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Prozess am Landgericht Traunstein

Über 200 sexuelle Übergriffe an Kindern: Mehrjährige Haftstrafe für Erzieher aus Kreis Rosenheim verkündet

Schwere Vorwürfe stehen gegen einen Erzieher aus dem Kreis Rosenheim im Raum. Er soll sich in einem Hort an Kindern vergangen haben und hat am ersten Prozesstag vor dem Landgericht Traunstein umfassend gestanden. Wir berichten vom zweiten Prozesstag am 6. Oktober.

Update, 14.42 Uhr - Angeklagter muss über drei Jahre ins Gefängnis

Richterin Heike Will hat soeben das Urteil verkündet. Ein Mann aus Rosenheim wird zu drei Jahren und sechs Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Ihm waren weit über 200 sexuelle Übergriffe an Kindern vorgeworfen worden, der Mann hatte noch am ersten Verhandlungstag alle Vorwürfe eingeräumt und somit rund 20 Kindern und Jugendlichen eine Aussage vor Gericht erspart. Das Geständnis sei „massiv“ berücksichtigt worden.

Update, 14.31 Uhr - Urteil erwartet: Drei Jahre Minimum, vier Jahre höchstens

Zurück im Gerichtssaal, die Kammer hat beraten. In wenigen Minuten sollte das Urteil im Fall des Erziehers in einem Integrationshort im Landkreis Rosenheim verkündet werden. Drei Jahre Minimum, vier Jahre höchstens: Das ist der Zeitkorridor, der Teil der Einigung am Dienstag, 5. Oktober, war.

Update, 12.34 Uhr - Verhandlung unterbrochen

Die Verhandlung wird um 14 Uhr fortgesetzt.

Update, 12.18 Uhr - Verteidigung weißt Berufswahl aufgrund der Neigung zurück

Florian Zenger, Verteidiger des Erziehers, gibt zu bedenken, dass es viele Taten gewesen seien, aber weit überwiegend an der Grenze der Erheblichkeitsschwelle, teilweise sogar darunter.

Man könne nicht sagen, dass er seinen Beruf ursprünglich wegen seiner Neigungen ergriffen habe. Ein Teil seines Bestrebens sei sicherlich gewesen, den Job gut zu machen und den Kindern zu helfen.

Update, 12.07 Uhr - „Wie konntest du unseren Sohn so schamlos für deine Neigungen missbrauchen?“

Nebenklagevertreter Peter Dürr ist mit seinem Plädoyer an der Reihe. An die Adresse des Angeklagten: „Es liegt ein langer und steiniger Weg vor Ihnen.“ Dürr gibt zu, dass man das Geständnis hoch anrechnen müsse. Das habe er auch seitens seines Klienten gehört. Dürr verliest dann aber einen Brief. Geschrieben haben ihn Eltern, die die Ermittlungen mit angestoßen hatten. „Wie konntest du unseren Sohn so schamlos für deine Neigungen missbrauchen?“ Sie sprechen davon, dass ihr Sohn zu dem Erzieher „aufgeblickt“ habe. „Du warst sein Held.“ Jetzt seien da Aggression, Wut, Enttäuschung.

Opferanwältin Antje Brandes stellt die Frage, ob man bei dem Erzieher und seinen Taten nicht von der Spitze des Eisbergs ausgehen müssen, dass also vieles nicht angesprochen worden sei. Der 31-Jährige habe gezielt Schwächen von Kindern ausgenutzt: „Ein wirklich sehr kalkuliertes Vorgehen.“

Update, 11.55 Uhr - Plädoyer: Staatsanwaltschaft fordert Haftfortdauer

Es spricht Staatsanwalt Jan Salomon. Für den Angeklagten sprechen Einsicht, das Geständnis, „das äußerst hoch anzurechnen ist“, seine Einsicht, gegen ihn die hohe Anzahl der Fälle, diverse Urkundenfälschungen, die Planmäßigkeit und hohe kriminelle Energie. Er fordert Haftfortdauer.

Update, 11.46 Uhr - Verhandlungspause beendet

Es folgen nun die Plädoyers. In wenigen Minuten geht es los.

Update, 11.32 Uhr - Verhandlung für Pause unterbrochen

Jetzt ist Pause, der zweite Verhandlungstag wird nach 11.45 Uhr fortgesetzt.

Update, 11.25 Uhr - Entschuldigungsbrief an Opfer wird verlesen

Über seine Verteidigerin Eva Krötz lässt der Angeklagte einen Entschuldigungsbrief an eines seiner Opfer vortragen. Es tue ihm „unendlich leid“.

Update, 11.15 Uhr - Angeklagter war bereits verurteilt

Richterin Will listet nochmals die Vorgeschichte auf. 2013 wurde der Angeklagte wegen Urkundenfälschung vorm Amtsgericht Rosenheim zu einer Geldstrafe verurteilt. Er hatte Dokumente des DFB gefälscht. Verurteilt wurde er auch 2017, weil er sich - ebenfalls mit falschen Dokumenten - als Bayern-Scout ausgegeben hatte.

Angeblich, um zwei Jungs an eine Bundesliga-Karriere heranzuführen. Die Vorkommnisse von 2010, als er sich als Polizeibeamter ausgegeben hat, spielen strafrechtliche keine Rolle mehr.

Update, 11.06 Uhr - Fazit: „Eine pädophile Störung“

Soyka spricht von „erotisierten pädagogischen Beziehungen“, sie seien bezeichnend für einen gar nicht so seltenen Tätertyp. Das Fazit des Gutachters lautet „Eine pädophile Störung.“ Der Angeklagte neige nicht zu impulsivem Verhalten, nicht zu abruptem impulsivem Tatablauf. Aus seiner Sicht könne er nicht erkennen, dass da eine Einschränkung der Steuerfähigkeit vorhanden sei.

Richterin Will fragt, mit welchem Aufwand diese Störung zu behandeln sei? Es geht um eine Therapie nach der Haftstrafe. Gutachter Soyka spricht von „erheblichem Aufwand“. Es fehle unter anderem an Lebenserfahrung. Und dann sein Machtstreben, sein Streben nach Dominanz: „Wen kann man mehr dominieren als Kinder?“

Verteidiger Florian Zenger fragt, welche Therapie geeignet wäre? Eine, die den Angeklagten zunächst mal begleite. „Er muss sich über sich selber erstmal klar werden.“ Und auch darüber, was er da eigentlich angestellt habe.

Update, 10.45 Uhr - Gutachter soll sich zur Rolle des Angeklagten als Fußballscout äußern

Nun spricht der Gutachter Prof. Dr. Michael Soyka. Er äußert sich zur Rolle des Angeklagten als „Scout“ des FC Bayern. Ein sexueller Hintergrund sei in diesem Fall nicht wahrzunehmen gewesen.

Aufgewachsen sei der Angeklagte in „normalen, bürgerlichen Verhältnissen“, wohnt immer noch bei den Eltern. Psychologische Probleme habe er gehabt, aber wohl nicht besonders schwere.

Soyka berichtet von „ganz guter sozialer Intelligenz“. Der Mann sei in der Kindheit nicht unbedingt ein Außenseiter gewesen, habe aber bald starkes Geltungsbedürfnis verspürt, er buhle dauernd um Aufmerksamkeit, und er sei nicht fähig oder willens zu tieferen Bindungen.

Der Angeklagte hört dem äußerlich unbewegt zu. „Er hat immer wieder auch Geschichten erfunden, um im Mittelpunkt zu stehen“, so illustriert Soyka den Geltungsdrang des Angeklagten. Etwa die mit seiner Rolle als Bayern-Scout. Oder die Geschichte von einer Krebserkrankung.

Engere Freunde soll der Angeklagte nicht gehabt haben. Der Mann schildere sich als unsicher und schüchtern, sagt Soyka. Sexuelle Kontakte könne, so habe der Mann gesagt, er sich nur mit Frauen vorstellen, doch über die Vorstellung sei er eben auch nie hinausgelangt. Soyka berichtet von einer gewissen „Selbstwertproblematik“, von gewissen narzistischen Zügen.

Die Handlungen an den Kindern hätten den Erzieher „sexuell erregt“. Der Aspekt der Macht habe ihn angesprochen. Das sei ein wenichtiger Aspekt bei pädophilen Neigungen, führt Soyka aus. Der Erzieher habe ihm mitgeteilt, er habe nie die Kinder bestrafen wollen, vielmehr habe er ihnen helfen wollen. Soyka: „Menschliches Verhalten ist schwer zu erklären, pathologisches Verhalten noch viel mehr.“

Update, 10.27 Uhr - „Hat der Hort weggekuckt?“

Richterin Will sieht die Anklageschrift durch die Aussagen des Polizisten bestätigt. Und sie fasst zusammen, dass man auch schon mit sexuellen Übergriffen zu tun gehabt habe, die „frappierender“ gewesen seien. Verharmlosen solle man das Vorgehen des nunmehr 31-Jährigen aber keinesfalls.

Der Polizist ergänzt: Das Vorgehen des Erziehers seien einem Plan gefolgt, ein „roter Faden“ sei erkennbar gewesen.
Und Richterin Will fragt Naheliegendes: „Hat der Hort weggekuckt?“ Es hätte doch auffallen müssen, dass ein Mitarbeiter da regelmäßig außerhalb der Hortzeiten zugange sei. Erst später wollen Mitarbeiter Auffälligkeiten wahrgenommen habe, etwa, dass man gesehen habe, wie der Mann ein Kind am Arm gestreichelt habe. Erst in der Summe und mit dem Wissen wurden die Übergriffe bewusst.

Der Beamte antwortet auf die Frage, ob die Kinder zum Zeitpunkt der Vernehmung belastet gewirkt hätten. „Also, eigentlich nicht.“ Seine Erfahrung sei aber, dass so etwas später oft „wieder hochkommt“. Auf Fragen der Anwälte der Nebenkläger berichtet er allerdings von einem Kind, das geweint haben soll, als es vom Erzieher angeschrien worden sei.

Bei der Befragung geht es auch um ein pychologisches Gutachten, das einem Kind schlechte Perspektiven bescheinigte. Damit der Erzieher ja auch weiter intensiver mit ihm arbeiten musste, meint der Polizist. Von wem aber das Gutachten stammte, wer es veranlasst hatte, ist schlicht nicht bekannt. Kann da der Angeklagte vielleicht zur Klärung beitragen?

Antje Brandes, Anwältin der Nebenkläger, will nun wirklich wissen, wer das Gutachten veranlasst hat. Richterin Will kann auch nur raten, da den Gutachter zu fragen. Der müsste doch wissen, wer ihn beauftragt habe. Stellt sich die Frage, warum das die Polizei seinerseits nicht geklärt hat.

Update, 10.00 Uhr - Polizeibeamter berichtet vom Ermittlungsverfahren

Jetzt kommt ein Polizeibeamter zu Wort. Er soll berichten, wie das Ermittlungsverfahren ins Laufen kam, der Tatzeitraum von September 2019 bis November 2020 ist Gegenstand der Verhandlung. 2017 soll der Erzieher, so berichtet der Beamte, schon einmal übergriffig geworden sein. Ein Kind sollte sich damals ausziehen, hinstellen und sagen, wie es sich fühle, „auf einer Skala von eins bis zehn“.

„Polizeimäßiges Durchsuchen“, teilweise oder gänzliches Ausziehen, niederknien - das gehörte auch in dieser Zeit zum übergriffigen Verhalten des Erziehers. Andere Kinder sollen auch von Beleidigungen berichtet haben.

Die Richterin, Heike Will, interessiert sich dafür, wie sich das die Kinder gefallen ließen. Der Mann habe Vertrauen genossen, antwortet der Polizist. Und zwar das der Eltern wie das der Kinder im Integrationshort. Der Polizist berichtet ebenfalls von entsetzten Reaktionen von Eltern nach verschiedenen „Annäherungen“ des Erziehers. Der Mann sei, so hätten es die Eltern gesagt, bei ihnen und den Kindern sehr beliebt. Dass die Kinder an ihre Eltern nichts berichtet hätten, sei auch denkbar. Pubertierende Kinder oder Jugendliche hätten nicht immer das engste Verhältnis zu ihren Eltern, meint der Polizeibeamte.

Kinderpornographisches Material habe man bei Durchsuchungen und auf dem Mobiltelefon des Angeklagten nicht gefunden, erklärte der Beamte in seiner Aussage. Der Mann ging aber planmäßig vor. Man habe im Spind des Mannes in dem Integrationshort im Landkreis Rosenheim eine Liste sichergestellt, auf der die Namen von Kindern - die meisten von ihnen Geschädigte im Sinne der Gerichtsverhandlung - markiert gewesen seien.

Und noch etwas in einem „strafrechtlichen Graubereich“: Er schlich sich als Fußballscout in das Vertrauen einer Familie ein. Der Angeklagte verfolgt die Zeugenaussage mit gefalteten Händen, gebeugtem Rücken, mit unbewegter Miene.

Update, 09.40 Uhr - Der zweite Verhandlungstag beginnt

Im Landgericht Traunstein geht es nunmehr los. Gegen einen 31-jährigen Erzieher aus dem Landkreis Rosenheim wird verhandelt. Vorwurf: Sexueller Missbrauch von schutzbefohlenen Kindern. Gestern, am Dienstag, hat er die Vorwürfe durch seine Anwältin Eva Krötz einräumen lassen und seine Taten bedauert.

Den ersten Prozesstag finden Sie hier in der Ticker-Nachlese

Erstmeldung

Traunstein – Angeklagt ist der Mann (31) wegen mehr als 200 Fällen, in denen er Kinder sexuell missbraucht haben soll. Hinzu kommen Anklagepunkte wegen Körperverletzung und Urkundenfälschung. Seine Opfer sollen zwischen 6 und 14 Jahren alt gewesen sein. Zwischen September 2019 und November 2020 soll es zu den bestürzenden Taten gekommen sein.

Hier lesen Sie, was die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten zur Last legt.

+++ An dieser Stelle halten wir Sie über den Verlauf des ersten Prozesstages auf dem Laufenden. +++

Rubriklistenbild: © Weiser

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