Die Parteien haben geantwortet

Wahlprüfsteine "Pflege und Gesundheit" zur Kommunalwahl in Stadt und Landkreis Rosenheim

Rosenheim - Die zur Wahl stehenden Parteien CSU, Freie Wähler, ÖDP, Bü-Ro, SPD und Die Grünen haben die Wahlprüfsteine "Pflege und Gesundheit" zur Kommunalwahl 2020 in Stadt und Landkreis Rosenheim ausführlich beantwortet.

Die Pressemeldung im Wortlaut:

1. Wie lässt sich der Personalnotstand in den Kliniken Rosenheim und im Landkreis verringern. Nennen Sie drei Sofortmaßnahmen, die sie als Oberbürgermeister*in /Landrät*in einleiten werden. 

Die Grünen:

• In Abstimmung mit der Klinikleitung und der Personalvertretung ein Bewerbungsangebot zur Gewinnung von Fachkräften mit fachgruppenspezifischem Marketing aufbauen 

• Unterstützende Begleitung in Stadt und Landkreis durch die Vermittlung/Anmietung von attraktivem/bezahlbarem Wohnraum für professionelle Pflegekräfte mit Familien und Alleinerziehende aus dem In- und Ausland 

• Wohnangebote innerhalb der Pflegeteams durch Gründung von Wohngemeinschaften 

• Anwerbeprämien für Fachpflegepersonal 

• Jobticket für Fachkräfte in den Kliniken 

• Weiterhin Implementierung und konsequenter Einsatz von PPR2.0 an den ROMed Kliniken, damit der Arbeitsaufwand auch leistbar ist 

Freie Wähler:

Als Bezirksrat von Oberbayern kann ich von Erfahrungen unserer KBO- Kliniken berichten. Wir bilden sehr viel aus, mit eigener Pflegerinnen und Pfleger Schule. Ausländisches Personal wird zunächst gezielt beschult. Der Bezirk Oberbayern mit seiner eigenen Wohnungsbaugesellschaft, der „Oberbayerischen Heimstätte“, schafft gezielt Wohnraum für Personal um die KBO Kliniken herum. Durch das Anbieten von Wohnraum und Arbeit kann gutes Personal gewonnen werden. Rekrutierung von Ausländischem Pflegepersonal wobei sich „das Ausland“ mittlerweile das auch nicht mehr so einfach gefallen lässt. Zu Recht! Durch das am 1. März in Kraft tretende Fachkräfteeinwanderungsgesetzt soll das alles besser geregelt sein. Einführung eines freiwilligen sozialen Jahr. Viele Junge Menschen haben sich seinerzeit, als es den Wehrdienst und Sozialdienst noch gab, nach dem Ableisten des Pflichtdienstes für einen Pflegeberuf entschieden.

Bündnis für Rosenheim (DIE LINKE., mut , Piratenpartei, Die PARTEI, V-Partei³):

Die Pflegenden benötigen ein angemessenes Gehalt für ihre anspruchsvolle Tätigkeit, die mit einer hohen Verantwortlichkeit einhergeht. Pflegekräfte erledigen eine äußerst wichtige Tätigkeit für die Gesellschaft und müssen doch im Schnitt ca. 50% ihres Gehalts an die Miete abgeben. Wir benötigen daher günstigen Wohnraum, bessere Bezahlung, kostenfreien Nahverkehr und eine feste Austauschplattform zwischen Pflege und Politik. - Wir müssen mehr ausbilden und müssen gezielter die Ausbildung bewerben z.B. an den allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen. Gutes Einkommen schon in der Ausbildung. - Auch die Arbeitsbedingungen für Auszubildende müssen unbedingt verbessert werden. Viele Auszubildende verlassen noch während der Ausbildung den Beruf aufgrund der gegebenen Arbeitsbedingungen. Daher müssen Auszubildende besser geschützt werden und eine praktische Ausbildung muss auch garantiert sein. - Pflegekräfte brauchen bessere Bedingungen, höhere Einkommen, flexiblere Arbeitszeiten, bevorrechtigten Zugang zu Kinderbetreuungseinrichtungen und kommunalen Wohnungen. - gezielte Förderung für den Wiedereinstieg in die Pflege. -> wir schlagen vor 80% Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich. Das löst viele Probleme auf einmal und durchbricht den Teufelskreislauf, der aus Überlastung durch schlechte Arbeitsbedingungen zu erhöhten krankheitsbedingten Ausfällen führt und das wiederum die Arbeitsbedingungen verschlechtert. - bevorrechtigter Zugang zu kommunalen Wohnungen und Wohnungsbau für den öffentlichen Dienst. 

SPD: 

• Erarbeitung eines Ausfall- und Konsequenzenmanagements mit der Klinikleitung und dem Betriebsrat 

• Aufstockung der Arbeitszeit bei Teilzeitkräften 

• Umgehende Umsetzung des Pflegestellenförderprogramms und der Regelungen zum Pflegepersonalstärkungsgesetz

ÖDP: 

Für die Pflege bei den Kliniken Rosenheim ist nicht der Landkreis sondern der Aufsichtsrat der RoMed Kliniken zuständig. Vorsitzender der RoMed Kliniken ist im Wechsel der Landrat und der Oberbürgermeister*in. In den RoMed Kliniken haben wir zwar mehr Pflegepersonal als im Bundesdurchschnitt, was nicht heißt, dass es deshalb genügt. Ich würde mich, auch unter finanziellen Aspekt, für eine höhere, ideale Besetzung mit Pflegepersonal einsetzen. Da Pflegefachpersonal auf dem Arbeitsmarkt fehlt, sollte zusätzlich auch die Ausbilung stärker gefördert werden. 

2. Wie verbessern Sie die Arbeitsbedingungen der professionell Pflegenden in den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen? 

Die Grünen: 

• Weiterhin die Tarifbindung der kommunalen ROMed Kliniken durch den TVÖD sichern. 

• Befragung und Gespräche mit den Pflegekräften 

• Kinderbetreuungsangebote für die Pflegenden und ihre Kinder erweitern 

• Implementierung eines digitalen Dokumentationssystems, um den Dokumentationsaufwand durch standardisierte Pflegedokumentation zu verringern Freie Wähler Durch Wertschätzung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das beinhaltet anständige Bezahlung, Flexible Arbeitsplätze/ Arbeitszeitmodelle usw. 

Bündnis für Rosenheim (DIE LINKE., mut, Piratenpartei, Die PARTEI, V-Partei³): 

Die Dienstzeiten sind oftmals an den 60er Jahren orientiert. Flexiblere Dienstzeiten sind eine Möglichkeit den Beruf für alle Pflegekräfte, auch ausgestiegene Pflegekräfte, attraktiver zu machen. Dazu muss der Gesetzgeber notfalls steuernd helfen. 

• Ausreichende Weiterbildung für Quereinsteiger in den Gesundheits- und Krankenpflegeberuf. 

• Gesichertes Frei durch Einsatz eines Springerpools 

• Dienstplangestaltung nach wissenschaftlichen Empfehlungen zur Gesundherhaltung

SPD: 

• Verbindliche Arbeitszeiten 

• Kein Holen aus dem Frei 

• Weniger Überstunden 

ÖDP: 

In Bezug auf Arbeitsbedingungen bei Pflegeeinrichtungen hat der Landrat wenig Möglichkeiten hier einzuwirken, hier ist der Bezirk gefragt. Wie es mit den Arbeitsbedingungen in den Krankenhäusern aussieht, kann ich hier nicht beurteilen, falls es in den Krankenhäusern hier Defizite gibt würde ich dafür sorgen, dass diese beseitigt werden. 

CSU: 

Otto Lederer: „Um die Arbeitsbedingungen von professionell Pflegenden zu verbessern, braucht es meines Erachtens drei Dinge: Eine gute Personalbesetzung mit hoher Fachlichkeit, eine passende Infrastruktur in Kliniken und Pflegeeinrichtungen auf hohem Niveau und flexible Arbeitszeitmodelle für Pflegende, damit diese in Teilzeit ihre beruflichen Verpflichtungen mit anderen, zum Beispiel privaten Aufgaben, verbinden können. Der Landkreis Rosenheim wird dafür in den nächsten Jahren einen dreistelligen Millionenbetrag in moderne Klinikinfrastruktur an allen drei Landkreis-Standorten investieren, die auch den Pflegenden zugutekommen wird.“ 

3. Wie begegnen Sie Alleinerziehenden in der Pflege? Welche Maßnahmen bieten Sie an, um diesen Elternteilen das Arbeiten zu ermöglichen? 

Die Grünen: 

• Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist eine Selbstverständlichkeit 

• Flexible Arbeitszeitangebote wie Elterndienste auf den Stationen und Funktionsabteilungen 

• Freistellung für pflegende Angehörige – Sonderurlaub 

• Die Öffnungszeiten der klinikeigenen Kita an die Schichtarbeitszeiten anpassen

Freie Wähler: 

Flexible Arbeitszeiten und Arbeitszeitmodelle, Krippen, Kitas und Schulen mit Nachmittagsbetreuung am Arbeitsplatz oder in unmittelbarer Nähe. Wohnen und leben in unmittelbarer Nähe des Arbeitsplatzes. 

Bündnis für Rosenheim (DIE LINKE., mut, Piratenpartei, Die PARTEI, V-Partei³): 

- Flexible Kinderbetreuungszeiten, die an den Schichtdienst angepasst sind und flexiblere Dienstzeiten. 

SPD: 

• bedarfsgerechte Arbeitszeiten 

• Kinderbetreuungsplätze f. Schichtarbeitende 

ÖDP: 

Die ÖDP tritt für ein Erziehungs- und Pflegegehalt von 1000 Euro im Monat ein. Nur damit könnte dieses Problem gelöst werden. Der Landrat/Landkreis hat hier wenig Möglichkeiten diesen Missstand zu beseitigen. 

CSU: 

Otto Lederer: „Aus meiner Sicht sind, gerade bei Alleinerziehenden, die Themen Verlässlichkeit der Arbeitszeiten, des Dienstschlusses und von Dienstverpflichtungen besonders wichtig. Hier müssen wir uns den berechtigten Erwartungen durch eine umsichtige Planung stellen. Darüber hinaus ist die Flexibilität sicherzustellen, dass man zum Beispiel im Falle der Erkrankung eines Kindes auch kurzfristig durch Springer Kollegen in der Pflege helfen kann.“

4. Pflegende Angehörige haben es sehr schwer und pflegen am persönlichen und finanziellen Limit. Wie helfen Sie den pflegenden Angehörigen in unserer Region? 

Die Grünen: 

• Beratungsangebote und Schulungen für pflegende Angehörige 

• Hilfe zur Selbsthilfe durch Pflegestützpunke mit Erweiterung der Familiengesundheitspflege 

Freie Wähler:

Wenn sich jemand dafür entscheidet seine Angehörigen zu pflegen dann darf das kein Nachteil für die betreffende Person sein. Ich finde es eine enorme Aufgabe 24 Stunden Angehörige zuhause zu pflegen. Eine entsprechende Vergütung, inclusive der entsprechenden Sozialleistungen ist das mindeste! 

Bündnis für Rosenheim (DIE LINKE. – mut – Piratenpartei, Die PARTEI, V-Partei³): 

Dies kann auf mehreren Wegen erfolgen: zunächst Aufbau von Nachbarschaftshilfen mit Unterstützung, zudem die Kurzzeitpflege in der Region ausbauen, um die Angehörigen zumindest zeitweise zu entlasten. - bessere und zugänglichere Beratung und eine koordinierte Unterstützung durch eine gesonderte Beratung und mehr Kurzzeitpflegeeinrichtungen. - Gerade Menschen und Familien, die noch nie Sozialleistungen brauchten, tun sich schwer mit dem Zugang zu entsprechenden Diensten. 

SPD: 

• Einrichtung von Pflegestützpunkt in der Stadt Rosenheim und im Landkreis Rosenheim, ggf. gemeinsamer Standort

ÖDP: 

Die ÖDP tritt für ein Erziehungs- und Pflegegehalt von 1000 Euro im Monat ein. Nur damit könnte dieses Problem gelöst werden. Der Landkreis hat auch hier, wenig Möglichkeiten, den Missstand der Bundesgesetzgebung zu beheben. 

CSU: 

Otto Lederer: „Ich habe mich stets für eine familienfreundliche Politik in Bayern eingesetzt und das bis hin zum Landespflegegeld, welches eine Leistung ist, die es zum Beispiel nur in Bayern gibt. Das sind pro Jahr 400 Millionen Euro, die der Freistaat Bayern hier zur Verfügung stellt, damit Pflegebedürftige sich selbst etwas Gutes tun oder den Menschen eine finanzielle Anerkennung zukommen lassen können, die ihnen am nächsten stehen: ihren pflegenden Angehörigen, Freunden, Helferinnen und Helfern. Darüber hinaus ist es mir wichtig, dass sich auch der Landkreis Rosenheim weiterhin für das Thema Pflege und die pflegenden Angehörigen einsetzt. So sollen auch in Zukunft Beratungsstellen für pflegende Angehörige, Ansprechpartner zu niederschwelligen Betreuungsangeboten, Pflegepartner oder Anbieter von Hauskrankenkursen in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen. Denn im Bedarfsfall sollen pflegende Angehörige auch weiterhin auf ein differenziertes Beratungs-, Unterstützungs- und Entlastungsangebot bis hin zu mobilen Pflegediensten oder Kurzzeitpflegeplätzen im Landkreis zurückgreifen können.“ 

5. Wie ermöglichen Sie den Patient*innen und Pflegebedürftigen sich wirksam zu beschweren? 

Die Grünen: 

• Beschwerdemanagement und Ansprechpartner in den Kliniken mit Feedbackkultur 

• Patientenbeauftragte sichtbar im Eingangsbereich darstellen

Freie Wähler:

Die Freie Wähler Fraktion im Kreistag hat vor kurzen einen Antrag auf Errichtung eines Pflegestützpunktes im Landkreis gestellt. Dieser Pflegestützpunkt dient zur kompetenten Beratung der zunehmend Älteren Bevölkerung bei Hilfs- und Pflegebedürftigkeit. Der Pflegestützpunkt soll zwar keine Beschwerdestelle sein, sicher werden aber die Pflegegeberater ein offenes Ohr für Beschwerden haben und diese an entsprechende Stellen weiterleiten. 

Bündnis für Rosenheim (DIE LINKE. – mut – Piratenpartei, Die PARTEI, V-Partei³): 

Installation eines zentralen von den Kliniken und Pflegeeinrichtungen unabhängigen Beschwerdemanagements, diese sollten in wechselnder Folge mit den Bewohnerräten und Patientensprecher*innen interagieren und möglicherweise Fördergelde für gute Pflege bereitstellen. Dies können QM-Beauftrage des Landratsamts übernehmen. Wichtig ist dabei auch in Zusammenhang ein Patienten- und Pflegebedürftigen Telefon bzw. eine Internetplattform einzuführen. 

SPD: 

• Eine Beschwerdestelle sollte in einem jeden Krankenhaus Standard sein, dort wo es dies noch nicht gibt, würde ich mich dafür stark machen 

ÖDP: 

Hier könnte man mit einem Internetportal eine Anlaufstelle schaffen, damit Angehörige und Betroffenen unbürokratisch Pflegemängel melden können. 

CSU: 

Otto Lederer: „Ich empfehle, sich bei Beschwerden direkt an die betreffende Stelle zu wenden. Die RoMed Kliniken führen zum Beispiel bereits seit vielen Jahren eine Patienten-Zufriedenheitsbefragung durch, im Rahmen des Qualitätsmanagements. Aus der Analyse der Ergebnisse erfahren die RoMed Kliniken viel über die Bedürfnisse der Patienten und deren Angehörigen. Seit Anfang dieses Jahres gibt es diese Befragung auch als Online-Lösung, die noch schneller Zugriff auf belastbare Daten gibt.“

6. Wie reaktivieren und erhalten Sie bedrohte und geschlossene Kreißsäle unserer Region? 

Die Grünen: 

• Hebammen/Geburtshelfer/in/Pädiater/in sind die Grundvoraussetzung für eine sichere und moderne Geburtshilfe. 

• Die bestehenden Kreissäle am Standort Rosenheim und Wasserburg haben höchste Priorität. 

• Kluge Personalauswahl mit allen regionalen Akteuren und die Nutzung aller Kooperationsmöglichkeiten, um eine sichere Geburt für die Frauen in Stadt und Landkreis zu garantieren. 

• Proaktives Bewerbung der Hebammenprämie vom Freistaat in Stadt und Landkreis Rosenheim 

Freie Wähler: 

Es ist sehr traurig, dass nach Prien am Chiemsee nun auch der Kreissaal in Bad Aibling geschlossen wurde. Fachkräftemangel und fehlende Finanzierung im Gesundheitswesen waren die Ursache. Nur Kreissäle mit 1000 Entbindungen werden gefördert. In Wasserburg konnten wir die Schließung, trotz nur ca. 700 Geburten, noch abwenden. Betrachten wir die Situation aus der Vogelperspektive dann sind wir mit Wasserburg und Rosenheim, den umliegenden Kreissälen in Ebersberg, Traunstein und Agatharied nicht schlecht aufgestellt in unserer Region. Sollte die Bevölkerung in unserer Region weiter so zunehmen und Kreissäle fehlen, wird ROMED, also Stadt und Landkreis sicher handeln. Im Übrigen ist es so, dass sowohl die kommunalen Krankenhäuser von ROMED, als auch die kommunalen Kliniken des Bezirks Oberbayern, die KBO, für unsere Bevölkerung rund um die Uhr da sind und zwar in allen Bereichen der Medizinischen Versorgung. Manchmal höre ich: „Ja aber die privaten Krankenhäuser in unserer Region machen auch alle Gewinne, warum die kommunalen Krankenhäuser nicht“. Die privaten Krankenhäuser sind, bei aller Wertschätzung, Rosinenpicker. D.h. die machen das, woran sie gut verdienen. Wenn unsere kommunalen Kliniken weiterhin Notfallmedizin rund um die Uhr gewährleisten sollen, dann kommt man um eine Zentralisierung der Kreissäle Wasserburg und Rosenheim letztendlich nicht umher.

Bündnis für Rosenheim (DIE LINKE. – mut – Piratenpartei, Die PARTEI, V-Partei³): 

Geschlossene Kreißsäle sind ein Armutszeugnis für eine prosperierende Region wie den Landkreis Rosenheim. Wir wollen junge Menschen und Familien hier einen Ort bieten, der diese nicht von wesentlichen Leistungen der Gesundheitsversorgung trennt. Eine Geburt ist außerdem ein sensibler und störanfälliger Vorgang. Der Aufwand, um in einen Kreißsaal zu gelangen, muss so gering wie möglich gehalten werden. Es hätte erst gar nicht zu der Situation kommen dürfen, dass zwei Kreißsäle im Landkreis Rosenheim schließen. Eine wohnortnahe gesundheitliche Versorgung zählt zur Daseinsvorsorge. Diese müssen gesichert sein. Meines Wissens wurden die Kapazitäten der noch vorhandenen Kreißsäle auch nicht erweitert, um dieses Defizit auszugleichen. In Kooperation mit Hebammen möchte ich für die geschlossenen Kreißsäle ein Geburtshaus vorschlagen, das direkten Zugang zur Klinik hat. Das wäre eine Möglichkeit die fehlenden Ressourcen auszugleichen und gleichzeitig für die Gebärenden eine weniger klinische, aber sichere Geburt zu ermöglichen. Die Geburtshilfe wie auch andere Gesundheitsdienstleistungen der Krankenhäuser dürfen nicht einfach betriebswirtschaftlich betrachtet werden, sondern sind Teil der Grundversorgung wie Wasser, Nahverkehr, etc. An den örtlichen Krankenhäusern müssen alle alltäglichen Gesundheitsdienstleistungen möglich sein. 

SPD: 

Zunächst ist es wichtig den Patientinnen eine optimale und für alle Risiken eingerichtete Geburtseinrichtung anbieten zu können. Dies ist für kleine Kliniken mit geringeren Geburtenzahlen nicht möglich. Deshalb soll nach Möglichkeiten im Verbund mehrerer Krankenhäuser dieses Problem gelöst werden.

ÖDP: 

Unser ÖDP Aufsichtsratsmitglied hat sich immer für den Erhalt der Geburtsstation in Bad Aibling eingesetzt und entsprechend dafür gestimmt. Dafür stehe auch ich würde alles tun um die Geburtsstation in Bad Aibling zu reaktivieren und in Wasserburg zu erhalten. In Prien war die Situation für den Erhalt der Geburtsstation aussichtslos. Zu dem „Wie “ kann ich nur sagen schwnierig. Wer hier Versprechungen macht und das Blaue vom Himmel verspricht, kennt die Situation in keiner Weise. Auch für eine angedachte Hebamen geführte Geburtsstation bräuchte man Gynäkologen und für eine ganze Station 1 Chef-, 3 Ober- und 6 Assistenzärzte und 2 Geburten täglich und Frauen, die sich operieren lassen. 

CSU: 

Otto Lederer: „Die Kreißsäle, die die RoMed Kliniken in der Region Rosenheim betreiben, sind aus meiner Sicht nicht bedroht. Im Gegenteil, die Geburtshilfen in Rosenheim und Wasserburg erfreuen sich allergrößter Beliebtheit. In Wasserburg plant das RoMed Klinikum mit dem Neubau einen zusätzlichen Kreißsaal und eine Fortsetzung des zweistelligen Prozent-Wachstums des letzten Jahres in der Geburtshilfe. In Rosenheim gibt es mit dem Perinatalzentrum der höchsten Stufe die bei weitem größte Geburtshilfe der Region. Beide Standorte werden geburtshilflich weiterentwickelt und stehen somit den Schwangeren der Region und der Nachbarregionen weiterhin vollumfänglich zur Verfügung.“ 

7. Wie ermöglichen Sie den Hebammen und Entbindungspflegern eine Ansiedlung in unserer Region? 

Die Grünen: 

Siehe Massnahmen bei Frage 1. 

Freie Wähler:

Wenn Sie sich erinnern können, dann war es der Freie Wähler Vorsitzende Hubert Aiwanger und seine Landtagsfraktion die nicht mehr locker lies, dass die Hebammen Zuschüsse für ihre teure Haftpflichtversicherung bekommen. Die Unterstützung wird es von den Freien Wählern auch weiterhin gehen. Bei der Ansiedelung von Hebammen sehe ich die gleichen Rahmenbedingungen wie bei der Gewinnung von Pflegepersonal: Arbeitsstellennahe Wohnungen, Flexible Arbeitsbedingungen, Optimale Berufsausbildung, Vorhalten von genügend Praktikumsplätzen usw.

Bündnis für Rosenheim (DIE LINKE., mut, Piratenpartei, Die PARTEI, V-Partei³): 

Die Fachkräfte im Gesundheitsbereich schätzen die Lebensqualität im Landkreis und in der Stadt Rosenheim, doch muss diese bezahlbar werden. Dazu gibt es die Möglichkeit an zwei Stellschrauben zu drehen: Gehälter hoch und Mieten runter. Die Kommunen können zusätzlich entsprechende Zuschüsse für Hebammen anbieten. Und wir brauchen eine solidarische Finanzierung der Haftpflichtversicherungen. Wir schlagen eine einheitliche und solidarische Versicherung für alle Beschäftigten des Gesundheitswesens vor. 

SPD: 

Zunächst ist es wichtig die Ausbildungszahlen deutlich zu erhöhen. Als kurzfristige Maßnahmen können in Betracht gezogen werden: 

• Angebote zur Berufsrückkehr 

• Anwerbung aus anderen Regionen mit Unterstützung am neuen Wohnort (Kinderbetreuung, Arbeitsplatz Partner, etc.) 

• Aufstockung von Teilzeitarbeitsverhältnissen mit Unterstützung bei der Kinderbetreuung 

ÖDP: 

50 Geburtshilfestationen können nicht mehr besetzt werden, von anderen Standorten können wir nicht abwerben sondern wir müssen in unserer Region die Ausbildung wieder erhöhen. 

CSU: 

Otto Lederer: „Wir haben dankenswerterweise hoch engagierte Hebammen bei uns in der Region, zum Beispiel an den RoMed Kliniken. Die Kompetenz und die Stabilität dieses Teams werden auch in Zukunft die Geburtshilfe in unserem Bereich sicherstellen. Darüber hinaus gibt es von der Staatsregierung Programme, die Hebammen, zum Beispiel bei der Niederlassung als Selbstständige, wirtschaftliche Unterstützung bieten. Außerdem möchte ich in Zukunft verstärkt bezahlbaren Wohnraum anbieten, auch für Hebammen und Entbindungspfleger.“

8. Nennen Sie drei Sofortmaßnahmen, um Frauen eine sichere und gewaltfreie Geburt in Rosenheim und im Landkreis zu ermöglichen. 

Die Grünen: 

Frauen in Stadt und Landkreis haben das Angebot für eine sichere und gewaltfreie Geburt in den ROMed Kliniken und in den vorhandenen Geburtshäusern zum Teil auch mit Betreuung durch Hebammen auch zuhause. 

Freie Wähler ----- 

Bündnis für Rosenheim (DIE LINKE. – mut – Piratenpartei, Die PARTEI, V-Partei³): 

- Eine sichere und gewaltfreie Geburt ist nur möglich, wenn entsprechend Personal vorhanden ist. Das heißt, dass der Betreuungsschlüssel unbedingt angehoben werden muss. Kurze Wege zum nächsten Kreißsaal sind ebenfalls entscheidend sowie alle medizinisch notwendigen Einrichtungen zur Versorgung von Mutter und Kind. Die Hebammen und Entbindungspfleger brauchen daher eine angemessene Bezahlung und gute Arbeitsbedingungen. Sonst wird der Personalmangel auch hier nicht behoben werden können und über kurz oder lang zur Folge haben, dass weitere Kreißsäle schließen. -Die Stadt Rosenheim und der Landkreis brauchen außerdem einen kommunenübergreifenden Plan, der die Versorgung sichert. Die Kliniken arbeiten gewinnorientiert. Hier müssen entsprechende Ressourcen, die für die Kliniken finanziell nicht attraktiv sind, vorgehalten werden. Gesundheit ist keine Ware, die den Prinzipien des freien Marktes unterworfen werden kann. Dies hat zwangsläufig zur Folge, dass finanziell nicht attraktive Anteile abgestoßen werden. Folglich ist die Erlaubnis Gewinne zu machen in Frage zu stellen.

SPD: 

Diese Frage lässt darauf schließen, dass es in Rosenheim keine Möglichkeit der sicheren und gewaltfreien Geburt gäbe. Dies würde ich nicht so sehen. 

ÖDP: 

Geburtshäuser wären hierzu ein gute Möglichkeit, aber die müssten in unmittelbarer Nähe zu Kliniken mit Geburtsstation stehen. Nur so kann gewährleistet werden, dass bei Komplikationen schnellstmöglich die nötige Hilfe da ist. Werdende Mütter müssen zu Risiken von Kaiserschnittgeburten bei der Schwangerschaftsberatung umfassend aufgeklärt werden. 

CSU: 

Otto Lederer: „Ich bin durchaus der Meinung, dass unsere RoMed Kliniken alle Voraussetzungen erfüllen, um eine sichere und gewaltfreie Geburt durchführen zu können, und so ihrer Aufgabe der Versorgung in unserer Region sehr gut gerecht werden.“ 

9. Welche Maßnahmen leiten Sie für eine langfristige und nachhaltige Verbesserung des regionalen Pflegenotstands ein? 

Die Grünen: 

• Wertschätzung von Seiten der Kommunalpolitik für die Pflegenden Berufe z.B. durch einen Rosenheimer Pflegegipfel zum fachlichen Austausch aller Pflegenden in der Gesundheitsregion. 

• Ausbau von attraktiven Arbeitsplätzen für Pflegende durch eigenverantwortliche Führung und 

• verbindliche Arbeitsstrukturen. 

• Beruflich Weiterqualifikation und ein breites Ausbildungsangebot für Fachpersonal in Rosenheim für ein spannendes und herausforderndes Berufsleben mit engagierten Kollegen. 

• Ausbau der engen Kooperation mit den pflegewissenschaftlichen Studiengängen in der TH Rosenheim mit Werkstudienverträgen und Studien. 

• Work-Life-Balance fördern durch das klinikeigene betriebliche Gesundheitsmanagement als vielfältiges Angebot für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Freie Wähler: 

Altkanzler Helmut Schmidt wurde einmal gefragt zum Thema Fachkräftemangel in der Industrie. „Dann sollen die verdammt nochmal mehr junge Leute ausbilden“ sagte Schmidt. Ganz so einfach ist es wohl nicht denn uns fehlen die Menschen die ausgebildet werden können. Abgesehen davon ist unsere Region sehr attraktiv in allem, somit muss es uns auch gelingen dass sich Menschen bei uns ansiedeln die gerne in der Pflege und in der Dienstleistung beschäftigt sind. Das heißt, wenn zwischen Arbeit, Bezahlbarem Wohnen, Sozialem Leben und Freizeitangebot Einklang herrscht sind gute Voraussetzungen geschaffen, dass gutes Personal zu uns kommt. 

Bündnis für Rosenheim (DIE LINKE. – mut – Piratenpartei, Die PARTEI, V-Partei³): 

Wir brauchen - nicht nur für die Pflege - bessere soziale Bedingungen, mehr bezahlbare Wohnungen, bessere Ausbildung, längere und flexiblere Kinderbetreuungszeiten in den KiTa´s und Schulen, Aktivierung von Arbeitskräften, die noch nicht oder nicht mehr in der Pflege arbeiten, ... Gemeinsame Initiativen mit den betroffenen Organisationen wie, Gewerkschaften. Wichtig ist es außerdem die Attraktivität des Pflegeberufs zu erhöhen. Dazu brauchen wir eine gute Ausbildung in attraktiven, qualitativ hochwertigen Schulen und modernen Ausbildungskonzepten und Gratifikation akademisch Qualifizierter. Zusätzlich fördert eine Teilzeitklasse die Akquirierung von Auszubildenden. Mütter und Väter die sich für eine Pflegeausbildung interessieren erhalten besondere Hilfen, um die Ausbildung machen zu können. Langfristig müssen die Arbeitsbedingungen verbessert werden. Dies geschieht über eine Arbeitszeitverringerung bei vollem Lohnausgleich, die den oben aufgezeigten Teufelskreislauf durchbricht. Um die Situation der Pflegebedürftigen zu verbessern, braucht es außerdem eine Personalbemessung, die sich am tatsächlichen Pflegebedarf orientiert. 

• Sie müssen also in Bezug auf den Patienten gelten, nicht auf einen Bereich.

• Die Personalberechnung muss mit adäquaten und nach neuestem wissenschaftlichen Standard geprüften Instrumenten erfolgen. 

• Die Einhaltung von Qualitätsangaben und Personalvorgaben muss transparent überprüft werden. 

• Die Mitarbeit der Pflegekräfte ist dabei unerlässlich, daher ist eine arbeitgeberunabhängige Meldestelle einzurichten. 

• Außerdem müssen die Pflegekräfte miteingebunden werden, wenn es um Verbesserungsvorschläge geht und zwar standortübergreifend. Die Empfehlungen der Pflegekräfte sind dann als verbindlich anzusehen. 

SPD: 

• klare Personalbemessung in der Pflege 

• Stellung der Pflegekräfte verbessern 

• mehr in die Ausbildung von Pflegekräften investieren 

• Arbeitszeitregelungen mit Überstundenbegrenzung 

ÖDP: 

Es gibt beim RoMed Klinikverbund Krankenpflegeschulen die für nachhaltige Verbesserung der Pflegesituation ausbilden, Interesse an dem Beruf kann man wecken, wenn aber zu wenig Bezahlung vorhanden ist, könnte die Bundesregierung oder Gewerkschaft da für Verbesserungen sorgen. Die Aussetzung der Wehrpflicht mit der einhergehenden Abschaffung des Zivildienstes hat die Betätigung und organisiertes Heranführen von Jugendlichen in den Pflegebereich abgesenkt und wurde nicht adäquat kompensiert. 

CSU: 

Otto Lederer: „Nach meiner Kenntnis haben wir bei den RoMed Kliniken keinen Pflegenotstand. Es ist jedoch zu spüren, dass wir für unsere herausragenden Pflegenden mehr tun müssen. Vor diesem Hintergrund ist es meiner Meinung nach sehr wichtig, auch weiterhin exzellente Fachkräfte auszubilden und die Pflegenden durch hervorragende Arbeitsbedingungen und Weiterbildungsmöglichkeiten in den Einrichtungen zu halten.“

Pressemeldung von "Pflege am Boden Rosenheim"

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