„Land Schafft Verbindung“ am 2. Dezember

40 bäuerliche Vereinigungen zu Treffen ins Kanzleramt eingeladen

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Rosenheim/München/Berlin - Das hat selbst bei den Veranstaltern von „Land schafft Verbindung“ alle Erwartungen weit übertroffen. Ersten Einschätzungen seien gut 15.000 Traktoren bei den Protesten am Dienstag aufgefahren. Auch aus dem Landkreis Rosenheim sind rund 50 Landwirte mit Bus und Bahn nach Berlin gefahren.

Am Dienstag, den 26. November 2019, fand einer Bauern-Demo in Berlin mit  „15.000 Traktoren am Brandenburger Tor“  statt. Josef Steingraber vom Bayerischen Bauernverband, Geschäftsstelle Rosenheim, sagte gegenüber rosenheim24.de, dass nach seiner Schätzung auch aus dem Landkreis Rosenheim rund 50 Landwirte mit Bus und Bahn nach Berlin gefahren waren, um sich anzuschließen. Siehe auch auf der Seite des Bauernverbands Kreis Rosenheim .

In Berlin stellte sich Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner (CDU), den Vorwürfen der Landwirte und wurde vor dem Brandenburger Tor mit Pfiffen und lautem Hupen empfangen. Mehrfach betonte sie: „Ich trete gerne in den Dialog mit Ihnen.“ und überraschte kurz darauf mit einem zweifachen Gesprächsangebot: Schon für den 2. Dezember lädt sie 40 bäuerliche Vereinigungen zu einem dreistündigen Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel im Kanzleramt ein. Außerdem will sie ein bundesweites „Dialogforum Landwirtschaft“ ins Leben rufen. Da rührte sich zaghafter Beifall im weiten Rund vor dem Brandenburger Tor. 

Bereits am 22. Oktober 2019 hatten sich 2.000 Teilnehmer mit 1.000 Traktoren zu der Bauern-Kundgebung am Münchener Odeonsplatz versammelt. Die Traktoren parkten teilweise in Dreierreihen entlang der Ludwigstraße bis zum Siegestor und darüber hinaus. Der Grund: Bundesweite Bauernproteste gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung. Auch diese Kundgebung war Teil eines bundesweiten Aktionstags der Bauerninitiative „Land schafft Verbindung“, der sich innerhalb kürzester Zeit zehntausende Landwirte angeschlossen haben. Ein Symbol der Protestbewegung sind die grünen Kreuze, die viele Bauern als Symbol ihrer Existenzängste auf Feldern und Wiesen aufstellen.

Fotoimpressionen von den Bauernprotesten in München:

Bauernprotest am 22. Oktober 2019 am Münchener Odeonsplatz (1)

Bauernprotest am 22. Oktober 2019 am Münchener Odeonsplatz (2)

Vorstellung der Initiative „Land schafft Verbindung“ 

Wir stellen hier die Initiative „Land schafft Verbindung“ vor, die die Demonstrationen in München und Berlin organisierte, sowie ihre Forderungen und Lösungsansätze, die diese im Namen der Landwirte artikuliert.

1. „Land schafft Verbindung“ - Was ist das? 

„Land schafft Verbindung“ ist eine deutschlandweite Initiative von Landwirten, die auf die Probleme und die Tragweite des Agrarpaketes der Bundesregierung aufmerksam machen will. „Land schafft Verbindung“ steht für ein konstruktives MITeinander bei gesellschaftlich wichtigen Themen wie Tierwohl, Insektenschutz und Lebensmittelsicherheit.

2. Wer steht hinter „Land schafft Verbindung“? 

Zehntausende Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten. Wir kommen von großen und kleinen Höfen, arbeiten konventionell oder auch ökologisch, sind alt und jung – doch uns eint die Liebe zum Beruf und auch die Liebe zum Leben auf dem Land! Aber nicht nur die Landwirte selbst, sondern auch viele Unternehmen aus den vor- und nachgelagerten Bereichen stehen hinter „Land schafft Verbindung“. Gemeinsam machen wir uns dafür stark, dass unsere Höfe und Betriebe eine Zukunft haben und unsere ländlichen Räume liebens- und lebenswert bleiben.

3. Wer organisiert „Land schafft Verbindung“? 

„Land schafft Verbindung“ wird von einer bunten Truppe von Landwirten organisiert, die sich vor allem über Social Media spontan zusammengefunden haben. Aktuell sind wir bundesweit durch einen komissarischen Beirat organisiert, der sich aus Vertretern der einzelnen Bundesländer zusammensetzt. Da wir eine noch sehr „junge“ Organisation sind, arbeiten wir in den nächsten Wochen noch an einer langfristig tragfähigen Organisation.

4. Wofür steht „Land schafft Verbindung“? 

Unser Ziel ist es zu verdeutlichen, dass gesellschaftliche Forderungen, wie z. B. Insektenschutz und mehr Tierwohl, nur gemeinsam in einer ehrlichen Allianz von Stadt und Land, von Landwirt und Verbraucher, von Branche und Politik bewältigt werden können und nicht mit einer einseitigen Verbotspolitik durch die Regierung. Das Agrarpaket in der derzeit vorliegenden Form wird zu massivem Strukturwandel führen und die regionale Lebensmittelproduktion schwächen. Das darf nicht passieren! Deshalb stellen wir das Agrarpaket in der jetzigen Form in Frage, denn wir stehen für einen KOOPERATIVEN Tier- und Umweltschutz. Wir wollen ganz sicher nicht das Gestern erhalten, sondern das Morgen mitgestalten.

5. Und der Bauernverband? 

Gemeinsam mit vielen Verbänden, Unternehmen und Vereinen im landwirtschaftlichen Bereich organisieren wir unsere Veranstaltungen - uns geht es nicht darum, wer in welchem Verband organisiert ist, sondern um die uns gemeinsam betreffenden Anliegen. Es gibt viele helfende Hände und Köpfe im Hintergrund, die mit Ideen und Engagement alle an einem Strang ziehen. Wir lassen uns nicht auseinanderbringen, denn unser Ziel ist identisch: EINE ZUKUNFT DER DEUTSCHEN LANDWIRTSCHAFT.

6. Welche politischen Positionen vertritt „Land schafft Verbindung“? 

„Land schafft Verbindung“ ist keine politische Organisation, wir stehen für eine freie und demokratische Gesellschaft. Darauf basierend suchen wir zu allen Interessierten den Kontakt, um ihnen im direkten Gespräch unsere Sorgen und Ängste im Zusammenhang mit der aktuellen Agrar-, Umwelt- und Handelspolitik zu schildern. Dies spiegelt unsere demokratische Haltung und keine politische Position wieder!

7. Wollen die Landwirte mehr Geld? 

Landwirte in Deutschland erhalten über die Direktzahlungen heute ca. 280 €/Hektar von der EU, finanziert werden die Zahlungen aus Steuergeldern. Umgerechnet zahlt jeder Bürger – selbstverständlich auch die Landwirte selbst – 114 € im Jahr. Diese Zahlungen stellen sicher, dass selbst bei den bereits heute schon bestehenden Auflagen, Regelungen und Dokumentationspflichten Lebensmittel für alle bezahlbar bleiben. Dabei gehen die in der EU und in Deutschland geltenden Regelungen und Auflagen weit über das hinaus, was außerhalb der EU praktiziert wird. Das Problem? Ein Blick in den Supermarkt! Äpfel aus Chile, Kartoffeln aus Ägypten, Fleisch aus Argentinien. Wir produzieren also nach den sehr hohen europäischen Standards (Deutschland übertrifft diese zum Teil noch mit eigenen zusätzlichen Regelungen), müssen preislich aber mit dem Weltmarkt mithalten. Das kann nicht funktionieren! Wenn wir als Gesellschaft in Deutschland mehr Insektenschutz, Tierwohl und regionale Lebensmittel wollen, können wir nicht nur fordern, sondern müssen auch darüber reden, wie es bezahlt werden kann. Tun wir das nicht, werden unsere Landwirte über kurz oder lang ihre Höfe schliessen müssen und unsere Lebensmittel werden zunehmend aus dem Ausland importiert werden - aus Ländern, die schon heute unsere ökologischen und sozialen Standards nicht erreichen.

Als Sprachführer für die Landwirte formuliert „Land schafft Verbindung“ die Forderungen

Wir Landwirte denken in Generationen, nicht in Kampagnen! Wir stehen für Insekten- und Naturschutz, für sauberes Grundwasser und gesunde Lebensmittel. Wir betreiben klimaschonende Landwirtschaft. Wir deutschen Bauern produzieren zu den weltweit höchsten Standards und wir verwehren uns ausdrücklich gegen das negative Bild der Landwirtschaft, das immer wieder in der Öffentlichkeit gezeichnet wird. 

Das von den Ministerinnen Klöckner und Schulze präsentierte „Agrarpaket“ wurde überstürzt mit heißer Nadel gestrickt. Es gefährdet nicht nur unsere landwirtschaftlichen Betriebe, sondern ist auch eine Gefahr für die regionale Lebensmittelproduktion und für den Erhalt der ländlichen Räume. Das möchten wir verhindern und deshalb gehen wir auf die Straße und fordern einen Dialog zu folgenden Punkten:

  • -

    Das Aussetzen des Agrarpakets und ergebnisoffene Neuverhandlungen.

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Einheitliche Richtlinien für die Landwirtschaft in der gesamten EU. Keine deutschen Alleingänge.

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Die neutrale Erforschung des Insektenrückgangs – trotz oder WEGEN immer stärkerer Auflagen? Welchen Anteil haben z.B. LEDs, Mobilfunkanlagen, Windräder, Flächenversiegelung daran?

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Die unabhängige Überprüfung der Nitrat-Messstellen sowie die Anzahl der Messpunkte auf einen europaweiten Standard auszuweiten, den Anteil an beispielsweise kommunalen und industriellen Nitrateinträgen ins Grundwasser zu ermitteln und ebenfalls zu berücksichtigen.

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Importierte Waren, die nicht dem EU-Standard entsprechen, als solche zu kennzeichnen. Ebenso die Herkunftskennzeichnung bei Rohwaren und verarbeiteten Lebensmitteln.

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Bei politischen Entscheidungen zu Umwelt-, Klima- und Tierschutzmaßnahmen, den Erhalt der regionalen Lebensmittelproduktion in den Vordergrund zu stellen und zu stärken.

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Anstatt neue Tierwohllabel zu entwickeln, die bestehenden zu fördern und weiterzuentwickeln.

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Dass gesellschaftliche Wünsche wie z.B. mehr Tierwohl, extensivere Bewirtschaftung (und damit geringerer Ertrag und Gewinn), die Ausbreitung der Wölfe und Umweltmaßnahmen finanziell von der Gesellschaft getragen werden.

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Die Bürokratie und Dokumentationspflicht zu vereinfachen.

Was kritisieren Landwirte am Agrarpaket? 

Das am 04. September 2019 beschlossene Agrarpaket der Bundesregierung war es letztendlich, was bei vielen Landwirten das Fass wie von politischer Seite mit ihnen und ihrem Fachwissen umgegangen wird, zum Überlaufen brachte. Zum einen wurde selten ein so umfassended politisches Projekt so weit über die Köpfe der betroffenen Landwirte hinweg und ohne ihre Mitwirkung entschieden. Zum anderen führt dieser nationale Alleingang zu einer massiven Verschlechterung der Stellung der heimischen Landwirtschaft auf dem europäischen Binnenmarkt, was eine geringere Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln aus regionaler Produktion zur Folge hat.

Im Agrarpaket wurden Maßnahmen beschlossen, die einerseits dem Insektenschutz und andererseits dem Tierwohl dienen sollen - alles Dinge, die auch Landwirten am Herzen liegen. Landwirte sind bei ihrer Arbeit auf eine intakte Natur angewiesen und wollen ihre Tiere nicht leiden sehen. Die Auswirkungen der im Agrarpaket zusammengeschnürten Beschlüsse wurden aber keiner Folgeabschätzung unterzogen, ihre direkte Auswirkung auf die regionale Landwirtschaft in keiner Weise beleuchtet und das Fachwissen und die vielfältigen Erfahrungen der Landwirte vor Ort fanden keine Berücksichtigung.

So liegen in Mecklenburg-Vorpommern über 40% der landwirtschaftlichen Flächen in Schutzgebieten

, in denen die Anwendung von Herbiziden und bestimmten Insektiziden schon ab 2021 verboten sein soll. Ein herber Einschnitt für die betroffenen Betriebe, denn dann ist quasi nur noch ökologischer Landbau möglich. Sicher wächst der Markt für Produkte aus ökologischem Anbau, doch die Umsetzung des Agrarpakets würde aber zu einer explosionsartigen Angebotserweiterung führen, für die aktuell kein Markt vorhanden ist. Preisverfall und schwerwiegende wirtschaftliche Folgen auch für die Betriebe, die sich seit Jahrzehnten im ökologischen Landbau etabliert haben, wären die Folge.

Betroffen in Mecklenburg-Vorpommern ist beispielsweise die Insel Poel, die komplett in einem Vogelschutzgebiet liegt. Nach den Vorgaben des Agrarpaketes wird dort zukünftig keine Herbizid- und Insektizidanwendung mehr möglich sein. Die Insel Poel beheimatet aber seit über 120 Jahren den Forschungs- und Züchtungsstandort eines weltweit führenden Rapszüchters, ein Aushängeschild der Wirtschaft unseres Landes. Unter den neuen Vorgaben wäre ab 2021 die Rapszüchtung auf der Insel Poel nicht mehr möglich, da Rapsanbau nicht ohne Herbizid- und Insektizideinsatz erfolgen kann. Auch in den anderen Schutzgebieten unseres Landes käme der Rapsanbau zum Erliegen. Dabei benötigen wir gerade den Raps als heimische Öl- und Eiweißfrucht, wenn wir die Soja- und Palmölimporte reduzieren wollen. Auch die Imker betrachten diese Entwicklung mit Sorge, ist der Raps doch die wichtigste Frühjahrstracht der Honigbiene. Daher sind auch hier Folgenabschätzungen dringend erforderlich.

Dass Landwirte auch das Verbot des Herbizides Glyphosat kritisieren, liegt nicht daran, dass sie Fans des Mittels sind oder vergessen haben wie sie ohne diesen Wirkstoff ackern können, sondern weil sie aus ihren Erfahrungen auch die fachlichen Nachteile sehen, die mit einem Glyphosatverbot verbunden sind.

So ist es nicht insektenfreundlich, wenn Flächen anstatt sie chemisch zu behandeln, beispielsweise abgeflämmt werden. Aber auch eine vermehrte mechanische Unkrautbekämpfung vor der Saat, die anstatt des Glyphosateinsatzes erfolgen muss, hat negative Auswirkungen auf die Umwelt. Sie führt zu einem höheren Dieselverbrauch und zu einer Zunahme der Gefahr der Nitratauswaschung, der Bodenerosion, des Humusabbaus und der Freisetzung von CO2. Dinge, die nach allgemeinen politischen Bekundungen zu verringern sind. Hier erwarten Landwirte eine wissenschaftsbasierte Folgenabschätzung.

Auch für mehr Tierwohl sind die Tierhalter bereit sich einzusetzen. Allerdings hilft die Einführung eines weiteren Tierwohlsiegels, neben den schon zahlreichen bestehenden, hier kaum weiter. Gerade in der Tierhaltung, in der langfristige Investitionen erfolgen müssen und in den letzten Jahren viel zum Wohle der Tiere verändert wurde, benötigen Landwirte Planungssicherheit. So gibt es z.B. mit der Initiative Tierwohl bereits ein etabliertes Programm Zur konkreten Förderung besserer Haltungsbedingungen für Nutztiere. Viele Landwirte auch in Mecklenburg–Vorpommern nehmen an diesem Programm teil. Sinnvoll wäre es, die Initiative Tierwohl mit politischem Nachdruck zu fördern. Dies wäre eine Möglichkeit der effektiven Unterstützung von sowohl Landwirten, die auf dieser Basis schon investiert haben, als auch solchen, die neu einsteigen wollen.

Landwirte brauchen Gewissheit, dass Politik ihre Entscheidungen nicht „aus dem Bauch“ heraus und auf der Suche nach möglichst großem Applaus der breiten Öffentlichkeit trifft, sondern auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse bei Pflanzenschutz, Pflanzenzüchtung, Düngung und in Bezug auf die Tierhaltung. Nur das gibt Landwirten Planungssicherheit und verlässliche Rahmenbedingungen. Niemand in Deutschland muss hungern, die Regale in den Supermärkten werden weiterhin gut gefüllt sein.

Ob aber unter den Maßgaben des Agrarpaketes allerdings noch ausreichend Lebensmittel aus regionaler Produktion zur Verfügung stehen werden, ist fraglich.

Ziele

1. Regional statt zunehmender Importe! 

Die Umsetzung des Agrarpaketes wird für die Landwirte mit erheblichen Einschränkungen und deutlichen Mehrkosten bei sinkenden Erträgen verbunden sein. So wird unsere regionale Lebensmittelproduktion, die gesellschaftlich immer wieder gefordert wird, weiter geschwächt*. Das Resultat: Der Lebensmittelimport wird steigen und zwar ohne Einfluss auf ökologische und soziale Standards im Herkunftsland. Das ist weder in unserem Sinne, noch entspricht es dem Wunsch des Verbrauchers. Nur hier in Deutschland können wir MITeinander gestalten, wie unsere Lebensmittel erzeugt werden. Hier können wir direkt mit Landwirten sprechen – kommen zukünftig alle Äpfel beispielsweise aus Chile, ist uns diese Möglichkeit genommen. Ernstgemeinter Arten- und Tierschutz in der Lebensmittelproduktion kann nur hier vor Ort und nicht in Übersee geleistet werden! Darüber hinaus muss die gesellschaftliche Forderung nach mehr Arten- und Tierschutz auch immer mit Antworten nach der Finanzierung dieser durch die Gesellschaft verknüpft werden.

*

Bereits heute arbeiten Deutschlands Landwirte unter Einhaltung sehr vieler Regelungen und Auflagen, unsere ökologischen Standards sind die besten weltweit. Das ist für uns auch eigentlich kein Problem, wir müssen aber gleichzeitig mit den niedrigen Weltmarktpreisen mithalten. Klar ist: Das kann und wird langfristig nicht funktionieren! Zunehmende Auflagen und dann noch im deutschen Alleingang wie im Agrarpaket vorgesehen, verschärfen das Problem und nehmen den heimischen Landwirten die Luft zum Atmen.

2. Umweltschutz durch Kooperation statt Verbotspolitik! 

Wir Landwirte stehen für Insekten- und Naturschutz, für sauberes Grundwasser und gesunde Lebensmittel, für eine klimaschonende Landwirtschaft und Tierwohl in unseren Ställen. Bereits heute gibt es bundesweit zahlreiche Aktivitäten und Kooperationen, um Grundwasser, Tierwohl sowie Artenschutz nachhaltig und wissenschaftlich basiert weiterzuentwickeln und zu stärken. Wir Landwirte können und wollen das! Uns ist bewusst, dass wir beim Grundwasserschutz, aber auch bei der Erhaltung der Biodiversität in einer besonderen Verantwortung stehen - diese wollen wir gerne noch intensiver wahrnehmen. Machbar ist dies allerdings nur unter sinnvoller Abwägung von Ökonomie, Ökologie sowie unter Berücksichtigung der sozialen Strukturen. Diesen Weg kann man nur miteinander beschreiten, nicht gegeneinander! Das Agrarpaket wurde durch die Bundesministerien ohne vorherigen Dialog mit der Branche, aber vor allem ohne eine der Tragweite entsprechenden Folgenabschätzung für die ländlichen Räume, die Versorgungssicherheit mit regionalen Lebensmitteln sowie die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Landwirtschaft erarbeitet. Dagegen verwahren wir uns und nicht gegen das Agrarpaket generell. Schluss mit der Verbotspolitik! Eine echte gesellschaftliche Kooperation ist erforderlich, beginnend mit Fragen an uns alle: Worauf sind wir bereit zu verzichten? Was ist uns ein mehr Artenschutz und Tierwohl wert? Wie können wir dies finanzieren?

3. Lebendiges Land statt Land ohne Leben! 

Wir Landwirte wissen, die Umsetzung des Agrarpaketes wird den negativen Strukturwandel in der Landwirtschaft weiter anheizen. Das ist für die heute noch vielfach regional verankerte Landwirtschaft und somit für viele Arbeitsplätze dort und in den vor- und nachgelagerten Bereichen eine reale Gefahr. Hinter jedem einzelnen Arbeitsplatz in der Landwirtschaft stehen sieben weitere Jobs in den dazugehörigen Wirtschaftsbereichen. Diese Arbeitsplätze halten die Menschen in den Dörfern und machen die ländlichen Räume liebens- und lebenswert. Nicht selten sind es Landwirte in den Dörfern, die Feuerwehrmann, Bürgermeister, Schneeschieber und Bauer zugleich sind.

Lösungsansätze

Zur Erreichung der Ziele sehen wir in den Themenfeldern Tierwohl, Biodiversitätsschutz und Grundwasserqualität folgende Lösungsansätze:

1.

Aussetzen des Agrarpakets und kooperative Neuverhandlungen mit dem Ziel, die Förderung von Insektenschutz und Tierwohl mit dem Erhalt der regionalen Lebensmittelproduktion zu verbinden.

2.

Die Wünsche der Verbraucher nach mehr Umwelt- und Tierschutz müssen durch die gesamte Gesellschaft finanziell getragen werden. Für nachhaltige Veränderungen benötigen wir ein MITeinander!

3.

Zielkonflikte zwischen dem Erhalt einer regionalen Lebensmittelproduktion und den steigenden Klima-, Umwelt- und Tierschutzmaßnahmen müssen durch die Politik als solche benannt werden.

4.

Bei politischen Entscheidungen zu Umwelt-, Klima- und Tierschutzmaßnahmen muss im Sinne des gesellschaftlichen Wunsches nach regionalen Lebensmitteln der Erhalt der heimischen Landwirtschaft als eine Zielgröße grundsätzlich berücksichtigt werden.

5.

Die Ursachen des Insektenrückgangs müssen weiter wissenschaftlich basiert und nicht allein auf die Landwirtschaft beschränkt untersucht werden (was ist z.B. mit LED, UMTS, Klimawandel und Vergrünung?), damit beim Insektenschutz zukünftig zielgenauer agiert werden kann. Weniger Bürokratie und mehr Flexibilität bei Insektenschutzmaßnahmen wie beispielsweise Blühstreifen würden sehr schnell zur Anlage weiterer Blühstreifen führen. Wir sehen die Etablierung von Weideprogrammen und die Aufnahme von Maßnahmen in ein Insektenschutzprogramm zur Erhöhung der Biodiversität, wie sie im F.R.A.N.Z Projekt erarbeitet wurden, als effektive Wege zur Insektenförderung an.

6.

Die Förderung und gezielte Weiterentwicklung von bestehenden und von Landwirten bereits heute genutzten Tierwohlprogrammen anstatt der Einführung neuer Label, denn davon gibt es schon jetzt zu viele.

7.

Kennzeichnung von importierten Lebensmitteln, die nicht dem deutschen gesetzlichen Standard entsprechen. Eine klare Herkunftskennzeichnung für landwirtschaftliche Produkte, auch in verarbeiteten Lebensmitteln - Verbraucher müssen regionale Produkte leicht erkennen und kaufen können, damit sie eine echte Wahlmöglichkeit haben.

8.

Ausbau des deutschen Nitrat-Messstellennetzes zu einem repräsentativen Messnetz, wie es in anderen EU Staaten genutzt wird. Meldung der repräsentativen Daten an die EU, damit innerhalb Europas für alle gleiche Maßstäbe gelten. Die Landwirtschaft steht beim Grundwasser in der Verantwortung und hat in den letzten Jahren bereits viel getan, um besser zu werden. Die Ergebnisse dieser Maßnahmen werden naturbedingt aber erst in Jahren zu sehen sein, dies muss bei politischen Entscheidungen berücksichtigt werden. Die heute noch auffälligen Nitrat-Messstellen müssen einer Einzelanalyse unterzogen werden, um die Ursachen von Grenzwertüberschreitungen besser identifizieren zu können. Intensivere Förderung von innovativen Techniken, wie z.B. Sensoren und Analysengeräten, damit weniger Dünger benötigt wird, die Pflanzen aber gleichzeitig mit ausreichend Nährstoffen versorgt werden.

9.

Die Möglichkeit zu einem echten kooperativen und gegenfinanzierten Vertragsnaturschutz, damit Landwirte auch im Einklang mit dem Naturschutz ihren Lebensunterhalt verdienen können.

10.

Einheitliche Richtlinien für die Landwirtschaft in der gesamten EU: keine deutschen Alleingänge (wie durch das Agrarpaket geschehen) um unsere heimische Landwirtschaft in Europa nicht schlechter zu stellen.

11.

Eine Reduktion und Vereinfachung des bürokratischen Aufwands und mehr Flexibilität, damit Tierwohl, Natur- und Umweltschutz praktikabel werden und Spaß machen.

Für die Implementierung dieser Lösungsansätze in die aktuelle Agrar-, Handels-und Umweltpolitik sind die Landwirte mit „Land schafft Verbindung“ auf die Straße gegangen! Sie möchten nicht das Gestern konservieren, sie möchten das Morgen aktiv mitgestalten. 

Der Slogan von „Land schafft Verbindung“ lautet: „Landwirte denken in Generationen und nicht in Kampagnen!“

Quelle: Land schafft Verbindung, https://www.facebook.com/landschafftverbindung , https://landschafftverbindung.de  

Kontakt Veranstalter: Johanna Mandelkow, Tel. 0172-1660358; E-Mail: presseteam-lsv@gmx.de; 

Sprecher LSV Deutschland: Dirk Andresen - Tel. 0172-4112927

Klaus Kubitza

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