„Der Aufwand ist enorm“

Angebot von kostenlosen Schnelltests stellt Apotheker in der Region vor Probleme

Mit dem Stäbchen in die Nase: Vereinzelte Apotheker planen die Einführung von kostenlosen Schnelltests.
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Mit dem Stäbchen in die Nase: Vereinzelte Apotheker planen die Einführung von kostenlosen Schnelltests.

Schutzanzüge, Genehmigungen und geschultes Personal. Die von der Bundesregierung angekündigten kostenlosen Schnelltests bringen die Apotheker in der Region an ihre Grenzen.

Landkreise – Einen kostenlosen Schnelltest pro Woche kündigte die Bundesregierung an und nahm dafür neben den Testzentren und Ärzten auch die Apotheken in die Pflicht. Doch die Planung und Organisation von neuen Teststationen ist kompliziert und verlangt den Apothekern in der Region einiges ab. Viele Inhaber reagieren daher mit Vorsicht auf die Etablierung des kostenlosen Angebots und setzten auf die Entwicklung von zentralen Teststellen.

Großer Aufwand für die Inhaber

„Wir bräuchten zunächst einmal einen passenden Raum, mindestens zwei geschulte Mitarbeiter, die notwendige Schutzausrüstung, die Schnelltests selbst und einen offiziellen Auftrag des Landratsamtes“, zählt Ulrike Bayer, die Leiterin der Linden- und Frühlings-Apotheke in Bad Aibling, auf. Auch wenn sie das Testen als wichtige zweite Strategie neben dem Impfen ansieht, wäre der Aufwand für die meisten Apotheken in der Region einfach zu groß.

Aus diesem Grund haben sich die Bad-Aiblinger Apotheker zusammengetan, um eine zentrale Teststraße auf den Weg zu bringen, wie Mathias Schmid, Inhaber der Sebastian Apotheke, betont. Zusammen mit der Stadt, der Aiblinger Kur- und Tourismus Gesellschaft „Aib-kur“ sowie den regionalen Ärzten soll eine zentrale Anlaufstelle entstehen, an dem man den kostenlosen Nasenabstrich anbieten kann.

Als Standort seien derzeit drei Orte im Gespräch, sagt Thomas Jahn, Geschäftsführer der Aib-Kur. Er favorisiert den Bahnhof. Denn dieser sei mitten in der Stadt und wäre daher für jeden schnell zu erreichen. Wann die Teststraße fertig sein soll, stehe derzeit noch nicht fest. Für Jahn jedoch am besten „so schnell wie möglich.“

Viele Stationen in der Region kaum vorstellbar

Eine Vielzahl an möglichen Teststationen sieht auch Dominik Simon, Inhaber der Heilig-Geist-Apotheke in Rosenheim, kritisch - sowohl rechtlich als auch organisatorisch. Er versuche dennoch, der vom Bund angekündigten Verantwortung gerecht zu werden.

Innerhalb der nächsten ein bis zwei Wochen wäre es eventuell möglich, zu bestimmten Zeiten an der Heilig-Geist-Apotheke kostenlose Test zu ermöglichen. Allerdings sieht auch er das Problem, dass viele Apotheken neben ihrer eigentlichen Arbeit nicht genügend Zeit und vor allem Platz haben, um das Zusatzangebot stemmen zu können.

Dr. Signe Faber, Leiterin der Optymed-Apotheke an der alten Spinnerei in Kolbermoor, gibt außerdem zu bedenken, dass man auch erst einmal die Nachfrage nach den Schnelltests ergründen müsse. Schließlich habe man in Rosenheim mit der Loretowiese ein gut funktionierendes Zentrum für PCR-Tests, an das sich die Einwohner wenden können.

Trotz erheblichem Organisationsaufwand könnte man aber laut dem Inhaber der Optymed-Apotheken, Thomas Riedrich, in Räumen außerhalb der Apotheke Tests vornehmen. Da allerdings noch nicht alle Fragen und Parameter geklärt seien, werde er im Moment keine Durchführung von Schnelltests anbieten.

In Haag wird bereits getestet

In Mühldorf hat man sich währenddessen bereits organisiert. Der Verbund von drei Apotheken in Haag und Gars hat ein ehemaliges chinesisches Restaurant in ein Schnelltestzentrum umgewandelt und bietet dort täglich von 7.30 bis 18 Uhr, samstags und sonntags von 10 bis 12 Uhr, kostenlose Abstriche an.

Nur wenige Zentren in Planung

Auch in Prien ist man an der Katharinen-Apotheke bereits dabei, einen Platz zum Testen zu schaffen, wie der dortige Apotheker Peter Duschek, versichert. Allerdings sei man erst noch mitten in der Planungsphase, weshalb es bis zum Angebot noch gut zwei Wochen dauern kann.

In einem Punkt sind sich die Apotheker in der Region jedenfalls einig: Solange die Förderung durch den Bund und die Nachfrage an Tests nicht geklärt ist, werden zunächst einmal nur vereinzelte Apotheken zum kostenlosen Schnelltestzentrum ausgebaut werden.

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