Offenbar Justiz-Irrsinn im Raum Rosenheim

Malena (5) soll bis morgen nach Hongkong: Das sagt das Gericht

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Rosenheim/Chiemgau - Wenn dies wirklich so durchgezogen wird, kann man getrost von einem Justiz-Skandal sprechen. Malena (5) soll nach Hongkong zum offenbar gewalttätigen Vater abgeschoben werden - bis 8. November. Was steckt dahinter?

UPDATE, 11.20 Uhr - Das sagt das Oberlandesgericht

Die kleine Malena soll spätestens am Freitag, 8. November, nach Hongkong abgeschoben werden. Zu den Gründen für die Entscheidung, das Urteil aus erster Instanz aufzuheben, äußerte sich das Oberlandesgericht München nur sehr vage. "Bei der von Ihnen angesprochenen familiengerichtlichen Entscheidung handelt es sich um eine Entscheidung, die in einem nicht öffentlichen Verfahren ergangen ist. In diesen Verfahren sind das öffentliche Informationsinteresse und die Persönlichkeitsrechte der Beteiligten in besonderer Weise abzuwägen", erklärte Annette Neumair, Richterin am Oberlandesgericht München und Pressesprecherin für Zivilsachen, am Donnerstagvormittag auf Anfrage von rosenheim24.de.

Aus Datenschutzgründen werde man sich deswegen nicht weitergehend zu dem Fall äußern. Schließlich seien sensible, "den privaten Lebensraum der Beteiligten betreffende Sachverhalte" betroffen. In diesem Fall hätten das öffentliche Informationsinteresse und das hieraus resultierende presserechtliche Auskunftsrecht hinter den Persönlichkeitsrechten der Beteiligten zurück zu stehen, hieß es abschließend.

Die Erstmeldung:

Malenas Mutter, Lufthansa-Stewardess Tanja G. (45), hatte laut einem Bericht der Bild-Zeitung im Jahr 2011 den chinesischen Piloten Kenny C. kennen und lieben gelernt. Das Paar lebte abwechselnd im Raum Rosenheim und in Hongkong. 2014 kam Malena in Wasserburg zur Welt. Damit begann der Ärger. Kenny C. wollte nach Angaben der Mama das Kind nicht. Sie stritten sich, trennten sich kurzzeitig und versöhnten sich am Ende doch. Ende 2017 folgte die Hochzeit, was G. inzwischen als "den größten Fehler ihres Lebens" bezeichnete. Dadurch verlor G. nämlich die Hälfte des Sorgerechts für ihre Tochter. Inzwischen gab es für Malena und ihre Mutter Tanja in Marquartstein auch schon eine Spendenaktion.

Zudem verschwand C. wenig später nach Hongkong und beendete laut Bild die Beziehung zu G. via WhatsApp. Danach ging es richtig rund: C. beantragte die Rückführung des Kindes nach Hongkong, da es von der Mutter angeblich entführt worden sei. In erster Instanz vor Gericht bekam Tanja G. Recht. Doch jetzt gab es den Schock vor dem Oberlandesgericht: Dieses revidierte das Urteil und entschied, dass Malena zum Vater muss - und zwar bis zum 8. November 2019. Eine Richterin drohte, falls sich G. gegen die Abschiebung von Malena sperrt: "Dann kommt der Gerichtsvollzieher und zieht das Kind auch unter dem Küchentisch hervor!"

Weigert sich die Mutter, droht ihr sogar das Gefängnis. Tanja G. ist völlig verzweifelt. Sie hat Angst vor ihrem Ehemann, der ihr gegenüber gewalttätig geworden sein soll, und vor den Verhältnissen in Hongkong. Auch Malena, die einen deutschen Pass besitzt, will laut ihrer Mama nicht weg: "Ich weiß nicht, warum sie hier raus gerissen werden soll. Auch für Malena ist es unvorstellbar. Sie hat große Angst, mich zu verlieren."

mw

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa (Symbolbild)

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