DAS SAGEN POLITIKER ZUM A8-AUSBAU - TEIL 4

"Ein vierspuriger Ausbau birgt einige gravierende Nachteile"

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Otto Lederer (47) ist verheiratet und hat drei Kinder. Der Gymnasiallehrer ist seit 2013 Mitglied im bayerischen Landtag.
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Landkreis - Sechsspurig soll die A8 werden, Standstreifen erhalten und generell für die Zukunft fit gemacht werden. Dennoch wird weiter über Sinn und Unsinn des Ausbaus diskutiert. Wir haben Politiker der Region nach ihrer Meinung gefragt. Heute: MdL Otto Lederer (CSU).

Der geplante A8-Ausbau spaltet die Region. Und das nicht nur landschaftlich, sondern auch menschlich. Viele sind für einen sechsspurigen Komplettausbau plus Standstreifen, viele würden aber auch den Ausbau der vierspurigen Autobahn und den Anbau von Standstreifen an die vorhandene Trasse befürworten.

Wie positionieren sich Bundestags- und Landtagsabgeordnete der Region zu dem Projekt? Wir haben nachgefragt.

Heute: Der CSU-Landtagsabgeordnete Otto Lederer

Wie oft sind Sie selbst auf der A8 zwischen München und Landesgrenze zu Österreich unterwegs? Welche Erfahrungen haben Sie auf der Strecke gemacht? Haben Sie dabei schon mal im Stau gestanden?

Die meiste Zeit pendle ich mit dem Zug zwischen Rosenheim und München. Ich bin somit nicht wöchentlich mit dem Auto auf der A8 unterwegs. Dennoch stand auch ich auf diesem Streckenabschnitt schon im Stau und wie man den Rundfunk-Verkehrsnachrichten entnehmen kann, kommt ein solcher Stau auch regelmäßig wegen Pannenfahrzeugen oder Unfällen vor. Vor diesem Hintergrund ist dieser Streckenabschnitt aufgrund der fehlenden Seitenstreifen sehr gefährlich. Bauliche Maßnahmen sind somit dringend notwendig!

Der Bundesrechnungshof hat jüngst angemerkt, dass ein vierspuriger Ausbau samt zuschaltbaren Standstreifen für den Bereich Chiemsee-Landesgrenze/Salzburg ausreichend sei angesichts der Verkehrsbelastung dort. Halten Sie einen vierspurigen Ausbau der A8 zwischen Chiemsee und Landesgrenze mit zuschaltbaren Standstreifen, zum Beispiel bei viel Verkehr in der Ferienzeit, für ausreichend? Zum Beispiel wenn ein Tempolimit mit 120 oder 130 km/h eingerichtet würde?

Weitere Informationen

Wer schon einmal auf der A8 von München nach Salzburg gefahren ist, weiß, wie hoch das Verkehrsaufkommen ist. Dieses könnte in den nächsten Jahren sogar noch steigen. Aus diesem Grund ist ein Ausbau der A8 dringend notwendig. Dadurch erhöht sich nicht nur die Kapazität, sondern auch die Sicherheit für die Verkehrsteilnehmer. Ein vierspuriger Ausbau birgt jedoch einige gravierende Nachteile. So kann insbesondere unter einem 4+2-Ausbau kein vollumfänglicher Lärmschutz für Anwohner in Aussicht gestellt werden.

Welche Argumente sprechen aus Ihrer Sicht für einen sechsspurigen Ausbau der A8 zwischen Inntaldreieck und Salzburg? Können Sie die Argumente der 4+2-Befürworter nachvollziehen, zum Beispiel in puncto Flächenverbrauch?

Jede Entscheidung bringt ihre Vor- und Nachteile mit sich. Diese müssen grundsätzlich gegeneinander abgewogen werden. Die Argumente für einen 4+2-Ausbau der A8, wie zum Beispiel ein höherer Flächenverbrauch, müssen deshalb natürlich berücksichtigt werden. Es ist jedoch mehr als berechtigt zu fragen, ob ein 6+2-Ausbau nicht doch sinnvoller ist. Denn nur so kann eine zukunftsfähige Lösung geschaffen werden, die eine Zunahme der Verkehrsbelastung berücksichtigt und den bestmöglichen Schutz der Anwohner gewährleistet.

Auch der Bundesrechnungshof argumentiert gegen einen sechsspurigen Ausbau plus Standstreifen zwischen Inntaldreieck und Salzburg. Dadurch könnten Kosten in Höhe von 110 Millionen Euro eingespart werden. Halten Sie das nicht für ein lohnenswertes Ziel?

Die Kosten sind ein wichtiger Faktor und bei der Beurteilung jeder Variante zu berücksichtigen. Aus meiner Sicht sollte jedoch nicht am falschen Ende gespart werden. Bei der Beurteilung der verschiedenen Varianten sollten die Vorteile für Anwohner in punkto Lärmschutz stärker gewichtet werden, denn sie müssen tagtäglich mit den Auswirkungen der Autobahn leben. Darüber hinaus dürfen die stark verbesserte Verkehrssicherheit und die deutlich erhöhte Leistungsfähigkeit dieser Ausbauvariante keinesfalls außer Acht gelassen werden.

Die Region lebt ja auch von der Natur, den Bergen und folglich den Besuchern, die hierherkommen. Sehen Sie den Faktor Tourismus beziehungsweise Attraktivität der Region gefährdet, wenn eine moderne sechsspurige Autobahn eine Art Schneise hindurchschlägt?

Unsere Region mit ihrer schönen Landschaft und Natur ist etwas ganz Besonderes und sollte bestmöglich bewahrt werden. Die bestehende Autobahn hat aber bereits eine trennende Wirkung. Ein Ausbau könnte jedoch stellenweise den Vorteil bringen, dass mit diversen Maßnahmen wie Galerien, Tieferlegungen oder Grünbrücken die Einbindung in die Landschaft verbessert wird. Des Weiteren bedingen sich aus meiner Sicht Tourismus und Infrastruktur. Mit einem sechsspurigen Ausbau der A8 wird es weniger Stau geben, dadurch auch weniger Umfahrungsverkehr, Verkehrslärm und Abgase. Dies kommt nicht nur den Touristen, sondern insbesondere auch den Menschen in der Region zugute.

Wie dringend ist der Handlungsbedarf an der bestehenden A8 zwischen Chiemsee und Landesgrenze aus Ihrer Sicht?

Bei der angesprochenen Strecke handelt es sich um einen der ältesten Autobahnabschnitte in Deutschland. Hier sehe ich grundsätzlich einen hohen Handlungsbedarf, um die Verkehrsbedingungen, zum Beispiel hinsichtlich der Sicherheit, an die heutigen Standards schnellstmöglich anzupassen.

Wie sieht Ihre Wunschvorstellung von der A8 aus? Was muss Ihrer Meinung nach an der Strecke unbedingt verbessert werden?

Hier kann ich nur noch einmal wiederholen, dass durch einen 6+2-Ausbau der A8 vieles deutlich verbessert werden kann. Dies betrifft hauptsächlich die Sicherheit für Verkehrsteilnehmer und Rettungskräfte, den Lärmschutz für Anwohner sowie die Leistungsfähigkeit dieses Autobahnabschnitts.

ksl

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