aus München leitete auch die Neuwahl des Vorstandes. Die Versammelten ernannten Dieter Glas erneut zum Vorsitzenden. Sein Stellvertreter bleibt Oliver Siebert, Kassierer ist weiterhin Karl Mair sen. Zur neuen Schriftführerin wählte die Versammlung Karin Schmid. "Wir werden wahrgenommen"

Glas nannte als ersten Teilerfolg der Arbeit des Vorstandes, dass es gelungen sei, den Gewerbeverband als Schnittstelle zwischen Unternehmen und Gemeinde zu installieren. "Wir werden im Rathaus nicht nur wahr-, sondern auch ernst genommen", freute sich Glas. Die Verwaltung setze auf enge Kontakte mit den Gewerbetreibenden und höre den Verband regelmäßig an. Bürgermeister Rainer Auer und die für die Gewerbepolitik zuständige Rathausmitarbeiterin Gabriele Krehahn berichteten über die geplante Strukturanalyse für Stephanskirchen, die auch Aufschluss über Entwicklungstendenzen beim Gewerbe geben soll. Sie informierten über die Umsetzung der Gewerbeumfrage des Rathauses, die aufgezeigt hatte, wo die Betriebe der Schuh drückt. Breiten Raum nahm auch die Beteiligung von Stephanskirchen an der "Breitbandinitiative Bayern" ein. Für den Ausbau der schnellen Datenautobahnen läuft in der Kommune derzeit das Ausschreibungsverfahren.

Die Rolle des Unterzentrums Stephanskirchen im Raum Rosenheim analysierte Thomas Bugl, Wirtschaftsreferent der Stadt. Er zeigte Stephanskirchens Stellung im Zusammenschluss der Stadtumlandgemeinden von Rosenheim (SUR) auf. Hier ist Stephanskirchen mit 9930 Einwohnern die fünftgrößte Kommune, mit der höchsten Steuereinnahmekraft pro Bürger und nach Schechen und Rohrdorf die Gemeinde mit dem geringsten Schuldenstand. Auffällig: In der Auflistung der freien Gewerbeflächen innerhalb der SUR taucht Stephanskirchen mit der Zahl "0" auf.

Bugl setzte sich grundsätzlich für eine Abkehr vom Kirchturmdenken ein. Die SUR-Gemeinden würden deshalb unter anderem bei Verkehrsfragen, Infrastrukturmaßnahmen und Tourismusprojekten eng zusammenarbeiten. Bugl appellierte dafür, den Gesamtraum rund um Rosenheim auch als Teil der Metropolregion München und grenzüberschreitend als Teil der Euregio zu betrachten, wenn es um wirtschaftpolitische Entwicklungstendenzen gehe. Stephanskirchen nehme hier eine starke Position als gewichtiger Gewerbestandort mit einem Mix aus vielen kleinen Betrieben, Freiberuflern, Handwerksunternehmen, aber auch international tätigen Branchenführern mit hoher Marktbedeutung ein, so Bugl. Dies schlägt sich auch in einem lebendigen Gewerbeverband wieder, der 74 Mitglieder zählt.

duc/OVB

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