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Bahn beantwortet Bürgerfragen zum Brenner-Nordzulauf

Brenner-Trasse durch die Region: Bürger stellen Fragen, die Bahn steht Rede und Antwort

Gerhard Schloots und Sepp Lausch vor eine Schild mit der Aufschrifft „ist die Heimat ruiniert, fährt die Bahn ganz ungeniert“
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Gerhard Schloots gemeinsam mit FW-Fraktionsvorsitzenden Sepp Lausch bei einer Demo gegen den Brenner-Nordzulauf.

Die Deutsche Bahn und die Österreichischen Bundesbahnen informierten am Donnerstag, 6. Mai, ab 18 Uhr über die Auswahltrasse für den Brenner-Nordzulauf. In einem Webcast hatten die Zuschauer die Gelegenheit live Fragen zu stellen, die die Bahnexperten dann beantworteten.

Landkreis Rosenheim - Die Trasse für den umstrittenen Brenner-Nordzulauf ist gefunden. Nachdem alle Vertreter der Dialogforen über den Stand der Planungen informiert wurden, stellten sich Gesamtprojektleiter Matthias Neumaier, sein Team und die Fachplaner am Donnerstagabend virtuell in einem Webcast den den Fragen der Bürgerinnen und Bürger. Diese drehten sich um allerlei Themen wie Planfeststellungsverfahren, Trinkwasser, Tunnelbauweise, Flächenverbrauch, Fernverkehr, Überholgleise und Verknüpfungsstellen, Ertüchtigung der Bestandsstrecke und der Anschlüsse, Kosten und vielem mehr.

Zwei Stunden Rede und Antwort

In der zweistündigen Online-Veranstaltung konnten Bürger ihre Fragen zwischen 18 und 20 Uhr in ein Textfeld eingeben, die die Experten dann beantworteten. Durch die Veranstaltung führte Moderator Ralf Eggert. Vom Planungsteam mit dabei waren Gesamtprojektleiter Matthias Neumaier, Projektleiter Peter Kölbach, Gesamtprojektleiter der ÖBB, Christian Tradler, Teilprojektleiter und Martin Eckert von der Planungsgruppe IBM und per Video zugeschaltet waren noch Manuel Gotthalmseder und Wieland Steiger.

Am Anfang der Veranstaltung stellte das Projektteam komprimiert auf etwa 30 Minuten die Planungsschritte vor, die zur Entscheidung für die violette Trasse geführt haben. „Der Nahverkehr profitiert von der Neubausstecke, denn er entlastet die Bestandsstrecke. Neue Gleise machen die Schiene wettbewerbsfähiger und wir ermöglichen neue Angebote im Fernverkehr“, sagte Gesamtprojektleiter Matthias Neumaier. Vier Gleise bedeuten laut Neumaier mehr Flexibilität. „Mit der Neubaustrecke leisten wir einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Bei vier der fünf Grobtrassen sind Vorschläge aus der Bevölkerung eingeflossen.“ Die Trasse Violett schneide laut Gesamtprojektleiter in den Bereichen Raumverträglichkeit und Umwelt am besten ab. „Das große Ziel gemeinsam mit der Region eine verträgliche Trasse zu finden, wird damit erreicht.“ Etwa 60 Kilometer der Strecke verlaufen unterirdisch.

Seeton ließ westliche Trassen ausscheiden

Erste Frage des Abends aus der Bevölkerung war: Warum bestehen bei den westlichen Trassen Realisierungs- und Genehmigungsrisiken? Diese Frage wurde von Projektleiter Christian Tradler beantwortet. Der erklärte, dass die westlichen Trassen den Zentralbereich des Rosenheimer Seetonbeckens queren. „In diesem Bereich steht Seeton in breiiger Konsistenz bis in mehre 100 Meter Tiefe. Unsere Berechnungen haben ergeben, dass Seeton für den Bau von Eisenbahnstrecken nicht geeignet ist.“

Dann folgten mehrere Fragen zum Bedarf und Planungsauftrag: Warum wird eine Neubaustrecke für schnelle Züge gebaut, wenn 80 Prozent der Züge Güterverkehrszüge sind? Welche Bedeutung hat der Bedarfsnachweis für die Planung? Welche Rolle spielt die Szenarienstudie? „Wir haben Grundlagen gegeben, wie wir im Bereich Österreich, Italien und Deutschland planen wollen und für den deutschen Anteil ist die Planung im Bundesverkehrswegeplan geregelt. Unser Auftrag ist es, eine Mischverkehrsstrecke zu planen“, so Matthias Neumaier. Die Überprüfung inwieweit der Bedarf gegeben ist, werde in den weiteren Jahren erfolgen. „Wenn wir die Trasse ausreichend tief beplant haben, wird sich der Bedarf nach unserer Sichtweise ergeben. Die Bahn wird das Projekt mit ihren Berichten im Jahr 2025 dem Bundestag vorlegen. Dort wird dann entschieden, ob das Ergebnis der Planungen weitergeführt wird.

Kosten und Wirtschaftlichkeit

Zur Frage nach den Gesamtkosten für das Projekt erläuterte der Gesamtprojektleiter, dass man sich in einer Bandbreiste von 6,7 bis 7,2 Milliarden Euro bewege. „Die Wirtschaftlichkeitsprüfung wird durch das Ministerium erfolgen. Ergebnisse sind bis ans Ende des Jahre 2023 zu erwarten“, so Neumaier. Christian Tradler ging auf Fragen nach der Ertüchtigung der Bestandsstrecke ein. Diese werde bis Ende der 2020er Jahre mit dem europaweiten ECTS-System ausgebaut. Infrastrukturelle Arbeiten an der Bestandsstrecke seien nicht vorgesehen.

Eine weitere konkretere Frage zu den Planungen war: Bleibt Rosenheim noch in Zukunft am Fernverkehr ausreichend angeschlossen? Matthias Neumaier sagte hierzu: „Ja. Die Grundlage dafür bildet der 3. Grundlagenentwurf des Deutschlandpaktes. Es ist aktuell und auch in Zukunft eine 2-stündige Anbindung an Rosenheim vorgesehen.“

Bekommen die Landwirte eine Ausgleichsfläche? Wie viel wird den Landwirten als Ausgleich pro Quadratmeter gezahlt? Können Grundstücke zwangsenteignet werden? Wie hoch sind die Entschädigungen für Landwirte? Was ist mit existenzgefährdeten Landwirten? Neumaier sagte hierzu: „Wir wissen jetzt welche Trasse wir haben, diese Fragen werden erst im weiteren Verlauf erläutert.“ Es werde aber natürlich ein Gesprächsangebot für die Landwirte geben.

jb

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