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DAS SAGEN POLITIKER ZUM A8-AUSBAU - TEIL 7

"Hilferufe von Rettungskräften an der Strecke nicht vernachlässigen"

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Michael Linnerer (38) kommt aus Pfraundorf/Raubling, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Der Diplom-Informatiker will im Oktober in den Landtag gewählt werden.
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Landkreis - Sechsspurig soll die A8 werden, Standstreifen erhalten und generell für die Zukunft fit gemacht werden. Dennoch wird weiter über Sinn und Unsinn des Ausbaus diskutiert. Wir haben Politiker der Region nach ihrer Meinung gefragt. Heute: Landtagskandidat Michael Linnerer (FDP).

Der geplante A8-Ausbau spaltet die Region. Und das nicht nur landschaftlich, sondern auch menschlich. Viele sind für einen sechsspurigen Komplettausbau plus Standstreifen, viele würden aber auch den Ausbau der vierspurigen Autobahn und den Anbau von Standstreifen an die vorhandene Trasse befürworten.

Wie positionieren sich Bundestags- und Landtagsabgeordnete der Region zu dem Projekt? Wir haben nachgefragt.

Heute: Der FDP-Landtagskandidat und Initiator des A8-Stautagebuchs Michael Linnerer

Wie oft sind Sie selbst auf der A8 zwischen München und Landesgrenze zu Österreich unterwegs? Welche Erfahrungen haben Sie auf der Strecke gemacht? Haben Sie dabei schon mal im Stau gestanden?

Als Anwohner der A8 in Pfraundorf beziehungsweise Raubling nutze ich die A8 nicht nur zum beruflichen Pendeln, sondern auch im privaten Umfeld, wenn es zum Beispiel zum Tauchen an den Attersee geht. Im Stau stehe ich dabei häufig, das war ja auch einer der ausschlaggebenden Punkte, warum ich die Facebook-Community StautagebuchA8 gegründet habe, um dadurch für Transparenz zu sorgen, wie viele Stautage es denn wirklich sind.

Der Bundesrechnungshof hat jüngst angemerkt, dass ein vierspuriger Ausbau samt zuschaltbaren Standstreifen für den Bereich Chiemsee-Landesgrenze/Salzburg ausreichend sei angesichts der Verkehrsbelastung dort. Halten Sie einen vierspurigen Ausbau der A8 zwischen Chiemsee und Landesgrenze mit zuschaltbaren Standstreifen, zum Beispiel bei viel Verkehr in der Ferienzeit, für ausreichend? Zum Beispiel wenn ein Tempolimit mit 120 oder 130 km/h eingerichtet würde?

Weitere Informationen

Als Mr. Stautagebuch habe ich - unterstützt durch die großartige Facebook-Community StautagebuchA8 - in einer engagierten und qualifizierten Aktion transparent aufgezeigt, dass der sechsspurige Ausbau der A8 komplett von München bis nach Salzburg notwendig ist. Unsere gemessenen und aufs Jahr hochgerechneten 139 Stautage auf dem Abschnitt Bernau am Chiemsee bis Piding zeigen deutlich auf, dass die Diskussion zum Abfedern von Verkehrsspitzen das reale Problem nicht löst. Dieser Autobahnabschnitt ist bereits durch den täglichen Kraft- und Pendlerverkehr überlastet. Eine Lösung, die nur dafür sorgt, Verkehrsspitzen zu bewältigen, wie die 4+2-Lösung, kann deshalb lediglich als Übergangslösung betrachtet werden. Es muss der sechsspurige Ausbau der A8 gleichzeitig und beschleunigt vorangetrieben werden. Nebenbei bemerkt, stellt sich mir die Frage, wie der vom Bundesrechnungshof gewünschte Übergang einer sechsspurigen Autobahn auf eine vierspurige Autobahn auf Höhe Chiemsee funktionieren soll? Verlässt dann ein Teil des Verkehrs die Autobahn und verstopft die sowieso schon geografisch und verkehrstechnisch sehr begrenzten Landstraßen?

Welche Argumente sprechen aus Ihrer Sicht für einen sechsspurigen Ausbau der A8 zwischen Inntaldreieck und Salzburg? Können Sie die Argumente der 4+2-Befürworter nachvollziehen, zum Beispiel in puncto Flächenverbrauch?

Der von uns transparent nachgewiesene Verkehr spricht klar für den sechsspurigen Ausbau dieser über 80 Jahre alten Autobahn. Bedenken bezüglich des Flächenverbrauchs kann auch ich verstehen. Deshalb ist es besonders wichtig, Verkehrsinfrastrukturprojekte transparent zu durchleuchten und öffentlich zu diskutieren. Sinnvolle, zusammenhängende und ökologisch wertvolle Ausgleichsflächen können ausgewiesen werden und mit Naturschutzprojekten wie Insektenweiden und Streuobstflächen verbunden werden. Bei Verkehrsprojekten muss der Grundgedanke lauten: "Notwendige Projekte – Bedarf transparent nachgewiesen - müssen zügig durchgeführt werden und Projekte, bei denen der Bedarf nicht transparent aufgezeigt werden kann, müssen verworfen werden".

Auch der Bundesrechnungshof argumentiert gegen einen sechsspurugen Ausbau plus Standstreifen zwischen Inntaldreieck und Salzburg. Dadurch könnten Kosten in Höhe von 110 Millionen Euro eingespart werden. Halten Sie das nicht für ein lohnenswertes Ziel?

In dem Bericht wird der Bedarf eines sechsspurigen Ausbaus vom Inntal bis zum Chiemsee aufgeführt, aber anschließend bis zur österreichischen Grenze wird dieser Bedarf vom Bundesrechnungshof nicht mehr gesehen! Solange die Wirtschaftlichkeit, die der Bundesrechnungshof für die Ausbaustrecke mit lediglich 26 Tagen Überbelastung im Jahr berechnet, nicht gegeben ist, sieht der Bundesrechnungshof das oben angegebene Einsparungspotential. Mit den nun festgestellten mindestens 139 Stautagen im Jahr ist die Wirtschaftlichkeit aus unserer Sicht durchaus gegeben. Den weiteren Punkt, dass auf Höhe Chiemsee dann eine sechsspurige Autobahn auf eine vierspurige Autobahn trifft, habe ich bereits erörtert. Das verdeutlicht auch, dass die verantwortlichen Mitglieder des Bundesrechnungshofes anscheinend die örtlichen und geografisch Besonderheiten in unserer Heimat nicht ausreichend analysiert haben.

Die Region lebt ja auch von der Natur, den Bergen und folglich den Besuchern, die hierher kommen. Sehen Sie den Faktor Tourismus beziehungsweise Attraktivität der Region gefährdet, wenn eine moderne sechsspurige Autobahn eine Art Schneise hindurchschlägt?

Im Gegenteil. Für Tourismuszentren ist eine gute Verkehrsanbindung in die Touristenregionen wie auch zwischen den Touristenregionen genauso wichtig wie ein reiches abwechslungsreiches Erlebnis- und Sportangebot. Viele Touristen verbinden verschiedenste Erlebnisse sehr mobil miteinander. Zusammenhängende Urlaubserlebnisse wie ein Besuch im Salzbergwerk Berchtesgaden, Schifffahrt zum Schloss Herrenchiemsee, die Mozart-Stadt Salzburg und ein Ausflug zum Hexenwasser in Tirol sind heute keine Seltenheit mehr, sondern zeigen auf, dass Urlauber und Touristen Ihre Aufenthalte immer mobiler gestalten wollen.

Wie dringend ist der Handlungsbedarf an der bestehenden A8 zwischen Chiemsee und Landesgrenze aus Ihrer Sicht?

Es besteht sofortiger Handlungsbedarf. Haben wir bisher viel über Pendler und Tourismus gesprochen, darf man auch die Hilferufe von Rettungs- und Sicherheitskräften entlang dieses Streckenabschnittes nicht vernachlässigen. Auch sie brauchen dringend eine gute Verkehrsanbindung. Bei Rettungseinsätzen auf diesem Streckenabschnitt riskieren zum Beispiel freiwillige Feuerwehrleute und Sanitäter ihr Leben, weil es vermehrt zu kritischen Situationen auf den vierspurigen Straßenabschnitten kommt. Die über 80 Jahre alte Autobahn erfüllt schon lange nicht mehr die Vorgaben einer modernen und sicheren Autobahn. Die Forderung der Rettungs- und Hilfskräfte nach einem sicheren und modernen sechsspurigen Ausbau muss ebenfalls gehört werden. Daneben gibt es noch zahlreiche lokal ansässige Firmen und Touristikunternehmen, für die ein Ausbau der A8 zwingend und zukunftsweisend gefordert wird.

Wie sieht Ihre Wunschvorstellung von der A8 aus? Was muss Ihrer Meinung nach an der Strecke unbedingt verbessert werden?

Die Strecke muss für Rettungs- und Sicherheitskräfte sowie für alle Fahrer auf der Strecke die größtmögliche Sicherheit bieten, das heißt es müssen hier modernste Sicherheitsstandards gelten. Die Strecke selbstverständlich so ausgestaltet werden, dass ein reibungsloser und fließender Verkehr gewährleistet ist. Zusammengefasst: Eine moderne sechsspurige Autobahn ist auf einer der wichtigsten europäischen Verkehrsadern dringend geboten.

ksl

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