Telefonseelsorge für Lkr. Rosenheim und Mühldorf startet

Täglich Hilfe für persönliche oder familiäre Krisen

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Rosenheim - Ab 1. Februar ist der "Krisendienst Psychiatrie" auch für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Rosenheim sowie der Landkreise Rosenheim und Mühldorf erreichbar. 

"Wenn ich einen Schnupfen habe, gehe ich auch zum Arzt und sage ihm, er soll mich untersuchen", erklärt Josef Mederer, Bezirkstagspräsident von Oberbayern. Und stellt weiter klar: "E ine psychische Krise ist eine "normale" Erkrankung". 

Mit anschaulichen Beispielen versuchten Josef Mederer (Bezirkstag-Präsident), Dr. Michael Welschehold (Ärztlicher Leiter Leitstelle Krisendienst Psychiatrie München), Prof. Dr. Peter Zwanzger (Chefarzt Allgemeinpsychiatrie und Psychosomatik kbo-Inn-Salzach-Klinikum), Siegfried Zimmermann (Leiter Sozialpsychiatrischer Dienst), Rudolf Starzengruber (OSPE) und Elfriede Scheuring (Sprecherin Selbsthilfe der Angehörigen psychisch Kranker) auf der Pressekonferenz am Dienstag im Rosenheimer Caritas-Buchcafé die Bedeutung einer flächendeckenden Telefonseelsorge zu erläutern.

Wähle dein Leben

Bei dem Motto "Wähle dein Leben" steht DIE NUMMER: 0180/ 655 3000 im Mittelpunkt. Es handelt sich hierbei um einen Notfalldienst, den Menschen täglich von 9 bis 24 Uhr bei persönlichen, familiären oder anderen Krisenfällen kontaktieren können.

Ziel ist es, Anrufern eine schnelle, wohnortnahe und professionelle Beratung anzubieten. Der Krisendienst Psychiatrie ist in vier Säulen aufgeteilt, welche je nach Schwere der Krise zum Einsatz kommen, erklärt Mederer.

1. Telefonische Beratung, keine Warteschleife und ohne Zeitdruck

2. Terminvereinbarung am Folgetag

3. Mobiler Kundendienst, innerhalb einer Stunde vor Ort

4. stationäre Vermittlung/Aufnahme

Seelische Krisen sind "normale Erkrankungen" und niemand muss sich schämen

Oft fragen sich Menschen, was eigentlich eine psychische Erkrankung ist und bauen Ängste auf, sich nach außen zu äußern. Hier kommt die neutrale Nummer ins Spiel. Speziell ausgebildete und belehrte Fachkräfte übernehmen eine leitende und beratende Funktion. 

Nicht nur Menschen, die direkt von einer Krise betroffen sind, sondern auch Angehörige, Väter, Teamkollegen oder Vereinsmitglieder können sich bei der Beratungsstelle melden, wenn eine Person Verhaltensweisen aufweist, welche äußerst fragwürdig erscheinen.

Seit 2007 läuft das Projekt in München

"Jährlich verbucht die Leitstelle Krisendienst Psychiatrie München 12.000 Anrufe und 700 Einsätze", wie der ärztliche Leiter Dr. Michael Welschehold anmerkt. Zu den Einsätzen zählt er sowohl die persönlichen Besuche bei den Betroffenen wie auch die einvernehmliche Einweisung  in stationäre Krisenstellen.
Nun müsse man abwarten, wie dieses Konzept in einer ländlicheren Region ankommt. In der Region Rosenheim haben sich viele Kooperationspartner zusammengeschlossen, um eine Telefonseelsorge am Wochenende und abends bis 24 Uhr zu gewährleisten. 32 Helfer, aufgeteilt in Zweierteams, stehen dem Krisendienst Psychiatrie im Landkreis Rosenheim zur Verfügung. 

mz

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