Unternehmer aus der Region klagen

Kontrollen im Raum Rosenheim: Rund läuft‘s an der Grenze noch lange nicht

Der Verkehr von Österreich nach Deutschland läuft trotz Kontrollen – wie hier an der Staatsstraße bei Kiefersfelden – weitestgehend flüssig. Trotzdem klagen Unternehmen über Probleme bei der Einreise ihrer Mitarbeiter.
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Der Verkehr von Österreich nach Deutschland läuft trotz Kontrollen – wie hier an der Staatsstraße bei Kiefersfelden – weitestgehend flüssig. Trotzdem klagen Unternehmen über Probleme bei der Einreise ihrer Mitarbeiter.

Mit der Nacht zum Sonntag (14. Februar) begann Deutschland mit Grenzkontrollen aus so genannten „Corona-Mutations-Gebieten“, darunter aus Tirol. Auch wenn sich die Politik mit dem bisherigen Verlauf zufrieden gibt, für hiesige Unternehmen ergeben sich nicht unwesentliche Probleme durch die neuen Regeln.

Rosenheim – Weitestgehend entspannt habe sich die Verkehrslage an den Grenzübergängen zu Tirol und Tschechien. Das findet zumindest Bayerns Innenminister Joachim Herrmann. Auch nach Schilderungen der hiesigen Bundespolizei laufen die Corona-Kontrollen problemlos. Doch damit sind noch längst nicht alle Probleme gelöst.

So wabern Gerüchte in sozialen Netzwerken, Pflegekräfte würden am Grenzübertritt zu Deutschland gehindert. Dabei gehören diese explizit zu jenen Berufsgruppen, die mit Mitteilung von gestern, ausdrücklich von den Einreisebeschränkungen ausgenommen seien.

Reinigungskraft an Grenze abgewiesen

Tatsächlich berichtet das Pflegeheim „Pur Vital“ in Stephanskirchen über Probleme von Mitarbeitern aus Österreich, die gestern trotz Arbeitsvertrag und Pendlerbescheinigung an der Grenze zurückgewiesen wurden. Zumindest eine Reinigungskraft ließen die Beamten nicht einreisen, da ihre Aufgabe nicht unter die „systemrelevanten Berufe“ falle, wie sie von der Europäischen Kommission gemeinsam mit dem Bundesinnenministerium festgelegt wurden.

Hier nachlesen (Plus-Artikel): Unklare Lage für Pendler aus Tirol und Tschechien - wer darf jetzt noch über die Grenze?

„Dem können wir nicht zustimmen, denn ein Heimbetrieb funktioniert natürlich nur einwandfrei, wenn auch die hauswirtschaftlichen Arbeiten vollumfänglich erfolgen“, klagt eine Unternehmenssprecherin. Gerade in Zeiten von Corona sei Hygiene im Kampf gegen Corona wichtig.

Gros der Anträge von Kliniken und Pflegeeinrichtungen

Hinzu kommt für die Einrichtung in Stephanskirchen: Bislang konnte man die Schnelltests dort selbst vornehmen. Inzwischen müsse jedoch ein Mediziner die Negativ-Testate gegenzeichnen. „Wir haben jetzt für alle Mitarbeiter aus Österreich einen Antrag beim Landratsamt Rosenheim stellen müssen, indem wir die Systemrelevanz begründen.“ Für die Reinigungskräfte bei „Pur Vital“ wisse man bislang noch nicht, ob diese Genehmigung auch erfolgt.

Bis zu 30 Anträge aus einem Betrieb

Für 71 Betriebe konnte der Landkreis Rosenheim heute eine solche Bescheinigung ausstellen. Kliniken und Pflegeeinrichtungen machten das Gros der Anträge aus, hinzu kämen Speditionen, wie das Landratsamt mitteilt. „Einige Unternehmen haben den Antrag nur für einen systemrelevanten Mitarbeiter gestellt, bei Kliniken lagen zum Teil bis zu 30 Anträge vor, die alle bearbeitet und ausgestellt wurden“, sagt Richard Weißenbachen von der Wirtschaftsförderstelle des Kreises. Sie zeichnet für die notwendigen Bescheinigungen verantwortlich.

Hier nachlesen: Neue Einreisebestimmungen an der Grenze zu Tirol - ein Lagebericht von vor Ort

Insgesamt zehn Mitarbeiter seien im Einsatz, um die Menge an Anfragen abzuarbeiten. „Derzeit sind noch etwa 200 E-Mails von Firmen offen, die Anträge für ihre Mitarbeiter gestellt haben.“ Möglicherweise erhielten auch die Antragsteller ihre Bescheinigungen jedoch erst morgen oder übermorgen.

Auch Spediteure klagen über Regeln

Bei der Stadt Rosenheim hätten sich heute rund 40 Betriebe beim Ordnungsamt gemeldet, um eine solche  zu erhalten. „Die Zahl der betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter reicht von eins bis 40. Die meisten Anträge konnten problemlos bestätigt werden“, berichtet Stadtpressesprecher Christian Schwalm auf Anfrage. Die verbliebenen Anträge sollen bis morgen abgearbeitet worden sein.

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Doch auch in der Logistikbranche tun sich mit den neuen Regeln an der Grenze von Österreich zu Deutschland Probleme auf, wie der Geschäftsführer des Rosenheimer Logistikunternehmens BTK, Josef Heiß berichtet. Zwar halte sich der Aufwand für die pendelnden Lkw in Grenzen: Rund 20 Minuten habe die Wartezeit am Montag bei der Einreise nach Deutschland beantragen. Doch die ständige Blockabfertigung seiner Lkw durch Österreichs Behörden behindere den Transportablauf merklich. „Es ist eine Frechheit, was da passiert – auch mit den Menschen in den Fahrzeugen“, klagt Heiß über die Bedingungen, unter denen seine Fahrer praktisch tröpfchenweise nach Tirol gelassen werden.

Eine Stunde Mehraufwand pro Fahrt

Auch jenseits dieses dosierten Einlasses der Lastkraftwagen nach Tirol entstehe durch das neue Grenzregime neuer Aufwand für sein Unternehmen, vor allem durch die regelmäßigen Corona-Tests seiner Fahrer. Auf rund eine Stunde Mehraufwand pro Transport beziffert Heiß den Mehraufwand: durch die Wartezeit auf der einen und die Testung der Fahrer auf der anderen Seite. Und diese Stunde müsse er irgendwo wieder auffangen. Er gibt sich optimistisch, dass die geltenden Einreisebeschränkungen in absehbarer Zeit wieder fallen.

Neues Ungemach für Brummifahrer

Und der Landesverband Bayerischer Spediteure warnt derweil vor ganz anderem Ungemach für die Brummifahrer: Tirol halte derzeit weder Testkapazitäten für Fahrer im Transitverkehr vor, noch Parkmöglichkeiten für all jene, die von deutscher Seite abgewiesen werden. Stattdessen sind Lkw-Fahrer, deren Route über Italien nach Deutschland führt gehalten, bereits auf der italienischen Seite einen Corona-Schnelltest zu absolvieren.

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