Für den guten Zweck

Erster Friseur-Termin nach Lockdown unterm Hammer: Friseurinnen aus Region lassen Kunden steigern

Den ersten Friseurtermin am 1. März versteigert Heike Brembs (rechts) aus Aschau auf Ebay und spendet den Erlös an die Orthopädische Kinderklinik. Kollegin Simone Lindner (links) ist seit 16 Jahren im Team.
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Den ersten Friseurtermin am 1. März versteigert Heike Brembs (rechts) aus Aschau auf Ebay und spendet den Erlös an die Orthopädische Kinderklinik. Kollegin Simone Lindner (links) ist seit 16 Jahren im Team.

Die Krise nutzen, etwas Gutes tun, obwohl man selbst eine harte Zeit hinter sich hat – genau das machen die Friseurinnen Heike Brembs aus Aschau und Sarah Zettl aus Raubling. Sie versteigern ihren ersten Termin zur Wiedereröffnung am 1. März und spenden den Erlös.

Aschau/Raubling – Brembs möchte damit die Orthopädische Kinderklinik in Aschau unterstützen, Zettl stiftet das Geld dem Rosenheimer Tierheim.

Die Auktion von Sarah Zettls erstem Friseur-Termin in ihrem Salon in Großholzhausen am 1. März um 9 Uhr ist bereits beendet. Für Zettl seien die vergangenen zwei Monate, in denen sie ihren Laden schließen musste nicht einfach gewesen. „Ich habe den Salon ja erst im September eröffnet“, berichtet sie. Ohne die Hilfe ihres Mannes hätte sie es nicht geschafft. Umso größer sei die Freude, das sie nun endlich wieder arbeiten dürfe. „Den gesamten März bis Mitte April bin ich voll.“

102 Euro gehen an Rosenheimer Tierheim

Und um etwas zurückzugeben, hat auch sie sich entschlossen, den ersten Termin zu versteigern. Das Geld möchte sie dem Rosenheimer Tierheim spenden: „Die Tiere werden so oft vergessen.“ 102 Euro sind bis zum gestrigen Mittwochmorgen zusammengekommen. Gut eine Woche konnte geboten werden. „Ich freue mich so sehr“, sagt die Friseurin.

Mönchen-Gladbacherin spendet gleich doppelt

Höchstbietende war Bettina R. aus Mönchen-Gladbach. Die Palliativ-Krankenschwester arbeitete im März auf der Covid-Station und ist nun seit Oktober im Testzentrum der dortigen Klinik tätig, berichtet sie auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen. „Mir geht es finanziell gut und ich wollte damit etwas zurückgeben.“

Da sie selbst zwei Hunde aus dem Tierschutz habe, wollte sie ein Tierheim unterstützen. „Ich war vor Jahren mal in Rosenheim, deswegen habe ich mitgemacht“, so die Krankenschwester.

Auch den ersteigerten Friseurtermin spendet die Mönchen-Gladbacherin: „Der soll jemandem zu Gute kommen, dem es finanziell nicht so gut geht“, berichtet sie.

Aus Spaß wurde Ernst

Die negative Zeit der vergangenen zwei Monate in etwas Positives umwandeln möchte auch Heike Brembs aus Aschau. Als bekannt wurde, dass die Friseure am 1. März wieder öffnen dürfen, habe ihr Telefon bis in die Abendstunden hinein geklingelt. „Aus Spaß hatte ich gesagt: ‚Wenn das so weiter geht, dann versteigere ich den ersten Termin‘.“ Aus Spaß wurde ernst. Gleichzeitig überlegte sich die Aschauerin aber auch, wie sie mit der Aktion etwas Gutes tun könnte. „Mir ist wichtig, dass das Geld im Ort bleibt“, erklärt sie. Deswegen habe sich für die Orthopädische Kinderklinik in Aschau entschieden.

Vergangenen Monate waren „ein Kampf“

Die vergangenen Monate waren für die Friseurin nicht einfach. „Es war ein Kampf“, sagt Heike Brembs. Das gesamte Handwerk habe wenig Unterstützung erhalten, die Frustration sei bei vielen groß gewesen. Dennoch habe sie versucht, die Zwangspause so positiv wie möglich zu nutzen. „Ich habe meinen Laden umgebaut, Farbe und Pflegesortiment auf organisch-vegane Produkte umgestellt“, erzählt sie. Ihr Salon sei nun sogar als klimaneutral zertifiziert.

Friseurin Sarah Zettl aus Großholzhausen mit ihrer französischen Bulldogge Bruno. Den Erlös aus der Versteigerung ihres ersten Termins geht an das Rosenheimer Tierheim.

Zusammenhalt als Weg durch die Krise

Aber sei sie nicht immer so stark gewesen. Den Kopf in den Sand stecken wollte sie aber nicht. „Als in den Medien laut wurde, dass viele Friseure schwarzarbeiten, habe ich meine Mitbewerber im Ort angerufen. Wir waren uns alle einig, privat keine Haare zu machen“, berichtet sie. Solidarität und Zusammenhalt seien für der Weg durch die Krise. Deswegen auch die Spendenaktion.

Der erste Termin um 7 Uhr sei schon weg. Dafür sperre sie um 6.45 Uhr auf. Bei Ebay sind inzwischen knapp über 180 Euro zusammengekommen. Bis Samstag, 27. Februar, 11 Uhr kann noch geboten werden.

Trotz schwieriger Zeit an andere denken

Eine „sehr nette Geste“ in schwierigen Zeiten, findet Obermeister der Rosenheimer Friseur-Innung Stefan Mashold die Aktion der Friseurinnen. „Dass man selbst so schwierige Zeiten hinter sich hat und dann noch an andere denkt, ist eine tolle Sache.“

Hilfe vom Staat kommt spät

Denn in den vergangenen zwei Monaten seien die Friseure das einzige Handwerk, das nicht arbeiten durfte – und kaum Unterstützung erhielt. „Die Überbrückungshilfe können wir jetzt nach zwei Monaten beantragen“, ärgert er sich. Da sei es für viele schon zu spät.

Umso größer sei bei dem Obermeister die Vorfreude auf die Eröffnung: „Meine Kollegen und ich sind überwältigt vom Zuspruch und der Wertschätzung unserer Kunden.“

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