Hochwassersituation am Inn

Meldestufe 1 in der Region: "Wasserführung bleibt auf hohem Niveau"

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Inn-Staustufe in Rosenheim
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Landkreis Rosenheim/Mühldorf - Wegen der hohen Temperaturen schreitet die Schneeschmelze in der Schweiz und in Österreich voran. Deswegen gilt weiterhin entlang des Inns eine Hochwasserwarnung. In Tirol mussten bereits Straßen, Brücke und Radwege gesperrt werden.

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UPDATE, Freitag, 6.50 Uhr - Meldestufe 1 in der Region

Die Lage in Sachen Hochwassergefahr scheint sich weiter zu entspannen.Sowohl in Tirol als auch auf bayerischer Seite sind die Pegel des Inn über Nacht weiter gefallen. An den bayerischen Messstellen Oberaudorf, Rosenheim, Wasserburg und Mühldorf galt am Freitagmorgen jeweils noch die Meldestufe 1.

Dabei ist die Tendenz überall fallend - bis auf Wasserburg, wo der Wasserstand in den kommenden Stunden relativ stabil bleiben dürfte bzw. laut Prognose des Hochwassernachrichtendienstes Bayern nochmal leicht ansteigen könnte. Die Meldestufe 2 ist aber auch hier nicht mehr zu erwarten.

Auch aus Tirol wurde Entspannung vermeldet. So konnten beispielsweise in der Landeshauptstadt Innsbruck mehrere zuletzt gesperrte Brücken wieder geöffnet werden. Dennoch warnten Experten: Die Wettermodelle der kommenden Tage müsse man genau im Auge behalten, da durch die anhaltende Schneeschmelze die Pegel jederzeit wieder ansteigen könnten, hieß es. "Die Wasserführung verbleibt auf hohem Niveau", so der Hochwassernachrichtendienst Bayern.

UPDATE, 15.40 Uhr - trotz Sonnenscheins – Hochwasserlage noch nicht entspannt

In der Region herrscht bestes Badewetter. Gleichzeitig warnt das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim vor Hochwasser am Inn. Diese ungewöhnliche Situation ist die Folge von anhaltend hohen Lufttemperaturen im alpinen Einzugsgebiet des Inn

Die dadurch ausgelöste intensive Schneeschmelze führt auch ohne größere Niederschläge zur Überschreitung von Meldestufen entlang des abflussreichsten bayerischen Flusses. "Eine hohe sommerliche Wasserführung des Inn ist grundsätzlich nichts Ungewöhnliches. Allerdings ist die Größenordnung in diesem Jahr durchaus bemerkenswert", erläutert Klaus Moritz, Leiter des gewässerkundlichen Dienstes beim Wasserwirtschaftsamt. 

Dieses Jahr war bereits von einigen ungewöhnlichen hydrologischen Ereignissen gekennzeichnet. Im Januar führten intensive Schneefälle zu Katastrophenalarm, einem sehr trockenen April folgte ein deutlich zu kühler und regenreicher Mai, in dem an vielen bayerischen Flüssen und Seen wie in unserer Region Mangfall, Tegernsee und Chiemsee Hochwasser auftrat.

Vor wenigen Tagen sorgten dann Starkregenzellen für schwere Gewitter und lokal hohe Schäden wie in München und am Ammersee. "Solche Wetterkapriolen hat es schon immer gegeben, sie sind aber auch ein Stück weit Ausdruck des Klimawandels, mit dem sich die Wasserwirtschaft schon seit Jahrzehnten intensiv auseinandersetzt", erklärt Paul Geisenhofer, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Rosenheim. "Weltweit nehmen die Schäden durch Hochwasser und Unwetter zu. Gerade die dicht besiedelten, industrialisierten Länder sind besonders verwundbar. Die Wasserwirtschaft in Bayern reagiert mit vielfältigen Anpassungen beim technischen Hochwasserschutz, wir verbessern aber auch den natürlichen Rückhalt entlang der Gewässer und in den Auen." 

Dennoch: "Eine hundertprozentige Sicherheit vor Überflutungen gibt es trotz des Ausbaus von technischen Hochwasserschutzmaßnahmen nicht", betont Geisenhofer. "Die Schäden durch Überflutung zu reduzieren, ist eine gesellschaftliche Gemeinschaftsaufgabe. Jeder kann und sollte einen Teil dazu beitragen. Wirksamer Hochwasserschutz beginnt auch bei der Eigenvorsorge."

Erst vor Kurzem wurde von der bayerischen Wasserwirtschaftsverwaltung eine repräsentative Umfrage zu Hochwasserschutz in Bayern durchgeführt, bei der 1.400 Personen zu ihren Erfahrungen mit Hochwasser befragt wurden. "Ein Ergebnis ist für mich besonders beunruhigend", bilanziert Geisenhofer. "Bei Hochwasser und Starkregen ist das Gefährdungsbewusstsein in der Bevölkerung nach wie vor nicht sehr ausgeprägt. Nur 29 Prozent der Befragten wissen, dass sie Hochwasserschäden oft schon durch kleine bauliche Maßnahmen am Gebäude, etwa durch Abdichtung des Kellers, deutlich reduzieren können." Auch wer sich entsprechend versichert, muss sich um sein Eigentum weniger Sorgen machen. 

Rund die Hälfte der Bayern glaubt jedoch, ihre Hausrat- oder Wohngebäudeversicherung versichere sie gegen Schäden durch Überflutungen. Doch nur der zusätzliche Baustein einer Elementarschadenversicherung deckt Hochwasserschäden ab. Diesen haben bisher aber nur 40 Prozent der Bayern abgeschlossen. Und das, obwohl Hochwasser jeden treffen kann. Denn nicht nur in Gewässernähe besteht die Gefahr von Überflutung. Starkregen kann selbst auf Bergkuppen Schäden verursachen

Die Wasserstände am Inn werden voraussichtlich noch übers Wochenende erhöht bleiben. Der Scheitel der Schmelzwasserwelle dürfte jedoch bereits erreicht sein. 

Pressemeldung Wasserwirtschaftsamt Rosenheim

UPDATE, 14.42 Uhr - Lage entspannt sich, aber...

Sowohl in den Landkreisen Rosenheim und Altötting, als auch im Tiroler Unterland sind die Pegelstände deutlich gesunken und die Lage hat sich sichtlich entspannt. Auch die ÖBB konnte auf vielen Strecken, wie zum Beispiel auf der Karwendelbahn, den Zugverkehr wiederaufnehmen, schreibt die Tiroler Tageszeitung.

Dennoch sind auch im Landkreis Altötting die Auswirkungen von Schneeschmelze und lokalen Gewittern noch zu erkennen. Bäume stehen in Perach und Marktl weiterhin unter Wasser und auch viele Wege am Ufer des Inns sind überschwemmt. Der Inn besitzt immer noch eine schnelle Strömung und führt zahlreiche Baumstämme mit sich. 

Hochwasser am Inn: So ist die Lage im Landkreis Altötting

Im Laufe des Tages sollen in die Pegel im Südostbayerischen Raum weiter fallen.  

UPDATE, 12.55 Uhr - Zahlreiche Feuerwehreinsätze

Obwohl die Pegel im Tiroler Unterland (Bezirk Kufstein) im Laufe des Tages noch einmal leicht steigen könnten, sehen die Experten die Lage weitestgehend entspannt. In der Nacht auf Donnerstag gab es allerdings rund 60 Feuerwehreinsätze, am Vormittag rund 40 weitere.

Aufgrund des hohen Grundwasserspiegels mussten allen voran im Unterland unter Wasser stehende Kellerräume ausgepumpt werden.

UPDATE, 10.10 Uhr - Fotos aus Jettenbach und Rosenheim

Auch in der Region sind an den Messstellen Rosenheim und Wasserburg die Pegel leicht gefallen. Aktuell wird die Meldestufe 2 nicht mehr erreicht. Je nachdem, wie viel Schmelzwasser jetzt noch nachkommt, können die Pegel in den nächsten Stunden aber noch einmal leicht ansteigen.

Hochwasser am Inn: So sieht man den Fluss selten

UPDATE, 10 Uhr - Suchaktion im Raum Schwaz

Die Lage in Tirol hat sich ein klein wenig entspannt. Am Morgen ist der Pegel am Inn um einige Zentimeter gefallen. Dennoch haben die Einsatzkräfte alle Hände voll zu tun. Wie die Tiroler Tageszeitung berichtet, lief am Morgen im Bereich Schwaz ein größerer Rettungseinsatz.

Augenzeugen hatten auf Höhe der Steinbrücke einen Körper im Wasser treiben gesehen. Die Wasserrettungen Schwaz, Kramsach und Reith sowie mehrere Feuerwehrmänner suchten daraufhin den betroffenen Bereich ab. Die Suche blieb allerdings erfolglos. Unklar ist, ob es sich dabei möglicherweise um die Person gehandelt haben könnte, die am Dienstag in die Öztaler Ache gestürzt war und die seitdem vermisst wird.

UPDATE, 8.55 Uhr - Feuerwehrmann schwer verletzt

In Innsbruck ist am Mittwoch eine mobile Hochwassersperre errichtet worden. Dabei kam es am späten Nachmittag gegen 17.30 Uhr zu einem schweren Unfall. Im Bereich der Herzog-Otto-Straße wurde ein 26-jähriger Feuerwehrmann bei den Arbeiten von einem Auto erfasst, zu Boden geschleudert und schwer verletzt, wie die Landespolizeidirektion Tirol nun mitteilte.

Der Mann kam ins Krankenhaus. Wenig später kam raus: Der Unfallfahrer (68) war erheblich betrunken. Dem Mann wurde noch an Ort und Stelle der Führerschein abgenommen.

UPDATE, 7.45 Uhr - Mann stürzt in reißenden Fluss

Am Mittwochnachmittag gegen 16.25 Uhr ereignete sich in Tirol ein schlimmer Unfall mit einem E-Bike. In Sautens stürzte ein Mann beim Anfahren über eine steile Böschung in die Öztaler Ache. Der Fluss führte zu diesem Zeitpunkt Hochwasser. Der Mann wurde sofort von der starken Strömung mitgerissen.

Nach einem Notruf lief sofort ein Großeinsatz der Rettungskräfte an. Beteiligt waren Wasserrettung, Feuerwehr, Polizei und insgesamt drei Hubschrauber. Bis dato konnte der Mann noch nicht gefunden werden. Ob er den Unfall überlebt hat, dürfte angesichts der Hochwassersituation und der starken Strömung fraglich sein.

UPDATE, 7.25 Uhr - Zahlreiche Brücken und Straßen gesperrt

Wegen der Hochwassersituation am Inn kommt es in Tirol zu Verkehrsbehinderungen und Straßensperren. Das teilte die Landespolizeidirektion Tirol am Donnerstagmorgen mit.

Straßensperren:

  • B171 Tiroler Straße Totalsperre zwischen Kranebitten und Zirl (KM 85.000-85.800), Umleitung eingerichtet
  • L215 Unterinntal Landesstraße Totalsperre zw. Jenbach und Stans
  • L211 zw. Münster und Kramsach

Bahnunterführungen Sperren:

  • L212 bei KM 0.800 Bahnunterführung BHF Kirchbichl
  • Bahnunterführung Wörgl Poststraße –Raimund Federer Straße –örtl. Umleitung vorhanden

Sperrungen Radwege:

  • Inntal Radweg linksseitig Höhe ATIB.Moschee und linksseitig Endach in Richtung Langkampfen
  • Inntal Radweg Niederbreitenbach (Dornau) bis Kufstein durchgehend
  • Inntal Radweg Gertraudi/Brixlegg und Rattenberg
  • Inntal Radweg Hall in Tirol Höhe GH Badl bis Volders
  • Inntal Radweg New Orleans Brücke bis GH Badl
  • Inntal Radweg ab Volders/ Baumkirchen bis Wattens
  • Inntal Radweg ab Kematen bis Innsbruck

Sperrung Brücken (Innsbruck, Innsbruck Land, Schwaz und Kufstein):

  • Karwendel Brücke (IBK)
  • Emile - Bethouard Steg (IBK)
  • Hans Psenner Steg (IBK)
  • New Orleans Brücke (IBK)
  • Fußgänger Brücke Hall in Tirol GH Badl/ Untere Lend (Hall in Tirol)
  • Montanwerk Brücke in Brixlegg
  • Stein Brücke (Übergang zum Krankenhaus ) (Schwaz)
  • Rad- und Fußgänger in Vomperbach, Behelfsbrücke zwischen Altmahd und Vomperbach

Zusätzlich wurde die Hans Flöckinger Promenade für den Fuß – und Fahrzeugverkehr gesperrt (IBK).

Weiters werden die Badgasse und die Herrengasse ab etwa 15 Uhr durch die BFI mittels mobiler Hochwassersperren gesperrt und weitere Sperren im Bereich Herzog Otto Straße vorbereitet.

UPDATE, Donnerstag, 6.20 Uhr - Lage unverändert

Am Donnerstagmorgen ist die Lage in Sachen Hochwassergefahr am Inn nach wie vor nahezu unverändert. In Rosenheim und Wasserburg gilt weiterhin die Meldestufe 2. An der vorherigen Messstelle beim Kraftwerk Oberaudorf gilt die Meldestufe 1. Hier scheint laut den Daten des Hochwassernachrichtendienstes Bayern der Scheitelpunkt des Pegels aber bereits überschritten.

Im Landkreis Mühldorf gilt an den Messstellen in Kraiburg und Mühldorf weiterhin die Meldestufe 1. Die Warnungen gelten vorerst noch bis Freitag, 12 Uhr.

Hochwasser am Innkraftwerk Nußdorf/Ebbs

UPDATE, 16. 15 Uhr: Sicherheitshinweise für Bevölkerung

Wie bereits berichtet, kommt es aufgrund der hohen Temperaturen zu einem erheblichen Abfluss von Schmelzwasser aus den Alpen. Deshalb hat der Inn auch im Landkreis Mühldorf bereits Meldestufen überschritten. Wie die Wasserwacht Töging-Winhöring mitteilt, ist derzeit auch keine Entspannung absehbar. Auch über das Wochenende seien hohe, eventuell sogar weiter steigende Pegel zu erwarten.

In diesem Zusammenhang warnt die Wasserwacht:

  • Halten Sie Abstand. Der Wasserstand kann in kurzer Zeit spürbar ansteigen.
  • Betreten Sie keine als gesperrt gekennzeichneten Bereiche.
  • Betreten Sie keine Bereiche, die überflutungsgefährdet sind.
  • Befahren Sie keinesfalls den Inn mit Booten aller Art. Der Fluss führt derzeit sehr viel Treibgut mit sich.
  • Kinder sollen nicht unbeaufsichtigt am Ufer des Inns spielen.

Erstmeldung:

Im Landkreis Rosenheim ist deswegen am Inn mit einem weiteren Anstieg der Wasserstände zu rechnen. der Scheitel wird in den nächsten Tagen erwartet. Der Inn-Pegel in Rosenheim hat Meldestufe 2 bereits überschritten. In Wasserburg soll die Meldestufe 2 in Kürze erreicht werden.

Das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim und der Hochwassernachrichtendienst Bayern haben deswegen eine entsprechende Warnung herausgegeben. Diese gilt seit Dienstag, 12. Juni, 12 Uhr und ist voraussichtlich bis Freitag, 14. Juni, 12 Uhr, gültig.

Auch im Landkreis Mühldorf ist deswegen mit einem weiteren Anstieg der Wasserstände am Inn zu rechnen. Aktuell wurde an den beiden Pegeln in Kraiburg/Inn und Mühldorf/Inn die Meldestufe 1 überschritten. In den nächsten Tagen wird der Scheitel der Schmelzwasserwelle erwartet. Weitere Meldestufen sollen laut den Experten im Landkreis Mühldorf jedoch nicht überschritten werden, hieß es. Auch die Warnung für den Landkreis Mühldorf gilt bis Freitag, 12 Uhr.

Die Bürger werden dennoch gebeten, die weitere Entwicklung der Pegelstände aufmerksam zu beobachten. Erst Mitte Mai hatte der Dauerregen für zum Teil stark erhöhte Pegelstände in der Region gesorgt. Teilweise waren Flüsse und Seen über die Ufer getreten.

Das bedeuten die Meldestufen:

  • Meldestufe 1: Stellenweise kleinere Ausuferungen.
  • Meldestufe 2: Land- und forstwirtschaftliche Flächen überflutet oder leichte Verkehrsbehinderungen auf Hauptverkehrs- und Gemeindestraßen.
  • Meldestufe 3: Einzelne bebaute Grundstücke oder Keller überflutet oder Sperrung überörtlicher Verkehrsverbindungen oder vereinzelter Einsatz der Wasser- oder Dammwehr erforderlich.
  • Meldestufe 4: Bebaute Gebiete in größerem Umfang überflutet oder Einsatz der Wasser- oder Dammwehr in großem Umfang erforderlich.

Weitere Informationen gibt es auf der Homepage des Hochwassernachrichtendienstes Bayern.

mw

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