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Eine Krise folgt der nächsten

Droht nun Ende des Jahres eine Insolvenzen-Welle in der Region?

Insolvenz
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Laut Statistisches Bundesamt sank die Zahl der beantragten Regelinsolvenzen um 7,6 Prozent.

Wiederholt war in den vergangenen Jahren vor einer anrollenden Insolvenzen-Welle gewarnt worden. Bisher blieb das der Region aber weitestgehend erspart. Nun wird das Szenario erneut vor dem Hintergrund der aktuellen Lage diskutiert. Wir haben uns erkundigt, wie Experten und Branchenvertreter die Lage einschätzen.

Landkreise - „Sollte es zu der befürchteten Energiekrise im Winter kommen, könnte das schon einige Unternehmen ins Straucheln bringen. Aber wir hoffen noch darauf, dass es gar nicht erst so weit kommt“, berichtet Florian Reil, Pressereferent der Industrie- und Handelskammer (IHK) München und Oberbayern. „Momentan läuft es in unserer durch die Corona-Pandemie angeschlagenen Branche eigentlich wieder recht gut. Aber sollte es soweit kommen, würde das zu der anhaltenden Personalknappheit für viele Probleme sorgen“, meint auch. Dr. Thomas Geppert, Bayerischer Landesgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbands (DEHOGA).

In Folge der Corona-Pandemie gab es bereits wiederholt Befürchtungen, eine Welle von Insolvenzen könnte anrollen. Zunächst wurde diese für den Herbst im ersten Corona-Jahr 2020 prognostiziert. Als sie dann weitestgehend ausblieb wurde im Folgejahr vermutet, dass sie stattdessen 2021 als Folge auslaufender Corona-Hilfen kommen müsse, was sich ebenfalls weitestgehend nicht erfüllte. Nun stellt sich, laut einem Bericht des Bayerischen Rundfunks (BR) das Amtsgericht München auf eine höhere Zahl von Insolvenzen ein und befürchtet, dass im Winter „was Großes“ auf uns zukommen kann. Energiekosten und Lieferengpässe würden Unternehmen erhebliche Probleme bereiten.

Insolvenz-Welle nun in Folge einer Energiekrise in der Region?

„Deutschlands Unternehmen erweisen sich trotz der Herausforderungen durch den Ukraine-Krieg bislang als robust. Die Zahl der Firmenpleiten war auch im ersten Halbjahr rückläufig. Doch jetzt befürchten Experten eine Trendumkehr“, berichtete die Deutsche Presseagentur (dpa) vor kurzem. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen sei im ersten Halbjahr sogar rückläufig, wie die Wirtschaftsauskunftei Creditreform berichtete habe. Allerdings befürchteten die Experten angesichts der schwierigen konjunkturellen Rahmenbedingungen in der zweiten Hälfte eine Trendumkehr. Mit der Sorge über die künftige Insolvenzentwicklung stehe Creditreform nicht allein. Der Kreditversicherer Allianz Trade habe zuvor bereits prognostiziert, dass die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland bereits in diesem Jahr um vier Prozent zunehmen könnte. 

Aktuell zeichne sich kein Zuwachs an Insolvenzen ab beziehungsweise es lägen keine vermehrten Anfragen an ihre Stellen für Wirtschaftsförderung vor, wie die Landratsämter von Altötting, dem Berchtesgadener Land, Mühldorf, Rosenheim und Traunstein berichten. „Gegenwärtig können wir noch keine Einschätzung abgeben, ob zum Jahresende zunehmend Insolvenzen zu erwarten sind, da derzeit über alle Branchen hinweg die vorherrschenden Themen der Arbeits- und Fachkräftemangel sowie die Lieferengpässe sind. Zudem spielen hier weitere Faktoren wie langfristige Gaslieferverträge und die Rücklagenbildung der Unternehmen hinein“, merkt Dr. Anja Friedrich-Hussong, Geschäftsführerin der Berchtesgadener Land Wirtschaftsservice GmbH an.

Branchenvertreter sehen auch Bundespolitik in der Pflicht

„Die Wirtschaftsförderung am Landratsamt Mühldorf am Inn steht im engen Austausch mit den Unternehmen im Landkreis. Das war und ist sowohl im Rahmen der Corona-Pandemie der Fall als auch jetzt mit Blick auf die Auswirkungen der Energiekrise. Aus den Gesprächen wird deutlich: Die Herausforderungen sind immens. Sowohl die zunehmende Energiepreisspirale als auch die steigenden Rohstoffpreise schlagen erheblich durch“, berichtet wiederum Thomas Perzl, Wirtschaftsförderer im Landratsamt Mühldorf. „Dennoch ist die regionale Wirtschaft robust und sie wird vorrausichtlich – trotz aller Widrigkeiten - gut durch das Jahr 2022 kommen. Die aktuelle Lage macht allerdings eine solide Planung für die Betriebe derzeit nahezu unmöglich, was wiederum die Geschäftserwartungen für das kommende Jahr erheblich trübt. Hier muss dringend mit notwendigen Entlastungspaketen für die Wirtschaft entgegengesteuert werden.“

Dem schließen sich auch Florian Reil von der IHK und DEHOGA-Landesgeschäftsführer Dr. Geppert an. „Natürlich sind auch wir selbst gefordert, wo nötig nachzubessern und vor allem zu schauen, dass wir attraktive Arbeitsverhältnisse und -Bedingungen bieten“, räumt Geppert ein, „Konkret, unter anderem, das Ende bürokratischer Gängelungen, eine Erleichterung von Dokumentations- und Verwaltungspflichten und so weiter. Das sind alles Hürden, die beispielsweise auch Neueinsteigern in die Branche das Leben schwer machen.“

hs

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