Kinderarche: Zusammenarbeit beendet

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Stephanskirchen - Empörung und scharfe Kritik in Stephanskirchen: Die Gemeinde hat die Trägerschaft des Vereins "Kinderarche" beendet!

Mit scharfer Kritik haben Elternbeirat und Vorstand des Vereins "Kinderarche" auf die Mitteilung reagiert, dass die Gemeinde Stephanskirchen ihr Bemühen um einen neuen Vertrag mit dem Verein für die Trägerschaft der verlängerten Schulkinderbetreuung in Schloßberg einstellen wird.


"Wir sind tief enttäuscht", charakterisiert Maja Sandweg, Sprecherin des Elternbeirats der Kinderarche in Schloßberg, die Stimmung. "So wird Ehrenamt mit Füßen getreten", lautet ihr Fazit zur Tatsache, dass die Gemeinde die Verhandlungen mit dem Verein eingestellt hat. "Discounter Diakonie schluckt Tante Emma-Laden Kinderarche", bringt Maja Sandweg ihre Vermutung auf den Punkt, auch in Schloßberg werde wie in Stephanskirchen zum Schuljahr 2011/2012 die Trägerschaft an das Diakonische Werk übergeben. Die Gemeinde habe "nie wirklich eine weitere Zusammenarbeit mit der Arche vorgehabt", ist sie überzeugt.

Bürgermeister Rainer Auer weist diesen Vorwurf zurück. Es sei erklärtes Ziel der Verwaltung und des Gemeinderates gewesen, den erfahrenen und bewährten Verein in Schloßberg erneut zu beauftragen. Das Vertrauen, Basis für eine weitere Zusammenarbeit, sei in den vergangenen Wochen jedoch nachhaltig durch "Unterstellungen" gestört worden. "Es gab wiederholte Misstrauensäußerungen des Vereins auch in der Öffentlichkeit gegenüber dem Bestreben der Kommune, umfangreiche Verbesserungen bei der Kinderbetreuung durchzuführen".


Der Elternbeirat wirft dem Bürgermeister dagegen vor, sein Versprechen, sich intensiv für einen neuen Vertrag einzusetzen, nicht eingehalten zu haben. Seit der Kündigung des Vertrags Ende Juli 2010 habe es schließlich "keine inhaltlichen Verhandlungen" gegeben, so Maja Sandweg. Auf die Vorschläge des Vereins, zuletzt fixiert im Entwurf für eine Vereinbarung, seien Verwaltung und Gemeinderat nicht eingegangen. Nicht ein einziges Mal hätten sich alle Beteiligten an einen Tisch gesetzt, um Punkt für Punkt die Forderungen durchzugehen.

So sieht dies auch der Vorstand. Bereits das Eckpunktepapier, eingereicht Anfang Oktober, sei im Gemeinderat nicht beraten worden, obwohl es einen konkreten Antrag dargestellt habe. Einen Dienstleistungsvertrag wie mit der Diakonie in Stephanskirchen könne der Verein jedoch nicht akzeptieren. Gefehlt hätten schließlich konkrete Aussagen zu den Qualitätsstandards, zum pädagogischen Konzept, zum Personalschlüssel und der daraus resultierenden Finanzierung. Deshalb habe der Vorstand einen eigenen Vertragsentwurf eingereicht, der jedoch ebenfalls "inhaltlich nicht verhandelt wurde".

"Wir haben immer wieder die Inhalte einer weiteren Zusammenarbeit besprochen und uns immer inhaltlich gesprächsbereit gezeigt", entgegnet Auer. In einem dieser Treffen hätten sich Gemeinde und Vorstand des Vereins in Anwesenheit des Anwalts der "Kinderarche" sogar darauf geeinigt, dass für beide Einrichtungen in Schloßberg und Stephanskirchen die gleichen Rahmenverträge gelten sollten. Der Verein habe danach jedoch - anders als ausgemacht - eine eigene Vertragsvereinbarung eingereicht. Das bereits im Sommer eingebrachte Eckpunktepapier sei rechtlich gesehen nicht als Antrag im Gemeinderat zu behandeln gewesen, jedoch an die Fraktionen weitergeleitet worden.

Die nun geplante Übergabe an einen neuen Träger berge die Gefahr, dass dieser langfristig die hohe Qualität etwa bei der Hausaufgabenbetreuung nicht aufrecht erhalten könne, befürchtet der Elternbeirat. Auer wiederholt dagegen sein Versprechen, "dass ich persönlich dafür Sorge tragen werde, die hohe Qualität zu sichern und sogar noch zu verbessern".

Die Eskalation, die jetzt im Ende der Zusammenarbeit gipfelt, hat nach Meinung des Vereinsvorstandes die Gemeinde bereits mit der Kündigung des Vertrages im Sommer ausgelöst. Dieser Schritt wurde zum Befremden des Vereins für beide Einrichtungen in Stephanskirchen und Schloßberg vollzogen. Es wäre jedoch auch eine Änderungskündigung ausschließlich für den Standort Stephanskirchen möglich gewesen. Dies bestätigt auch Auer. Er weist jedoch darauf hin, dass in Schloßberg mit dem Neubau einer Betreuungseinrichtung für die Schulkinder eine völlig neue Situation entstehe, die auch einen neuen Vertrag erfordere.

"Ein Verein, der 13 Jahre lang zur vollen Zufriedenheit der Eltern gearbeitet hat, ist diffamiert und dadurch zugrunde gerichtet worden", bedauert Bärbel Marx, der ebenso wie Maja Sandweg die "Machtlosigkeit" des Trägervereins gegenüber der Entscheidung der Gemeinde zu schaffen macht. Der Bürgermeister ist jedoch der Meinung, der Verein habe in den vergangenen Monaten seine Hauptaufgabe, die Organisation der Kinderbetreuung, aus den Augen verloren und "sich vom Wunsch, Politik zu betreiben", leiten lassen.

duc/Oberbayerisches Volksblatt

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