Das sagen Politiker zum A8-Ausbau - Teil 1

"Unverschämtheit gegenüber Anwohnern, die massiv unter Lärmbelastung leiden"

+
  • schließen

Landkreis - Sechsspurig soll die A8 werden, Standstreifen erhalten und generell für die Zukunft fit gemacht werden. Dennoch wird weiter über Sinn und Unsinn des Ausbaus diskutiert. Wir haben Politiker der Region nach ihrer Meinung gefragt. Heute: MdB Daniela Ludwig (CSU).

Der geplante A8-Ausbau spaltet die Region. Und das nicht nur landschaftlich, sondern auch menschlich. Viele sind für einen sechsspurigen Komplettausbau plus Standstreifen, viele würden aber auch den Ausbau der vierspurigen Autobahn und den Anbau von Standstreifen an die vorhandene Trasse befürworten.

Wie positionieren sich Bundestags- und Landtagsabgeordnete der Region zu dem Projekt? Wir haben nachgefragt.

Heute: Die CSU-Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig

Wie oft sind Sie selbst auf der A8 zwischen München und Landesgrenze zu Österreich unterwegs? Welche Erfahrungen haben Sie auf der Strecke gemacht? Haben Sie dabei schon mal im Stau gestanden?

Weitere Informationen

Ludwig: In der Zeit, in der ich im Wahlkreis bin, bin ich normalerweise drei bis viermal pro Woche auf der A8 unterwegs. Insofern kenne ich die schwierige Verkehrssituation dort aus eigener Erfahrung. Die Autobahn ist zu fast allen Tageszeiten voll und Staus und Behinderungen stehen leider regelmäßig auf der Tagesordnung. Die hohe Verkehrsbelastung, die baulichen Mängel sowie der nicht ausreichende Lärmschutz an der A8 sind absolut nicht tragbar und gehen zu Lasten der Verkehrssicherheit sowie der Anwohner. Deshalb muss dort unbedingt etwas getan werden!

Der Bundesrechnungshof hat jüngst angemerkt, dass ein vierspuriger Ausbau samt zuschaltbaren Standstreifen für den Bereich Chiemsee-Landesgrenze/Salzburg ausreichend sei angesichts der Verkehrsbelastung dort. Halten Sie einen vierspurigen Ausbau der A8 zwischen Chiemsee und Landesgrenze mit zuschaltbaren Standstreifen, zum Beispiel bei viel Verkehr in der Ferienzeit, für ausreichend? Zum Beispiel wenn ein Tempolimit mit 120 oder 130 km/h eingerichtet würde?

Ludwig: Diese Forderung des Bundesrechnungshofs halte ich für absolut falsch, denn sie geht vor allem zu Lasten der Verkehrssicherheit und zeugt von örtlicher Unkenntnis. Derzeit beträgt die Spitzenbelastung bei Rosenheim 100.000 Fahrzeuge, bei Felden rund 95.000 Fahrzeuge und an der Bundesgrenze bei Bad Reichenhall 86.500 Fahrzeuge. Diese hohen Zahlen sprechen für sich und in Zukunft ist noch mit einer weiter steigenden Verkehrsbelastung zu rechnen. Außerdem argumentiert der Bundesrechnungshof, dass bei dieser Variante Kosten beim Lärmschutz eingespart werden können, was ich für eine Unverschämtheit gegenüber den Anwohnern halte, die massiv unter der Lärmbelastung leiden. Daran dürfen wir nicht sparen!

Welche Argumente sprechen aus Ihrer Sicht für einen sechsspurigen Ausbau der A8 zwischen Inntaldreieck und Salzburg? Können Sie die Argumente der 4+2-Befürworter nachvollziehen, zum Beispiel in puncto Flächenverbrauch?

Ludwig: Ein sechsstreifiger Ausbau mit Seitenstreifen sorgt für ein hohes Maß an Verkehrssicherheit und verhindert Staus, Verkehrsbehinderungen und Unfälle, die beim derzeitigen Zustand der A8 leider ständig auf der Tagesordnung stehen. Deshalb muss die Verkehrssicherheit bei den Planungen absolute Priorität haben. Dabei setze ich mich natürlich auch für einen umwelt- und landschaftsbildschonenden Ausbau ein, der bei den Planungen ebenfalls berücksichtigt wurde.

Auch der Bundesrechnungshof argumentiert gegen einen sechsspurigen Ausbau plus Standstreifen zwischen Inntaldreieck und Salzburg. Dadurch könnten Kosten in Höhe von 110 Millionen Euro eingespart werden. Halten Sie das nicht für ein lohnenswertes Ziel?

Ludwig: Natürlich müssen auch beim Infrastrukturausbau die Kosten im Auge behalten werden. Ich halte es aber für falsch, beim Ausbau der A8 an der Verkehrssicherheit oder am Lärmschutz zu sparen. Darüber hinaus muss der Ausbau auch künftigen Entwicklungen standhalten, die vor allem von einem weiter steigenden Verkehrsaufkommen geprägt sein werden. Das bei der Planung zu berücksichtigen, ist Handeln im Sinne der Steuerzahler und einer nachhaltigen Verkehrspolitik.

Die Region lebt ja auch von der Natur, den Bergen und folglich den Besuchern, die hierher kommen. Sehen Sie den Faktor Tourismus beziehungsweise Attraktivität der Region gefährdet, wenn eine moderne sechsspurige Autobahn eine Art Schneise hindurchschlägt?

Ludwig: Im Gegenteil. Tourismus und Infrastruktur sind immer eng verbunden. Der Einfluss auf Umwelt und Landschaft muss natürlich bei den Planungen möglichst gering gehalten werden. Gleichzeitig ist Tourismus aber auf eine gute Verkehrsanbindung angewiesen. Die A8 ist deshalb für die Region Oberbayern von essenzieller Bedeutung. Der sechsstreifige Ausbau mit Seitenstreifen würde dafür sorgen, dass Touristen sicher und zügig an ihr Reiseziel kommen, wovon der Tourismus in der Region profitieren würde. Außerdem würden die Tourismusorte entlang der A8 vom Ausweichverkehr im Fall von Staus entlastet werden, während sie vom Ausbau nicht negativ beeinträchtigt würden. Insofern gehe ich davon aus, dass der Tourismus in der Region von einem verkehrssicheren und landschaftsbildschonenden Ausbau der A8 auf sechs Streifen sogar profitieren würde. Wir dürfen hier übrigens nicht nur an den Tourismus denken. Auch die Wirtschaft ist auf eine funktionierende Infrastruktur angewiesen.

Wie dringend ist der Handlungsbedarf an der bestehenden A8 zwischen Chiemsee und Landesgrenze aus Ihrer Sicht?

Ludwig: Aus meiner Sicht müssen wir den Ausbau so schnell wie möglich umsetzen, damit die Verkehrssituation sich zügig verbessert. Insofern begrüße ich es sehr, dass der Abschnitt zwischen Inntaldreieck und Bernau bereits in der Planfeststellung für einen sechsstreifigen Ausbau ist. Für das restliche Teilstück bis zur Bundesgrenze setze ich mich dafür ein, dass die Planungen ebenfalls zeitnah aufgenommen werden.

Wie sieht Ihre Wunschvorstellung von der A8 aus? Was muss Ihrer Meinung nach an der Strecke unbedingt verbessert werden?

Ludwig: Ich setze mich klar für einen sechsstreifigen Ausbau mit Seitenstreifen ein, der auf die umgebende Umwelt und Landschaft Rücksicht nimmt. Das bedeutet für mich vor allem auch einen umfassenden Lärmschutz für die Anwohner, der derzeit noch an vielen Stellen mangelhaft ist. Deshalb werde ich mich wo immer nötig und umsetzbar für Lärmschutzwände oder Einhausungen einsetzen! Im Abschnitt zwischen Rosenheim und Bernau haben wir dank eines vorbildlichen Planungsdialoges, der bundesweit Pilotcharakter hatte, bereits mehr Lärmschutz erreicht, als gesetzlich vorgeschrieben ist. So wird in Frasdorf die Autobahn um fünf Meter abgesenkt. Die Ausfahrt wird nach Osten verlegt. Durch die Verlegung der Ausfahrt sind mehr Lärmschutzwände für nahe gelegene Häuser möglich. Der Lärmschutz wird mit einer Einhausung und Galerien auf einer Länge von 900 Metern stark verbessert. Die Absenkung ermöglicht es, dass die beiden Staatsstraßen, die unter der Autobahn hindurch laufen, in Zukunft als Überführung die A8 queren. In der Gemeinde Rohrdorf wird im Bereich von Achenmühle statt der geplanten 400 Meter langen Galerie eine 800 Meter lange galerieartige Abschirmung geplant. Hier hat die Autobahndirektion Südbayern noch einmal nachgebessert und die Wand von sieben auf acht Meter erhöht. Ich bedanke mich hier noch einmal ausdrücklich bei den Bürgerinitiativen für die hervorragende und konstruktive Mitarbeit.

ksl

Zurück zur Übersicht: Landkreis Rosenheim

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser