Kommunalwahl im Landkreis Rosenheim

Der Landkreis hat gewählt: Das sagen die Kandidaten zum Ausgang der Wahl

Kommunalwahl Bayern 2020: Ergebnisse und Stimmen im Landkreis Rosenheim 
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Briefwahl in Bad Aibling. Am Wahltag konnte man noch bis 15 Uhr Briefwahl beantragen und vor dem Rathaus in die Briefwahlurne schmeißen.

Landkreis Rosenheim - Am Sonntag, den 15. März war es soweit. Der Landkreis hat gewählt. Was sagen die frisch gebackenen Bürgermeister und der neue Landrat? Wie reagieren die nicht Gewählten? Wir haben die Stimmen für Sie:

+++ Hier geht es zur Liste der Gemeinden, den Bürgermeisterkandidaten und den Ergebnisartikeln der einzelnen Orte. +++

Die Bürger haben gewählt. Am 15. März gaben sie ihre Stimmen für ihre neuen Bürgermeister-, Gemeiderats- und Landratskandidaten ab. In 43 Gemeinden wurden Bürgermeisterinnen oder Bürgermeister neu- bzw. wiedergewählt. Es gab einige Überraschungen. 

Sensation in Rosenheim

Nach Jahrzehnten absoluter CSU-Mehrheit im Rosenheimer Rathaus wird es zum ersten Mal in der Geschichte der Stadt eine Stichwahl geben. Andreas März (CSU) tritt gegen Franz Opperer (Grüne) an.

"Hoch zufrieden mit dem Ergebnis"

März zeigt sich sehr zufrieden mit seinem Wahlergebnis von 45,6 Prozent: "Wir haben tatsächlich damit gerechnet, dass wir in die Stichwahl müssen. Die Wahrscheinlichkeit für eine Stichwahl war höher als dass es keine Stichwahl geben wird. Die Umstände sind einfach andere mit sieben Kandidaten und in den schwierigen Zeiten gerade", sagt März. "Wir sind dennoch hoch zufrieden mit dem Ergebnis." März will jetzt in den nächsten zwei Wochen seine Wähler und auch die, die ihn noch nicht gewählt haben, überzeugen.

"Eine bittere Pille sehe ich"

Opperer, der 22,5 Prozent der Stimmen bekam, zeigt sich ebenfalls erfreut über das Ergebnis: "Ich freue mich, dass ich es zur Stichwahl geschafft habe. Wir werden jetzt verstärkt auf unsere Themen setzen und versuchen, möglichst viele Unterstützer der anderen Parteien zu bekommen. Ich freue mich auch, dass die Wahlbeteiligung um gut 10 Prozent gestiegen ist. Eine bittere Pille sehe ich beim Wahlergebnis der AfD, die 4,9 Prozent bekommen hat. Das ist bitter." Man wolle sich nun in den kommenden zwei Wochen nochmal auf den Wahlkampf fokussieren und diesen coronatauglich gestalten.

Robert Metzger (SPD) sagt zum Ergebnis: „Ich werde in keine depressive Stimmung verfallen. Auch weil ich immer noch einen Auftrag zu erfüllen habe, für die Menschen, die mich gewählt haben.“

Ricarda Krüger (Bündnis für Rosenheim): „Ich bin mit dem Ergebnis zufrieden, auch weil wir mehr Stimmen als die FDP bekommen haben. Ich hätte gedacht, dass Franz Opperer mehr Stimmen bekommt und auch über das Ergebnis der SPD bin ich enttäuscht. Meine Prognose für die Stichwahl: Opperer gewinnt.“ 

Christine Degenhart (Freie Wähler/UP Rosenheim): „Ich bin enttäuscht und hätte mehr erwartet. Aber mit Platz drei bin ich mich immerhin auf dem Stockerl.“ 

Andreas Kohlberger (AfD): „Es war abzusehen, dass es zu einer Stichwahl zwischen der CSU und den Grünen kommt. Jetzt müssen wir uns als Partei entscheiden, zu wem wir halten. Meine Tendenz geht zu Andreas März. Letztendlich können wir mit dem Ergebnis zufrieden sein. Wir sind frohen Mutes und machen das Beste draus.“

Lars Blumenhofer (FDP): "Ich möchte zunächst meinen Wählerinnen und Wählern sehr herzlich für das gezeigte Vertrauen danken. Selbstverständlich hätte ich mich gefreut, in die Stichwahl zur Oberbürgermeister-Wahl zu kommen. Davon ist das Ergebnis leider weit entfernt und es ist kein gutes Ergebnis. Insofern bin ich natürlich enttäuscht. Ich gratuliere Herrn März und Herrn Opperer, dass sie es in die Stichwahl geschafft haben. Nun hoffe ich, dass die FDP ein besseres Ergebnis bei der Stadtratswahl erzielt und ich mich persönlich die nächsten 6 Jahre für die Belange der Bürgerinnen und Bürger in Rosenheim als Stadtrat einsetzen kann."

Stichwahl um den neuen Landratsposten:

Neun Kandidatinnen und Kandidaten bewarben sich um die Nachfolge von Landrat Wolfgang Berthaler. Nach der Auszählung steht fest: Es wird eine Stichwahl geben zwischen Otto Lederer (CSU) und Ulla Zeitlmann (Grüne).

CSU-Landratskandidat Otto Lederer, der 41,1 Prozent der Stimmen bekam zeigte sich am Abend mit einem Ergebnis von über 40 Prozent zufrieden – und hofft nun, in den nächsten beiden Wochen weitere Wähler überzeugen zu können.

Grünen-Kandidatin Ulla Zeitlmann zeigte sich erfreut, zweistärkste Kraft geworden zu sein. Sie will in den kommenden beiden Wochen bis zur Stichwahl weiter mit den Themen Arten- und Klimaschutz punkten. Die Kandidatin erhielt 16 Prozent der Wählerstimmen.

Rainer Auer (Parteifreie/ÜWG): „Mein Ziel war es klar, die Stichwahl zu erreichen. Das habe ich knapp verfehlt. Meine fehlenden Stimmen gingen wohl an die Freien Wähler. Ob es eine Empfehlung für die Stichwahl gibt, werden wir die Tage besprechen.“

Sepp Hofer (Freie Wähler): „Es war zu erwarten, dass sich FW und ÜWG gegenseitig Stimmen nehmen werden. Das wiederum kommt den Grünen zugute. Eine Empfehlung für die Stichwahl wird es mit Blick auf die gemeinsame Arbeit im Kreistag nicht geben.“

Alexandra Burgmaier (SPD): „Es hatte sich abgezeichnet, dass viel von der politischen Großwetterlage abhängt. Und da ist für die SPD in Bayern im Moment eben nichts zu holen.“

Michaela Eglseer (AfD): „Dass es nicht für mehr gereicht hat, hat mehrere Gründe: die Fülle der Kandidaten; die Tatsache, dass ich kommunalpolitischer Neuling bin; die Stimmung gegen die AfD und die Coronakrise, die der regierenden Partei in die Karten spielt.“

Florian Weber (Bayernpartei): „Ich hätte mir schon etwas mehr ausgerechnet. Aber die Fülle an Kandidaten hat es nicht einfach gemacht.“

Josef Fortner (ÖDP): „Das Ergebnis enttäuscht mich schon. Dabei habe ich sicher Stimmen an die Grünen und die ÜWG verloren.“

Walter Pakulat (FDP): „Wir hätten uns sicher mehr ausgerechnet. Die Vorgänge in Thüringen haben dabei aber keine Rolle gespielt.“

Bad Aibling: Knapper hätte es nicht ausfallen können

Große Überraschung in Bad Aibling. Hier lieferten sich Stephan Schlier (CSU)und Martina Thalmayr (Grüne) ein Kopf an Kopf Rennen. Das Endergebnis: 29,9 Prozent für Schlier und 27,9 Prozent für Thalmayr. Somit kommt es zwischen den beiden Kandidaten am 29. März zur Stichwahl. Gleichstand auf Platz drei und vier: Petra Keitz-Dimpflmeier (SPD) und Rudi Gebhart (ÜWG) bekamen beide 14,4 Prozent der Stimmen. Gefolgt von Rainer Vieregg (AfD), der 4,4 Prozent bekam und  Christian Hilz mit 3,6 Prozent. Heinz Benninghoven (FDP) bekam 1,5 Prozent der Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei 58 Prozent.

"Die Bürger wollen noch ganz andere Antworten"

"Wir sind zufrieden, es war ja gar nicht absehbar wie es ausgeht, Die Karten sind nachdem Bürgermeister Schwaller nicht mehr angetreten ist ja ganz neu gemischt. Wir haben es uns von Anfang an zugetraut, in die Stichwahl zu kommen", sagt Stephan Schlier. "Wir waren einer von vier Akteuren, wobei für uns völlig offen war, wer es noch schaffen könnte - ob Grüne, SPD oder ÜWG. Fürs erste sind wir sehr zufrieden. Jetzt gilt es, die Wähler weiter zu überzeugen, dass wir die Richtigen sind. Auch die Corona-Epidemie zeigt, dass die Bürger Antworten auch noch ganz andere Fragen haben wollen als in Bezug auf den Klimaschutz, bei dem wir ja auch gut aufgestellt sind. Es geht um Sicherheit und Stabilität. Da geht es um die Frage: Wem trauen es die Wähler am ehesten zu, dass hier vernünftig und gut gehandelt wird."

"Die Weichen für Bad Aibling sind neu gestellt"

"Ich freue mich und bin sehr erleichtert", sagt Thalmayr kurz nachdem das Ergebnis bekannt wurde. "Das war ja eine Situation, die völlig neu ist für mich. Am Nachmittag war ich noch sehr aufgeregt." Das erklärte Ziel sei gewesen in die Stichwahl zu kommen. "Wir haben ehrlich gesagt schon ein bisschen damit gerechnet, dass es zur schwarz-grünen Stichwahl kommen wird. Ich bin so zufrieden damit und freue mich, weil wir ja eine schwarze Hochburg sind." Das Ergebnis zeige, dass die Weichen für Bad Aibling neu gestellt sind, so Thalmayr weiter. "Es macht mich hoffnungsfroh. Ich will einfach eine gute Zukunft für Bad Aibling."

Schwaller enttäuscht über Wahlbeteiligung

Enttäuscht über die Wahlbeteiligung von 58 Prozent zeigte sich Bad Aiblings noch amtierender Bürgermeister Felix Schwaller (CSU) am Abend im Rathaus: „Da hätte ich doch mit deutlich mehr gerechnet, wo doch jetzt die Karten ganz neu gemischt werden.“ Dass die Kandidaten Stephan Schlier und Martina Thalmayr ganz vorne mitmischen und in die Stichwahl kommen würden, habe er hingegen "punktgenau" so erwartet. Ebenso, dass die Grünen wohl bei der Stadtratswahl zweitstärkste Kraft werden. „Ich habe die letzten 18 Jahre immer sehr gut mit den Grünen zusammengearbeitet“, schiebt er hinterher.

Kolbermoor behält seinen Rathauschef:

Nach Auszählung der Stimmen steht auch in Kolbermoor fest:Peter Kloo (SPD) wird Rathauschef bleiben. Er setzte sich mit 52,4 Prozent der Stimmen gegen die vier weiteren Kandidaten durch.

Kloo sei nicht so optimistisch gewesen

"Auf alle Fälle ist es ein gutes Gefühl", kommentiert Peter Kloo (SPD) seinen erneuten Einzug ins Kolbermoorer Rathaus. Er sehe seine Arbeit als Bürgermeister in den vergangenen 18 Jahren durch das Ergebnis gewürdigt. Er sei nicht so optimistisch gewesen. Das habe allerdings weniger an der umstrittenen Diskussion rund um ein Krematorium gelegen, als vielmehr an allgemeinen gesellschaftlichen Trends. Die Wahlbeteiligung von rund 53 Prozent sieht er als "passabel". Bei den vergangenen Kommunalwahlen im Jahr 2014 hatten rund 40 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben.

„Ich dachte, dass es eine Stichwahl geben wird“, sagte der Kandidat der Grünen, Michael Hörl, im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. Gleichzeitig gratulierte er Peter Kloo zum Wahlsieg. Hörl hoffe dass die Themen seiner Partei, Klimaschutz und Mobilität, nun über die Arbeit einer starken grünen Stadtratsfraktion in der Stadt verfolgt werden könne. 

CSU-Kandidat Leonhard Sedlbauer zeigte sich mit seinem Ergebnis zufrieden: „Ich bin der jüngste, unerfahrenste Kandidat, noch dazu nicht im Stadtrat“, begründete er. In eine Stichwahl zu gehen, wäre ein großer Erfolg gewesen. Aber er habe sein Ziel erreicht, die zweitmeisten Stimmen auf sich zu ziehen. 

Stefan Reischl (Parteifreie Kolbermoor) sagte, sein Ergebnis von knapp über 14 Prozent liege zwei Prozentpunkte über seinen Erwartungen. Damit sei er zufrieden. Peter Kloo habe er zum Sieg im ersten Wahlgang gratuliert.

Der Kandidat der AfD, Herbert Schmid, kommentierte sein Ergebnis von 5,6 Prozent enttäuscht: „Wir haben uns mehr erhofft.“ Aber das sei eben Demokratie. 

Eindeutiges Ergebnis in Wasserburg

Auch in Wasserburg wird ein SPDler Rathauschef bleiben. Michael Kölbl bekam 63 Prozent der Stimmen. „Ich bin überglücklich“, sagte ein strahlender Kölbl, der nach eigenen Angaben davon ausgegangen war, dass er nicht in die Stichwahl muss und sich ein Ergebnis deutlich über 60 Prozent gewünscht hatte. Dass dies so gut geklappt hat, liegt nach Kölbls Überzeugung an den erfolgreichen vergangenen 18 Jahren Amtszeit, in denen er sich darum bemüht habe, zuverlässig, korrekt und fraktionsübergreifend zu arbeiten. Den Wahlerfolg verdanke er jedoch auch seiner Familie, die ihn in den vergangenen Jahren und jetzt im Wahlkampf immer gestärkt habe. „Außerdem hatte ich ein tolles Wahlkampfteam, das hart gearbeitet und viel Freizeit geopfert hat. Wir haben alle an einem Strang gezogen, das hat sich ausgezählt.“

„Alles gut“, so die Reaktion von Wasserburgs Bürgermeisterkandidatin Heike Maas (CSU), die Amtsinhaber Michael Kölbl (SPD) unterlag. Mit 23,1 Prozent habe sie ein „achtbares Ergebnis“ geschafft. Als politischer Neuling in Wasserburg habe sie sich gut geschlagen, findet die 52-Jährige, die Kölbl zur Wiederwahl gratuliert: „Er hat seinen Amtsbonus voll ausgeschöpft.“ Maas blickt auf einen „fairen und interessanten Wahlkampf“ zurück.

Kommunalwahl Bayern 2020 im Landkreis Rosenheim

Die Live-Ticker weiterer Landkreise zur Wahl:

Gewählt wurde am 15. März 2020. Zum Bürgermeister gewählt ist, wer mehr als 50 Prozent der abgegebenen Stimmen erreicht. Gelingt das keinem der angetretenen Kandidaten im ersten Wahlgang, findet am 29. März 2020 eine Stichwahl statt.

Neben den etablierten Parteien gibt es eine breite Vielfalt an örtlichen Wählervereinigungen, die sich mit einem Kandidaten um das Bürgermeisteramt bemühen. Doch alle haben eines gemeinsam: Sie wollen sich für ihre Heimat engagieren und vor Ort Verantwortung übernehmen.

jb

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