Enorme Welle der Solidarität für kroatische Erdbebenopfer

Von Wasserburg über Bernau nach Kroatien: So erlebten die hiesigen Feuerwehren den Hilfskonvoi

Feuerwehren aus dem Raum Rosenheim beim Abladen der Spenden bei einer kroatischen Feuerwehr im Zielgebiet
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Die Feuerwehren aus dem Raum Rosenheim beim Abladen der Spenden bei einer kroatischen Feuerwehr direkt im Zielgebiet.

Landkreis Rosenheim - Eine Welle der Solidarität hat sich innerhalb von 72 Stunden entwickelt. Die Feuerwehren aus der Region sind am vergangenen Wochenende nach Kroatien aufgebrochen, um den Opfern des schweren Erdbebens zur Seite zu stehen. Richard Schrank, Kreisbrandrat des Landkreises, koordinierte den Transportzug und hatte den Hilfskonvoi von Bayern bis Kroatien permanent im Blick.

Die Ursprünge des Hilfskonvois finden sich in der Stadt Wasserburg, wie Schrank im Gespräch mit rosenheim24.de erzählt: Hier ansässige kroatische Familien erfuhren von dem Unglück in ihrem Heimatland, Jossip Zilic aus Wasserburg gehört unter anderem zu dem Angehörigenkreis. Weil er Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Wasserburg am Inn ist, kam ihm die spontane Idee, innerhalb der Wehr eine Hilfsaktion für Kroatien ins Leben zu rufen.

Hilfskonvoi aus Bayern nach Kroatien: „Das Ganze hat eine enorme Eigendynamik entwickelt“

Aus einer kleinen Idee von Privatleuten und einiger guter Seelen aus Wasserburg entstand in Windeseile eine Welle der Hilfsbereitschaft in der ganzen Region. Für Schrank war klar, dass daraus ein großes Projekt wird. Dem Aufruf des Kreisbrandrats in den 118 Feuerwehren im Kreis Rosenheim zu Spendenmittel, Transportfahrzeuge und Personal folgten zahlreiche Freiwillige aus dem gesamten Landkreis und darüber hinaus. „Das Ganze hat eine enorme Eigendynamik entwickelt“, erzählt Schrank. „Sehr sehr viele Feuerwehren sind auf den Zug aufgesprungen, haben sich sogleich an der Aktion beteiligt, verschiedene Sammelpunkte ins Leben gerufen und die Aktion auf Facebook beworben.“

Aus dem ursprünglichen Plan von vier bis fünf Fahrzeugen in Größe eines Transporters auf Sprinterbasis wurden 42 zum Teil Vierzigtonner und Lastwagen mit Anhängern mit 106 Personen in der Summe, die den Transport am ersten Januar-Wochenende nach Kroatien begleitet haben. So haben es die Wehren Schrank zufolge geschafft, in kürzester Zeit eine großartige Hilfsaktion ins Leben zu rufen. „Viel diskutiert wurde nicht, wir haben uns für diesen Weg entschieden und das durchgezogen. Die Bereitschaft war riesig und es hat alles reibungslos funktioniert“, konstatiert er rückblickend.

Der Hilfskonvoi aus dem Raum Rosenheim am Grenzübergang bei der kroatischen Stadt Samobor.

Von Wasserburg und Bernau aus über die Grenzen nach Kroatien

Um 1 Uhr nachts ging es von der Sammelstelle im Wasserburger Feuerwehrhaus aus los nach Bernau. An einer Tankstelle wurde der Zug zusammengestellt, in drei Unterzüge eingeteilt, damit das Ganze im Verkehr koordiniert werden konnte, und Fahrrouten definiert. Mit dabei waren ein Pannenfahrzeug und „Springer-Fahrzeuge“, die jeweils überprüft haben, dass der Konvoi im Verkehrsfluss bleibt - gerade nach den Grenzübergängen.

Eine Länge von 2,5 Kilometern wies der Verband während der Fahrt nach Kroatien auf - der Transport verlief unfallfrei, wie Schrank erfreut unterstreicht: „Zwischenfälle gab es keine, lediglich 50 Zentimeter Neuschnee in Österreich machte uns ein bisserl zu schaffen, da die Fahrzeuge nur mehr mit 40 km/h vom Fleck kamen. In der Regel sind Feuerwehrfahrzeuge eh nicht für weite Strecken ausgelegt, weswegen wir immer den Spritverbrauch und die nächsten Haltepunkte im Auge behalten mussten. Auch die über 100 Leute mussten versorgt werden. Um etwa 10.30 Uhr sind wir am Zielort angekommen. Es hat alles perfekt funktioniert.

Ein Hilfskonvoi der Feuerwehren aus der Region Rosenheim macht sich auf, um die Erdbebenopfer in Kroatien zu unterstützen: Die Sammelstelle in Wasserburg ist links zu sehen, die Fahrt des Zugs auf Höhe Flachau in Österreich rechts.

Kroatischer Bürgermeister dankt bayerischen Helfern

In Kroatien in der sechstgrößten Stadt Velika Gorica mit circa 70.000 Einwohnern wurde der Hilfskonvoi aus Bayern vom Bürgermeister und der dortigen Feuerwehr begrüßt und verpflegt. „Deutsche Menschen sind für mein Land Kroatien immer da, wenn wir Hilfe brauchen“, bedankte sich der Bürgermeister bei den bayerischen Wehren und erklärte zur Lage: „Unser Land ist sehr betroffen von den Beben und wir sind sehr dankbar, dass Sie uns und anderen betroffenen Gebieten helfen.

Der Konvoi wurde dann in drei kleinere Züge aufgeteilt und in verschiedene Zielorte des Krisengebiets bis in die ländliche Gegend geschickt zum Ausladen. „Wir wussten, auf was wir uns einließen und hatten eine ungefähre Vorstellung davon, was uns im Erdbebengebiet vor Ort erwartet und dass es nicht angenehm werden würde“, betont Schrank. „Dennoch war es in den tiefsten Krisengebieten schockierend zu sehen, wie einzelne Ortsteile komplett zerstört oder Häuser noch immer einsturzgefährdet sind. Die Bewohner befinden sich in Zelten in der Nähe ihres Hauses, harren aus und hoffen, einen Großteil ihres Hab und Guts noch retten zu können.“

Was Schrank ebenfalls entsetzt hat, waren die „krassen Gegensätze“, die man sich gar nicht vorstellen könne: „Auf der einen Seite ist eine große Stadt mit 70.000 Einwohnern, die von Wohlstand zeugt und auf der anderen Seite im Hinterland befindet sich das komplette von Elend gezeichnete Gegenteil, wo einfach nichts mehr ist. Und gerade die armen Leute, die eh schon wenig haben, sind nach dem Erdbeben mehr denn je auf Hilfe angewiesen.“

Die bayerischen Feuerwehrler im kroatischen Zielgebiet.

Corona-Schnelltest erwartete die Helfer zuhause in Bernau

Viel Zeit für Austausch und Gespräche blieb in Kroatien nicht, denn das Coronavirus zwang die Helfer zur raschen Heimkehr. Themen wie nächtliche Ausgangssperre, Lenkzeiten für Hilfstransporte, Lkw-Fahrverbote oder die Maut in Österreich und Slowenien mussten bereits im Vorfeld abgeklärt werden. Am Montagmorgen um 6.30 Uhr befand sich der Konvoi schon wieder in Bayern.

Die Helfer durften sich nicht länger als maximal 72 Stunden in dem Krisengebiet aufhalten, erklärt Schrank. Dadurch waren sie von einer nachfolgenden Quarantäne befreit. Das Gesundheitsamt arbeitete kurzfristig noch ein Corona-Hygienekonzept aus und gab grünes Licht für den Konvoi, allerdings mit der Auflage, dass nach der Heimkehr innerhalb von 72 Stunden ein Negativ-Test nachgewiesen werden muss. „Wir haben bei der Rückkehr gleich im Bernauer Feuerwehrhaus eine zentrale Teststelle organisiert, die Montagnacht, 1 Uhr, in Betrieb ging und alle Personen mit einem Schnelltest überprüfte. Soeben kam die Rückmeldung, dass alle Helfer negativ sind“, freut sich Schrank und zieht abschließend eine rundum positive Bilanz der Hilfsaktion aus Bayern für Kroatien.

Kreisbrandrat Richard Schrank beim Corona-Schnelltest nach der Rückkehr des Feuerwehr-Hilfskonvois aus Kroatien.

Indes geht die Hilfsbereitschaft für das vom Erdbeben heimgesuchte Kroatien weiter: Kroaten aus Traunreut beispielsweise haben sich zusammen getan und am 30. Dezember bereits mit drei Transportern voller Spenden ins Krisengebiet gefahren - die nächste Ladung folgt Ende dieser Woche. Menschen aus dem Inntal haben ebenfalls eine Spendenaktion ins Leben gerufen und und auch im Nachbarlandkreis Ebersberg haben sich die Bürger zu einer spontanen Hilfsaktion für das vom Erdbeben heimgesuchte Kroatien zusammengefunden.

mb

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