Sechsspuriger A8-Ausbau: Bund Naturschutz äußert sich

"Es braucht keine sechsstreifige Rennstrecke durch den Chiemgau"

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Landkreis - Der sechsspurige Ausbau der A8 vom Chiemsee bis zur Landesgrenze scheint beschlossene Sache. Wie wird der Bund Naturschutz als Verfechter der 4+2-Variante darauf reagieren?

Die A8 vom Chiemsee bis zur österreichischen Landesgrenze wird sechsspurig ausgebaut. Nach langem Hin und Her ist dies so beschlossen worden und wird das Projekt nun weiter vorangetrieben. Die Meinungen dazu sind unterschiedlich. Viele sind erleichtert angesichts des Verkehrschaos, das regelmäßig in dem vierspurigen A8-Abschnitt herrscht. Doch es gibt auch kritische Stimmen.

"Mit dieser Entscheidung und den Reaktionen der lokalen Politik wird deutlich, dass die Politik sich nicht der Verantwortung und der Aufgaben der Zukunft - der Verhinderung der Klimakatastrophe - stellt", erklären Peter Kasperczyk, Beate Rutkowski und Rita Poser, die Vorsitzenden der Kreisgruppen Rosenheim, Traunstein und Berchtesgadener Land beim Bund Naturschutz, in einer gemeinsamen Stellungnahme.

Laut Klimaschutzplan 2050 soll bis 2030 im Sektor Verkehr der Treibhausgasausstoß von 160 auf weniger als 98 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxidäquivalente gesenkt werden. Das Ziel bis 2050 ein treibhausgasneutrales Europa zu erreichen, wird von Deutschland unterstützt. "Der gesunde Menschenverstand sollte doch Politikern sagen, dass Klimaschutz nicht mit einigen Elektroautos, mit E-Scootern und einem größerem Anteil von Lebensmitteln im Tank erreicht werden kann", sagen die Vorsitzenden der hiesigen Kreisgruppen.

A8-Ausbau: Beispiel bei Augsburg zeigt Problem

Vielmehr müssten die Anzahl der gefahrenen Kilometer und der Schadstoffausstoß pro Kilometer drastisch gesenkt werden. Diese Notwendigkeit müsse auch in der nächsten Verkehrsprognose berücksichtigt werden. "Es versteht sich von selbst: Zum Klimaschutz braucht es keine sechsstreifige Rennstrecke durch den Chiemgau", erklären Peter Kasperczyk, Beate Rutkowski und Rita Poser.

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Und führen als Beispiel für dieses Problem den sechsstreifigen Ausbau der A8 von München über Augsburg nach Ulm an. "Die Zahl der Verletzten bei Geschwindigkeiten von mehr als 130 km/h ist laut Polizeipräsidium Schwaben-Nord um 700 Prozent gestiegen, wenn man den Stand vor dem Autobahnausbau mit dem Jahr 2018 vergleicht", berichtet der Bayerische Rundfunk. "Deshalb befürwortet auch die Polizei ein zeitweises Tempolimit auf einigen Abschnitten der A8 zwischen Ulm und München."

Weil das so ist, sollen nun für rund 30 Millionen Euro auf Teilabschnitten der dortigen A8 sogenannte Verkehrsbeeinflussungsanlagen - also Schilderbrücken - installiert werden, deren Anzeige variabel gesteuert werden kann. Dies soll passieren, um die Trasse wieder sicherer für den Verkehr zu machen. Ein Paradoxon.

A8-Ausbau: Vorschlag vom Bund Naturschutz für 4+2-Variante

Der Bund Naturschutz fordert hingegen einen Ausbau, der den Belangen der Anwohner, des Klimaschutzes, der Natur und der Verkehrssicherheit den Vorrang gibt - vor den Wünschen nach einer Rennstrecke. Und schlägt eine Alternative zur 6+2-Variante vor.

Diese behält die vierspurige Autobahn prinzipiell bei - plus zusätzliche Standstreifen, Tempolimit und gegebenenfalls Lkw-Spuren an Steigungen. "Diese Alternative steht im Einklang mit dem Bodenschutzgesetz, spart Flächen und nimmt Rücksicht auf die einzigartige Voralpenlandschaft, eine der schönsten Landschaften Deutschlands", erläutert die beiden Vorsitzenden des Bundes Naturschutz.

A8-Ausbau: Möglichkeiten nutzen für Verbesserungen

Hinzu kommt, dass mit dem 4+2-Ausbau auch erhebliche Kosten eingespart werden könnten - ein Fakt, den auch der Bundesrechnungshof und der Rechnungsprüfungsausschuss des deutschen Bundestages anprangern. Der Ausbau wäre laut Bund Naturschutz so auch einfacher zu finanzieren und könne früher umgesetzt werden als bei der großen 6+2-Variante. Folglich wären auch die absolut notwendigen Standstreifen früher vorhanden.

"Die eingesparten Mitteln könnten zum Wohle der Anwohner und Touristen zur Finanzierung von wirksamen Lärmschutzmaßnahmen verwendet werden", heißt es. "Der Bund Naturschutz wird alle Möglichkeiten nutzen, die zu mehr Klima- und Umweltschutz, zu Verbesserungen für die Anwohner und zu mehr Verkehrssicherheit führen."

ksl

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