Bezirk Oberbayern startet umfangreiches Programm

Fachkräftemangel bei Angeboten für Menschen mit Behinderungen beheben

Landkreis Rosenheim - Wegen Fachkräftemangel müssen zahlreiche Bedürftige lange auf Plätze bei Betreuungsangeboten für Menschen mit Behinderungen warten. Der Bezirk Oberbayern möchte das Problem jetzt angehen.

Die Meldung im Wortlaut:

Geschlossene Gruppen in Heilpädagogischen Tagesstätten, freie Zimmer in Wohnangeboten für Menschen mit Behinderungen und Förderstätten, die nicht alle Plätze belegen können, obwohl es eine Warteliste gibt: Ursache ist bei allen Beispielen der Mangel an Fachkräften in Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen. Abhilfe verspricht sich der oberbayerische Bezirkstag von einem mit einer Million Euro dotierten Programm, das 2020 die Gewinnung von Fachkräften erleichtern soll. 

„In die Zukunft investieren heißt in die Menschen investieren“

„Der Fachkräftemangel ist für den Bezirk Oberbayern ebenso wie für die Einrichtungen und Dienste der Eingliederungshilfe eine große Herausforderung“, sagte Bezirkstagspräsident Josef Mederer. Das Gremium Gesundheits-, Sozial und Versorgungsplanung (GSV) habe deshalb die Arbeitsgruppe „Fachkräftemangel“ ins Leben gerufen. Der Arbeitsgruppe gehörten neben Mitarbeitenden des Bezirks Oberbayern unter anderem Vertreterinnen und Vertretern der Wohlfahrtsverbände, des Bundesverbandes privater Anbieter (bpa) und der Regierung von Oberbayern an. 

Ergebnis ist das mit einer Millionen Euro ausgestattete Programm „In die Zukunft investieren heißt in die Menschen investieren“, das der Sozialausschuss jetzt beschlossen hat. Das Programm zielt speziell auf die Gewinnung von Fachkräften in der Eingliederungshilfe ab. 

Bezahlte Praktika in Einrichtungen und Diensten für Menschen mit Behinderungen, aber auch in den Bereichen Psychiatrie, Sucht und Wohnungslosenhilfe, sollen dazu genutzt werden, um dauerhaft Fachkräfte zu rekrutieren und für die Arbeit in der Eingliederungshilfe zu begeistern. Hintergrund ist, dass es in der Eingliederungshilfe nicht viele Möglichkeiten gibt, Praktikumsstellen beispielsweise für zukünftige Erzieherinnen und Erzieher oder Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen zu finanzieren. So kommen diese für die Arbeit in den Einrichtungen und bei den Diensten so wichtigen Berufsgruppen während ihrer Ausbildung oft zu wenig mit diesen Einsatzfeldern in Berührung. Das neue Programm setzt genau hier an und möchte mit angemessenen Praktikumsvergütungen Auszubildende und Studierende bewusst in Einrichtungen der Eingliederungshilfe locken. 

Novum in der sozialen Landschaft

„Wir halten Praktika für ein wirksames Instrument, um Menschen für die anspruchsvolle Arbeit in der Eingliederungshilfe zu gewinnen“, erklärte Bezirkstagspräsident Mederer. „Deshalb refinanziert der Bezirk Oberbayern Praktikantengehälter in Einrichtungen und Diensten für Menschen mit Behinderungen. Dieses Programm ist ein Novum in der sozialen Landschaft.“ 

Konkret stellt der Bezirk Oberbayern eine Million Euro für zirka 75 Praktikumsstellen im Ausbildungsjahr 2020/2021 bereit. Bei entsprechender Nachfrage und erfolgreicher Durchführung soll das Programm perspektivisch ausgeweitet werden können. Die Gehälter sind abhängig von der Ausbildungs- und Einrichtungsart. So finanziert der Bezirk für angehende Erzieherinnen, die ihr Anerkennungsjahr in einer Einrichtung der Eingliederungshilfe leisten, ein Praktikumsgehalt in Höhe von bis zu 23.000 Euro. Bei der Erzieherausbildung mit optimierten Praxisphasen (OptiPrax) sind es 19.000 Euro und beim Sozialpädagogischen Seminar im Rahmen der Ausbildung zum Erzieher bis zu 9.500 Euro. 

Anerkennende Worte gab es für das Programm im Sozialausschuss besonders von den Sachverständigen der Wohlfahrtspflege. „Das ist für uns ein immens wichtiges Projekt“, sagte beispielsweise Sibylle Fuhlbrügge, Referentin der Lebenshilfe in Oberbayern. „Damit haben wir endlich die Chance, mehr junge Menschen für unsere Arbeit zu gewinnen.“

Pressemeldung Bezirk Oberbayern

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