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Brenner-Nordzulauf:

Hier könnten die Gleise verlaufen - Bahn stellt Grobtrassenentwürfe vor

v.l.: Die Projektleiter Torsten Gruber und Martin Gradnitzer
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Rosenheim - Seit 1985 ist der Brenner-Nordzulauf durch das Inntal bereits im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans. Nun geht es ans Eingemachte. Die Bahn wird noch im Juni die Grobtrassenentwürfe präsentieren.

UPDATE, 18. Juni, 17:30 Uhr:

DB und ÖBB haben am 18. Juni 2018 die ersten Entwürfe von Grobtrassen vorgestellt. Gemeinsam mit Vertretern der Region suchen Bahnvertreter die gesamthaft beste Trassenführung für eine Neubaustrecke. 

Im Hinblick auf den bereits in Bau befindlichen Brenner Basistunnel auf der bedeutendsten europäischen Nord-Süd-Verkehrsachse von Skandinavien nach Italien sind Bahn und Politik der Meinung, dass nur zwei zusätzliche Gleise die nötigen Kapazitäten langfristig sichern können. Am Montagabend starteten DB und ÖBB mit ersten Vorschlägen für Grobtrassen die Diskussion mit der Projektregion, wo eine neue Bahnstrecke entlangführen könnte. Der Planungsbereich erstreckt sich vom österreichischen Inntal, südlich von Kufstein über Rosenheim in Richtung München. Bis Anfang 2020 möchten die Bahnen im Dialog mit den 25 Gemeinden eine Auswahl getroffen haben.

„Zunächst geht es um grobe Entwürfe. Diese Planungen müssen nun in der zweiten Phase verfeinert werden und die Mitglieder in den Gemeindeforen können im Lauf des Dialogs weitere Trassenideen einbringen“, so Torsten Gruber, DB-Projektleiter. „Möglicherweise kommt am Ende eine Trasse heraus, die heute noch gar nicht als Idee existiert. Der Prozess ist offen“, verweist ÖBB-Projektleiter Martin Gradnitzer auf Erfahrungen von vergleichbaren Projekten in Österreich. Auf Basis des österreichischen Rahmenplans und im Auftrag des deutschen Bundesverkehrsministeriums planen DB und ÖBB seit 2015 eine zweigleisige Neubaustrecke für den Güter- und Personenfernverkehr ausgelegt auf bis zu 400 Züge in beiden Richtungen. „In den kommenden eineinhalb Jahren wollen wir diejenige Trasse finden, die am besten den Bedürfnissen von Mensch, Umwelt und auch den Erfordernissen eines modernen Bahnbetriebes entspricht", so Gruber. In der ersten Phase hatten die sechs Gemeindeforen, die den Mittelpunkt des Trassenauswahlverfahrens darstellen, einen Kriterienkatalog erstellt. Parallel dazu haben die Bahn-Planer sogenannte Raumwiderstände, also vor allem Siedlungen und Naturschutzgebiete erhoben und die Räume dazwischen in Gestalt von Korridoren verknüpft. In diesen Bereichen finden sich nun die ersten Grobtrassen wieder.

Auf der Karte sehen Sie die Entwürfe:

Das sind die ersten Grobtrassenentwürfe zum Brenner-Nordzulauf

Viele Umweltaspekte werden berücksichtigt - Tunnelanteile erkennbar 

Die ersten Entwürfe zu den fünf bis sieben Grobtrassen – je nach Abschnitt – sind der Auftakt für die Trassendiskussion in den Foren. Ein Blick auf die Karte lässt erkennen wie aufgrund der Topographie und der Siedlungsräume Trassenabschnitte in Tunnels verlaufen könnten. Denkbar sind beim derzeitigen Planungsstand Trassenverläufe sowohl östlich wie westlich von Rosenheim und des Inns. Die anfänglichen Grobtrassen zeigen auch Bereiche im Inntal und rund um Rosenheim, die auf den ersten Blick nicht tangiert werden. Martin Gradnitzer und Torsten Gruber: „Wir erwarten, dass viele Ängste und Sorgen weichen werden, weil wir nun – ganz anders als bisher – sehr konkret über einzelne Bereiche sprechen können.“ Dabei geht es um die vielfältigen Beziehungen und Auswirkungen auf Mensch und Umwelt, auf die Wirtschaft und den Verkehr. Aspekte wie Landwirtschaft, Trinkwasser und Tourismus, so stellte sich in den bisherigen Gesprächen heraus, sind für viele Menschen vor Ort von zentraler Bedeutung.

Info-Kampagne startet 

Die Bahnen starten nun eine Serie von Planausstellungen, um den Menschen in der Region die aktuellen Entwürfe für Grobtrassen, deren Entstehung und die weitere Arbeit zu erläutern. Nach dem Auftakt am Montag in Rosenheim folgen 15 Veranstaltungen in den österreichischen und deutschen Gemeinden. Zu sehen gibt es die Trassenpläne auch im Infobüro in Rosenheim.

Wie geht es weiter?

Möglicherweise verlaufen einzelne erste Entwürfe von diesen Grobtrassen über Gebäude, Schutzgebiete oder Flächen. Das bedeutet aber nicht, dass schon heute feststeht, ob dort die neue Strecke tatsächlich gebaut wird. Bis dahin ist es noch ein langer Weg: Bisher haben wir mit den Vertretern der Region viele grundlegende Themen besprochen. Ab jetzt wird über konkretere Lösungen geredet.

In den Gemeindeforen diskutieren wir die ersten Entwürfe von Grobtrassen. Dabei können auch ganz neue Vorschläge für mögliche Trassen eingebracht werden. Im gesamten kommenden Jahr werden die Varianten diskutiert, angepasst und eine reduzierte Anzahl auch vertieft geplant. Anfang 2020 wollen wir die gemeinsame Trassenempfehlung für die Neubaustrecke präsentieren.

Vorbericht:

Kaum ein Infrastrukturprojekt wird derzeit so heftig diskutiert, wie die Zulaufstrecke zum Brenner-Basistunnel durch das Inntal. Bis zu 400 Züge täglich auf der Strecke, so sehen die Prognosen in Bezug auf den Brenner-Nordzulauf im Bereich des Landkreises und der Stadt Rosenheim derzeit aus. Das Millionen-Bahnprojekt, das ein neues Gleispaar durch das Inntal vorsieht, ruft Kritiker sowie Befürworter auf den Plan. Die Einen sagen, man werde von der Politik belogen, die Anderen, man brauche die neuen Gleise, um die Verlagerung der Verkehrs auf die Schiene voranzutreiben.

Planungen werden konkreter

Wie Projektleiter Torsten Gruber nun bekannt gab, werden am 18. Juni um 16 Uhr in Rosenheim allen Beteiligten die ersten Grobtrassenentwürfe präsentiert. In den Entwürfen soll auch schon gekennzeichnet sein, wo untertunnelt werden muss. "Es ist eine Mischverkehrstrasse für Güter- sowie Personenfernverkehr mit 230 km/h geplant." Auf den Sturm der Entrüstung, der möglicherweise auf die Vorstellung der Grobtrassenentwürfe folgt, sei die Bahn vorbereitet: "Wir sind gewappnet", sagt Gruber.

Geologische Untersuchungen noch nicht abgeschlossen

Der Widerstand von Seiten der Bürger ist nämlich nach wie vor groß. Die Gemeinde Neubeuern verweigert der Bahn beispielsweise Flächen für die geologischen Erkundungsbohrungen zur Verfügung zu stellen. Die Bahn beantragte deswegen bereits eine Duldung beim Eisenbahnbundesamt. In vielen Gemeinden des sogenannten erweiterten Planungsraumes wurde noch gar nicht gebohrt.

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Wie kann es sein, dass in rund eineinhalb Wochen schon Grobtrassenentwürfe vorgestellt werden, wenn auf manchen Gebieten noch gar nicht gebohrt wurde? Gruber erläuterte auf diese Frage hin: "Genau deshalb gibt es die Bürgerbeteiligung. Mit jeder Planungsstufe wird man genauer. Wir haben noch geologische Lücken, das stimmt. Die Entwürfe beruhen auf dem derzeitigen Kenntnisstand." Mit den notwendigen Bohrungen werden die Trassenentwürfe dann verfeinert und detaillierter.

Trassenvorschlag 2020

Laut Gruber soll Anfang 2020 dann der Trassenvorschlag kommen, den der Bund dann freigeben muss. "Ziel ist es, die wirtschaftlichste Trasse zu finden", sag Gruber. Dafür werde man am Ende die Kosten, die bereits mitgeführt werden, ins Verhältnis zum Nutzenspunkt setzen. 

EU-Verkehrskommissarin Violeta Bulc habe den Ausbau der Brennerachse laut Bahnvertreter als eine der drei wichtigsten Infrastrukturprojekte in Europa betitelt.

Brenner-Nordzulauf am Donnerstag doppelt Thema in Rosenheim

"Wir nehmen das Thema Brenner-Nordzulauf beziehungsweise Brenner-Basistunnel sehr ernst", betonte Ministerpräsident Markus Söder, der am Donnerstag im Rahmen einer Bürgersprechstunde zu Gast war in Rosenheim. Er betonte, dass die Staatsregierung auch beim Thema Trassenvorschläge aufmerksam dabei sein werde. "Das wichtigste für uns ist maximaler Lärm- und Sichtschutz für die Anwohner", erklärte Söder, "Wir wollen insgesamt dabei die bestmögliche Situation für die Region erreichen!"

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