Polizei gründete Sonderermittlungsgruppe "Stream"

Cyberkriminalität in  Rosenheim nimmt immer mehr zu 

+
v.l.: Polizeipräsident Robert Kopp, Kriminaldirektor Bernd Hackl, Kriminalrat Christian Langenmair
  • schließen

Rosenheim - Am Mittwoch informierte das Polizeipräsidium Oberbayern Süd über die Hintergründe der Emittlungsgruppe „Streams“ und Kriminalität im Internet.

Ab Mai 2017 ermittelte die fünfköpfige Ermittlungsgruppe (EG) „Streams“ des K 11 - Cybercrime der Kriminalpolizeiinspektion Rosenheim mehrere Monate gegen einen 27-jährigen aus dem südlichen Landkreis Rosenheim.Der Mann hatte illegal entschlüsselte Pay-TV-Sender im großen Stil bereitgestellt. Es wurden über 400 Kunden ermittelt, welche die illegalen Dienste in Anspruch nahmen. Auch gegen sie wird wegen Urheberrechtsverletzungen und Computerbetrug ermittelt. Der festgestellte Schaden beläuft sich für die Pay-TV-Anbieter auf rund 717.000 Euro.

Die vierköpfige EG läuft seit Mai 2017, berichtet Kriminaldirektor Bernd Hackl, Leiter der Kriminalpolizeiinspektion Rosenheim. Der Haupttäter wird beschuldigt, dritten ermöglicht zu haben, Pay-TV-Sender ohne Abos zu sehen. Über Mundpropaganda und Werbung im Internet habe er auf sein illegales Angebot aufmerksam gemacht.

Der Zuschlag erfolgte schließlich im Mai 2018. 50 Polizeibeamte, 40 Forensische Sachverständige und ein Staatsanwalt waren im Einsatz und durchsuchten drei Privatwohnungen und 14 Gewerbebetriebe. Insgesamt habe man fünf Server in Deutschland und vier Server im Ausland sowie 100 Terabyte Daten sichergestellt, so Hackl. "Die Ermittlungen werden derzeit noch weitergeführt, um auch die beiden Hintermänner, die dem Bereitsteller das Signal zur Verfügung gestellt haben, zu schnappen.

Unwissenheit schützt vor Strafe nicht

Oft wissen die Kunden bei solchen Fällen gar nicht, dass sie ein illegales Signal erworben haben. Der Kunde macht sich aber mit strafbar. Hackl wies präventiv darauf hin: "Wenn ein Preis so eklatant von einem normalen Abo abweicht, ist es ein Zeichen für eine Straftat."

Cyberkriminalität steigt generell an

Polizeipräsident Robert Kopp sagte bei der Vorstellung der Spezialeinheit, dass die klassischen Verbrechen in der Region stagnieren, die Kriminalität im Internet aber immer weiter zunehme. Etwa 1.300 Anzeigen gingen in dem Bereich im Jahr 2017 bei der Rosenheimer Polizei ein. Die Dunkelziffer liegt aber deutlich höher, so Kopp. Der Grund: viele Vergehen werden gar nicht erst angezeigt. Beim Schutz vor solcher Kriminalität, sieht die Polizei vor allem den Bürger in der Pflicht. Zum Beispiel, indem er ein aktuelles Anti-Viren-Programm auf dem PC hat oder seine Passwörter regelmäßig aktualisiert. Wie ein sicheres Passwort aussehen soll, kann man auf der Internetseite des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik nachlesen. Hier gebe es sehr gute Tipps für den Umgang Passwörten und generell den Umgang mit IT.

Zurück zur Übersicht: Landkreis Rosenheim

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser

MEHR AUS DEM RESSORT