Außergewöhnliche Situation im Landkreis Rosenheim

Kein Katastrophenfall und keine Schule: Landratsamt reagiert auf Kritik

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v.l.: Helga Wichmann, Leiterin des Schulamtes, stellvertretender Landrat Josef Huber, Kreisbrandrat Richard Schrank 
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Landkreis Rosenheim - Seit Tagen hat der Schnee den Süden Bayerns fest im Griff. Das Rosenheimer Landratsamt bezieht Stellung zum bisherigen Umgang mit den Witterungsverhältnissen und deren Auswirkungen auf die Region.

Der Winter hat in den vergangenen Tagen auch in Stadt und Landkreis Rosenheim zu einer außergewöhnlichen Situation geführt. Allein in Aschau und Sachrang waren bis zu 650 freiwillige Helfer im Einsatz, um Dächer von ihren Schneelasten zu befreien. Diese Männer und Frauen haben bis an die Grenzen der Belastbarkeit gearbeitet. Trotzdem kam immer wieder Kritik auf. Warum wurde kein Katastrophenfall ausgerufen? Warum fällt die Schule aus? Wo ist die Bundeswehr? Warum wurde mein Dach noch nicht geräumt? Diese und weitere Fragen erörterten der stellvertretende Landrat Josef Huber, Kreisbrandrat Richard Schrank und die Leiterin des Staatlichen Schulamtes Helga Wichmann in einem Pressegespräch am Dienstagnachmittag.

Darum wurde kein Katastrophenfall ausgerufen

"Wir haben keinen Katastrophenfall gehabt", sagt Huber gleich zu Beginn der Pressekonferenz. "Es gab starken Schneefall, der in bestimmten Regionen Probleme bereitet hat. Die Probleme waren aber alle bekannt und wir waren im ständigen Kontakt mit den Bürgermeistern der betroffenen Gemeinden." Man habe den Katastrophenfall nicht ausgelöst, weil die vorhandenen Rettungskräfte für die Lage ausreichend gewesen seien. "Wir hatten allein in Aschau 650 Kräfte im Einsatz, das waren mehr als in den anderen Gebieten zusammen", so Huber weiter. "Der Katastrophenfall soll dazu da sein, Hilfe anzufordern, wenn man mit eigenen Kräften nicht mehr aus kommt. Warum sollen wir woanders Kräfte abziehen, wenn wir sie nicht brauchen?" Der stellvertretende Landrat verwehrt sich auch massiv dagegen, dass man wegen Einzelaussagen Fehler suche, die nicht vorhanden seien. "Ich bin froh, dass wir den K-Fall nicht ausrufen haben müssen." Sein Dank gilt allen Helfern.

Josef Huber und Richard Schrank erläutern die Vorgehensweise

Auch Kreisbrandrat Richard Schrank bestätigt die Aussagen des stellvertretenden Landrats: "Es gab zu keiner Zeit eine Unterdeckung." Im Landkreis Rosenheim gibt es 118 Feuerwehren mit über 6.300 Helfern. "Am Spitzentag haben wir 750 Hilfskräfte benötigt. Über die Tage von Donnerstag bis Dienstagnachmittag waren es insgesamt 1.900", sagt Schrank. In Aschau/Sachrang habe man 90 Wehren eingesetzt. Zum Vergleich: Das Berchtesgadener Land hat insgesamt 22 Wehren. Schrank ging auch darauf ein, dass man immer mehr merke, dass das Thema Eigenverantwortung bei der Bevölkerung mehr und mehr in den Hintergrund rücke.

Es machten auch Aussagen die Runde, dass ein Katastrophenfall eine bessere Bezahlung für Helfer ermöglicht hätte. "Ein K-Fall hat nichts mit der Bezahlung der Helfer zu tun, alle Helfer sind freiwillig", sagte Schrank zu dieser Aussage. "Es gibt keinen großen Kostenunterschied, ob es es ein Katastrophenfall ist oder nicht."

Warum gab es Schulausfall?

Helga Wichmann, Leiterin des Staatlichen Schulamtes bezog Stellung zu den Schulausfällen im Landkreis. "Wir haben mit den Schulausfällen lange gezögert und haben auch überlegt nur in einzelnen Gebieten die Schule ausfallen zu lassen, aber es hätte ein heilloses Durcheinander gegeben, wenn man es pro Schule gemacht hätte." Mit einer einheitlichen Regelung habe man auch Planungssicherheit. Zur Diskussion um den Ausfall am Montag, als es in Teilen der Region fast keinen Schnee mehr gegeben hat, teilte sie mit, dass diese Entscheidung frühzeitig hätte getroffen werden müssen. "Es war Vorgabe der Regierung, das die Information bis Sonntagmittag in den Portalen stehen muss. Da war noch nicht abzusehen, wie die Lage am Montag aussieht." Huber ergänzte hierzu: "Wenn etwas passiert wäre, möchte ich nicht hier sitzen." Er habe dennoch Verständnis dafür, dass der Schulausfall gerade für die Eltern schwierig zu organisieren gewesen sei.

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