Ärztlicher Leiter der Führungsgruppe Katastrophenschutz klärt auf 

Corona: "Momentan leichte Entspannung, aber das kann morgen ganz anders sein" 

Dr. Michael Städtler ist der ärztliche Leiter der Führungsgruppe Katastrophenschutz in den Landkreisen Rosenheim und Miesbach. 
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Dr. Michael Städtler ist der ärztliche Leiter der Führungsgruppe Katastrophenschutz in den Landkreisen Rosenheim und Miesbach. 

Landkreis Rosenheim - Seit einer Woche gibt es die Führungsgruppe Katastrophenschutz. Was genau sich hinter dem Kürzel FüGK verbirgt und welche Aufgabenbereiche dieser neuen Position unterliegen, erklärt der ärztliche Leiter, Dr. Michael Städtler. 

Dr. Michael Städtler ist eigentlich zu 50 Prozent Oberarzt in der Anästhesie im Rosenheimer Klinikum und zu 50 Prozent ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes, der neben der Stadt Rosenheim auch die Landkreise Rosenheim und Miesbach umfasst. "In Hinblick auf diesen Aufgabenbereich lag die Wahl nahe, dass ich jetzt in dieser außergewöhnlichen Situation zu 100 Prozent die ärztliche Leitung in der Führungsgruppe Katastrophenschutz übernehmen darf", erklärt Dr. Städtler im Rahmen eines Pressegesprächs, das am Donnerstagnachmittag wegen des Corona-Virus virtuell über das Landratsamt stattgefunden hat. 

Hintergrund, dass die Position von Dr. Städtler überhaupt ins Leben gerufen wurde, war eine am 25. März erlassene Allgemeinverfügung des bayerischen Innen- und Gesunheitsministeriums. Seit rund einer Woche ist Dr. Städtler im Dienst. Anfangs sei es noch "ziemlich unklar" gewesen, wie groß dieser Tätigkeitsbereich wirklich ist: "Es stellt sich aber jeden Tag mehr heraus, dass es ein sehr großer Aufgabenbereich ist. Momentan bin ich sieben Tage in der Woche zuständig und es ist eine starke Mehrbelastung spürbar." 

Für niedergelassene Ärzte in Sachen ambulante Versorgung und Fragen der Allgemeinbevölkerung ist ein Versorgungsarzt, Dr. Fritz Ihler, zuständig. Auch mit ihm werde es demnächst ein Vorstellungspressegespräch geben. 

Sämtliche Klinikbetreiber ziehen an einem Strang

Innerhalb kürzester Zeit habe man eine Pandemie-Planung auf die Beine gestellt: "Im Grunde handelt es sich bei meiner Tätigkeit um eine Allzuständigkeit für die Patientenstromsteuerung sowohl für die Akut-Krankenhäuser als auch für die Nicht-Covid-Kliniken und die Rehakliniken."

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Über ein Online-Tool können Kliniken ihre bestehende Stationsbettenkapazitäten - sowohl intensiv als auch nicht-intensiv - melden, was Dr. Städtler überwache und steuere. "Außerdem habe ich Covid-19-Schwerpunktkrankenhäuser bestimmt, die ihre Aufnahmekapazitäten in den Notaufnahmen und in den Intensivstationen hochgefahren haben. Darunter fallen die RoMed Kliniken Rosenheim, Wasserburg und Bad Aibling, die Schön Kliniken Bad Aibling und Vogtareuth sowie das Krankenhaus Agatharied. Diese Krankenhausstruktur mit verschiedenen Versorgungsstufen haben wir bereits vor der Verfügung gemacht. Es wird überall gesagt, Rosenheim sei ein Hotspot - das ist richtig. Bei uns waren die kranken Patienten schon da bevor es diese Struktur gegeben hat, drum haben wir uns vorbereitet." 

Wie steht es um die Kapazitäten in den Kliniken? 

"Außerdem bin ich dafür zuständig, dass man im Zweifel auf Maßnahmen zurückgreift, um den Notarzt-Dienst sicherzustellen. Sowohl der Rettungs- als auch der Notarztdienst ist derzeit wirklich gut aufgestellt, alle ziehen an einem Strang. Sollte es Personalausfälle geben, wird das gut kompensiert. Momentan haben wir hier keine Notlagen", betont Dr. Städtler. 

"Wir haben zudem noch keinen Kapazitäten-Engpass, weder in den Normalstationen noch Intensivstationen. Die RoMed Kliniken Rosenheim und Wasserburg sowie die Schön Kliniken Vogtareuth und Bad Aibling haben unglaublich aufgerüstet und eine herausragende Anzahl an zusätzlichen Kapazitäten geschaffen. Gleichzeitig haben sich andere Kliniken gerüstet, die nicht an Corona erkrankte Patienten versorgen", unterstreicht Dr. Städtler.

"Wissen nicht, wie es weitergeht"

Betonen möchte der ärztliche Leiter der Führungsgruppe Katastrophenschutz, dass sich die Lage seit dem vergangenen Wochenende "ganz leicht entspannt" habe: "Es herrscht eine extreme Dynamik, es gibt Tage an denen haben wir eine Spanne zwischen drei und 22 Akut-Transporten. Ich möchte mich nicht auf der Tatsache ausruhen, dass wir Kapazitäten haben, aber wir sind vorbereitet." 

Der Aufruf verschiedener Kliniken, darunter die RoMed Rosenheim und das Innsalzach-Klinikum Wasserburg, dass sich medizinische Pflegekräfte - ob Ärzte im Ruhestand oder Medizinstudenten - melden möchten, sei in den Augen Dr. Städtlers "extrem sinnvoll": "Wir wissen nicht, wie es weitergeht. Wie lange diese Welle noch andauert, kann keiner sagen. Wir haben momentan zwar eine leichte Entspannung, aber das kann morgen schon wieder ganz anders sein." 

Momentan kein Bedarf an Hilfskrankenhaus 

Bei dem Begriff Hilfskrankenhaus handle es sich weder um ein Notkrankenhaus noch um ein Behelfskrankenhaus. Die Idee eines Hilfskrankenhauses sei es, bestehende Klinikstrukturen zu entlasten, sollten diese an den Rand der Kapazität kommen: "Speziell blicken wir auf stillgelegte Kliniken oder Rehaeinrichtungen. Wovon ich dringend Abstand nehmen möchte ist, dass wir eine Turnhalle zu einem Hilfskrankenhaus umbauen. Wir haben aktuell Planungen für ein Konzept eines Hilfskrankenhauses ob der sehr dynamischen Lage. Die Überlegungen gehen aber nur in die Richtung, welches Haus man für ein Hilfskrankenhaus ertüchtigen könnte. Dies würde auch einen nicht unerheblichen finanziellen Aufwand mit sich bringen, was aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht Grundlage der Diskussion ist." 

Dr. Städtler habe konkrete Objekte im Auge, wolle sich aber zu genauen Standorten zum jetzigen Zeitpunkt nicht äußern. "Wir bekommen zahlreiche Angebote für Gebäude, die sich für eine Umgestaltung eignen würden. Die Hälfte meines Posteingangs sind momentan Angebote für Hilfskrankenhäuser. Ich möchte aber hier kein samariterisches Interesse an den Tag legen. Das ist der Grund, warum ich diese Planungen nicht preisgeben werde", unterstreicht Dr. Städtler und betont, die Bevölkerung sei "momentan ausreichend mit stationären Kapazitäten versorgt. Wir haben einen Plan B in der Hinterhand, den wir jetzt ausarbeiten und zu gegebener Zeit vorstellen, wenn man ihn brauchen sollte". 

Im Landkreis Rosenheim gibt es 53 stationäre Pflegeeinrichtungen mit insgesamt 3.860 Plätzen. Dazu kommen elf Einrichtungen für Menschen mit Behinderung mit insgesamt 962 Plätzen. Das Landratsamt geht davon aus, dass fast alle zur Verfügung stehende Plätze belegt sind. 

mb

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