Testen statt Schließen

Inzidenz über 200: Familieninitiative fordert dennoch Öffnung der Rosenheimer Schulen

Die Schulen in Rosenheim sind zu, die in Stephanskirchen haben offen. Für den Verein „Initiative Familien“ ein klares Zeichen, dass die Regelung über die reinen Inzidenzzahlen nicht funktioniert. Der Weg zur Lösung? Für die Initiative nur mit einem neuen Ansatz.

Rosenheim – „Wir sind seit rund einem Jahr an der Sache dran und nichts hat sich geändert“, klagt Sabine Kohwagner, eine der Initiatorinnen des Familienvereins. Als zweifache Mutter erfährt sie seit Beginn der Pandemie am eigenen Leib, wie sich die Beschränkungen auf die Kinder auswirken. Nachdem die Schüler in den Rosenheimer Grundschulen und den Abschlussklassen zumindest wechselweise wieder in den Präsenzunterricht zurückkehren konnten, sind sie nun aufgrund eines Inzidenzwertes über 100 wieder zu Hause. Für Kohwagner eine „einfach nur frustrierende Situation“.

Abstand, Maske und vor allem Testen

Bereits im Oktober entwickelte die Initiative daher einen Vorschlag, wie man eine dauerhafte Präsenz in den Schulen gewährleisten könnte. Mit zwei freiwilligen Schnelltests pro Woche sollen Corona-Erkrankungen zügig erkannt werden, um eine Ansteckung einer gesamten Klasse zu vermeiden Zusammen mit den gängigen Abstandsregeln und Maskenpflicht soll so auch bei hoher Inzidenz ein kontrollierter Unterricht möglich ein.

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„Natürlich wissen wir, dass der Druck auf die Politik aktuell groß ist“, räumt Kohwagner ein. Auch der logistische Aufwand und die Ängste und Sorgen der Eltern spielen bei einem dauerhaften Testen der Kinder eine Rolle. Wissenschaftliche Studien hätten jedoch gezeigt, dass die Inzidenzzahlen mithilfe von Schnelltests gesenkt werden können, auch wenn nicht alle Familien ihre Kinder testen lassen und diese trotzdem zur Schule gehen.

Brief an den Kultusminister

Die Sorgen der Eltern kennt auch Martin Löwe, Landesvorsitzender des Bayerischen Elternverbandes. Aus diesem Grund schickte er einen offenen Brief an Kultusminister Michael Piazolo, in dem er die zahlreichen Fragen der Familien bündelte. Diese seien besorgt, dass lediglich punktuelle Korrekturen vorgenommen werden, anstatt an einer dauerhaften Lösung zu arbeiten.

So müssen auch die Schulen im Landkreis, die noch geöffnet sind, an eigenen Konzepten arbeiten, wie Florian Burggraf, Rektor der Otfried-Preußler-Grund- und Mittelschule in Stephanskirchen, verdeutlicht: „Natürlich sind wir froh, die Kinder wieder hier zu haben. Andererseits sind wir kaum darauf vorbereitet worden, was in der derzeitigen Lage auch Ängste bei allen Beteiligten hervorruft.“ Die Rückkehr in den Präsenzunterricht sei daher nach wie vor ein Tanz auf der Rasierklinge.

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Rund fünf Kilometer entfernt, in der Happinger Grundschule, musste Schulleiterin Andrea Ostermann dagegen wieder auf die reine Notbetreuung zurückgreifen. Sie findet es schade, dass die Zahlen so schnell gestiegen sind und man wieder auf Homeschooling umstellen musste. Zumal die Kinder die Vorgaben mittlerweile weitestgehend verinnerlicht hätten und selbstständig auf Abstand und das Tragen der Maske achten würden.

Schnelltests sollen die Lösung bringen

Einen ähnlichen Lernprozess erhofft sich Kohwagner auch beim Thema Schnelltests. „Meine Kinder können das bereits selbst, bevor sie zum Beispiel die Oma besuchen“, berichtet sie stolz. Mit der Unterstützung von zu Hause und den Lehrern wäre die Einführung von zwei Testungen pro Woche demnach auch kein großer Mehraufwand mehr. Die Rosenheimerin hofft daher sehr, dass der Vorschlag der Familieninitiative auch Gehör findet. Sie werde jedenfalls nicht aufgeben, für eine inzidenzunabhängige Öffnung der Schulen zu kämpfen.

Rubriklistenbild: © Christoph Soeder

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